Maßstabsgetreues 3D-Modell historischer Kulturdenkmäler

Ummauerter Hof mit den sichtbaren Deckeln der Silos (Foto: Ana Valls) Ummauerter Hof mit den sichtbaren Deckeln der Silos (Foto: Ana Valls)
3D-Modell der unterirdischen, bis zu zehn Meter hohen Silos mit der darüber liegenden Bebauung (Foto: David Montalvá) 3D-Modell der unterirdischen, bis zu zehn Meter hohen Silos mit der darüber liegenden Bebauung (Foto: David Montalvá)

2. Dezember 2016

Einsatz von moderner Vermessungstechnik

Die Hochschule Karlsruhe erstellt gemeinsam mit internationalen Partnern maßstabsgetreues 3D-Modell historischer Kulturdenkmäler

Sechs Wissenschaftler und 15 Studierende der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, der Aristoteles Universität Thessaloniki und der Universitat Politècnica de València haben im Projekt „Die Geomatik für die Erhaltung des kulturellen Erbes“ eine aufwendige Vermessung in Burjassot, einer Stadt in der Nähe von Valencia, vorgenommen. Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Baden-Württemberg-STIPENDIUM für Studierende – BWS plus" der Baden-Württemberg Stiftung über drei Jahre mit einer Summe von 100 000 € unterstützt. Von der Hochschule Karlsruhe waren fünf Studierende und drei Professoren bzw. akademische Mitarbeiter daran beteiligt.

Gegenstand der Vermessung waren mehrere unterirdische Getreidesilos aus dem 16. Jahrhundert in Burjassot, die zum spanischen Kulturerbe gehören. Um eine möglichst detaillierte und maßstabsgetreue Dokumentation zu erhalten, kamen dabei sechs verschiedene Messverfahren in mehreren Schritten zum Einsatz: Beispielsweise wurden mithilfe von Luftbildaufnahmen einer Drohne die Mauer, Gebäude und an die Silos angrenzende Straßen erfasst und deren Geometrie über photogrammetrische Verfahren dokumentiert. Außerdem wurden die Silos selbst, die bis zu 257 m³ Getreide fassen konnten, über Laserscanning millimetergenau vermessen. Über Thermal-Photogrammetrie (Thermographie), einer weiteren Messmethode, konnten die zunächst unsichtbaren Baustrukturen der Silos sichtbar gemacht werden. Um weitere unterirdische Silos zu finden, wurde der Platz mit einem Georadar abgetastet. Die Vermessungsergebnisse sind online unter www.hs-karlsruhe.de/imm/chp abrufbar und dienen als Grundlage zur Entwicklung eines Konzepts für die Konservierung der Anlage.

Die Geomatik-Forschergruppe plant in den kommenden zwei Jahren weitere Kulturdenkmäler in Griechenland und Deutschland zu dokumentieren. In Griechenland soll Pella vermessen werden, die Hauptstadt des antiken Makedonien zur Zeit Philipps II. und Alexanders des Großen, und in Deutschland das zum Weltkulturerbe zählende historische Bewässerungssystem des Klosters Maulbronn.

„Die Studierenden sind von diesem Projekt fasziniert“, so Prof. Dr. Heinz Saler, Projektleiter seitens der Hochschule Karlsruhe und Professor im Studiengang Geodäsie und Navigation, „weil sie nicht nur die Erfassung, Modellierung und Analyse von Geodaten zum Gegenstand haben, sondern sich auch mit geologischen und kulturhistorischen Fragestellungen auseinandersetzen. Davon profitieren die Studierenden durch ihre aktive Mitarbeit wie auch interessierte Laien und Wissenschaftler, da die Dokumentation für die Wissensvermittlung über kulturhistorisch wertvolle Bauwerke genutzt werden kann.“

Über das Baden-Württemberg-STIPENDIUM:

Das Baden-Württemberg-STIPENDIUM fördert den internationalen Austausch von qualifizierten Studierenden und jungen Berufstätigen. Seit 2001 konnten über 20 000 junge Menschen aus Baden-Württemberg Auslandserfahrungen sammeln bzw. junge Menschen aus dem Ausland konnten einige Zeit in Baden-Württemberg verbringen. Jedes Jahr erhalten mehr als 1 000 junge Menschen ein Baden-Württemberg-STIPENDIUM.

Weitere Informationen unter www.bw-stipendium.de

Das Programm Baden-Württemberg-STIPENDIUM für Studierende – BWS plus:

Mit dem Programm BWS plus unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung innovative Kooperationen von Hochschulen mit anderen internationalen Institutionen. 2011 wurde das mit jährlich ca. 800 000 € dotierte Programm zum ersten Mal ausgeschrieben und unterstützt inzwischen mehr als 50 BWS plus-Projekte an baden-württembergischen Hochschulen.

Stiftungsprofil:

Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger.

Weitere Informationen unter www.bwstiftung.de