Der Verbund der Stifter an der Hochschule Karlsruhe feiert sein zehnjähriges Jubiläum

29. Januar 2016

Hochschulprojekte mit rund 1 Million Euro gefördert

Der Verbund der Stifter an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft feiert sein zehnjähriges Jubiläum

Der Verbund der Stifter an der Hochschule Karlsruhe wurde 2005 als Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet und gibt ambitionierten Förderern und Spendern Gelegenheit, die Hochschule finanziell oder durch Sachleistungen zu unterstützen. Der Verbund fördert auf diese Weise Projekte in Lehre, angewandter Forschung und Weiterbildung sowie besonders begabte Studierende im In- und Ausland. Dazu stehen die Kapitalerlöse der Stiftung wie auch Spenden zum Einsatz im Sinne des Stiftungsziels zur Verfügung. So unterstützte der Verbund verschiedene Hochschulinstitute und Labore bei Anschaffungen in der technischen Ausstattung, vergab Stipendien für Studium und Auslandsaufenthalte, förderte Exkursionen und studentische Projekte. Innerhalb der zehn Jahre seines Bestehens belief sich die Gesamtfördersumme für die Hochschule auf rund eine Million Euro.


Bei der Übergabe des Stiftungsvorsitzes (v. l.): Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Eichler, Prof. Werner Vogt und Altrektor Prof. Dr. Werner Fischer, stellvertretender Stiftungsvorsitzender (Foto: Daniel Müller/HsKA) Bei der Übergabe des Stiftungsvorsitzes (v. l.): Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Eichler, Prof. Werner Vogt und Altrektor Prof. Dr. Werner Fischer, stellvertretender Stiftungsvorsitzender (Foto: Daniel Müller/HsKA)

Während der Feierstunde übergab Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Eichler, Gründer der Alldos-Eichler GmbH (Dosiertechnik) in Pfinztal und der ALLDOS International AG, Reinach/Schweiz, 1963 Absolvent der Fachhochschule Karlsruhe (der heutigen Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft), Kurator und Ehrensenator der Hochschule Karlsruhe, nach zehnjähriger Amtsführung den Stiftungsvorsitz an Prof. Werner Vogt, ehem. Geschäftsführer der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH und Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums der Hochschule Karlsruhe.

„Der Verbund der Stifter unterstützt unsere Hochschule bei Aufgaben, die diese selbst aus eigenen Haushaltsmitteln nicht oder nur in wesentlich geringerem Umfang bestreiten könnte“, so Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, „ich freue mich daher über das beeindruckende Engagement von Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen, die damit eine außerordentlich große gesellschaftliche Verantwortung zeigen und dazu beitragen, dass wir auch in Zukunft eine herausragende, moderne und konkurrenzfähige Bildungs- und Forschungseinrichtung bleiben und möchte mich im Namen der Hochschule, aber auch persönlich bei Wolfgang Eichler für sein herausragendes und langjähriges Engagement für die Hochschule und ihre Studierenden herzlich bedanken.“

Während der Feier wurden auch die sechs Projekte vorgestellt, die über die aktuelle Förderrunde 2015 vom Stifterverbund unterstützt werden, wozu der Stifterverbund 100 000 € zur Verfügung stellt. Dazu einige exemplarische Beispiele:

Über das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt „ProSolar“ konnte in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen, der Ritter Energie- und Umwelttechnik sowie der GEA Wiegand GmbH an der Hochschule Karlsruhe eine Pilotanlage zur solarthermischen Prozessdampf- und Kaltwassererzeugung installiert werden. Weltweit erstmalig wurde dazu ein ca. 400 m² großes Solarkollektorfeld mit einer Dampfstrahlkältemaschine kombiniert. So konnte beim größten Hochschulgebäude eine ganzjährige Klimatisierung ohne Emission von Treibhausgasen realisiert werden. Das Projekt konnte inzwischen abgeschlossen werden. Um den wissenschaftlichen Versuchsbetrieb um ein Jahr zu verlängern, stellt der Stifterverbund 20 000 € für Personal- und Sachmittel zur Verfügung.

Regelmäßig nehmen Studierende der Hochschule Karlsruhe am studentischen Konstruktionswettbewerb der „Formula Student“ teil, im vergangenen Jahr auf dem Hockenheimring sowie in Österreich und Spanien. Die Hauptaufgabe des internationalen Wettbewerbs besteht darin, einen Rennwagen herzustellen, der für eine Produktion in Kleinserie geeignet wäre. Geschwindigkeit ist also nur ein Aspekt, bewertet wird das Gesamtkonzept, zu dem auch Beschleunigungs- und Bremsleistung sowie Konstruktion, Gewicht und die kalkulierten Produktionskosten zählen. Als Schwachpunkt war in der Saison 2015 der Motor ausgemacht worden. Die Anschaffung zweier neuer Motoren wird vom Stifterverbund mit 5 000 € unterstützt.

An der Hochschule ging im Oktober 2015 ein leistungsstarker Thermowindkanal in Betrieb. Er ist besonders für Wärmeübergangsuntersuchungen an gekühlten Bauteilen geeignet und kann für verschiedene Vorlesungen und Forschungsprojekte genutzt werden. Leider kann der wichtige Einfluss von Turbulenzen bisher nicht abgebildet werden, da für einen entsprechenden Turbulenzerzeugers keine Mittel zur Verfügung standen. Studierende werden diesen Turbulenzerzeuger nun selbst entwickeln, wozu der Stifterverbund rund 12 000 € bereitstellt.

Ein Elektrolyseur dient zur Wasserstofferzeugung. Ein solcher soll für die inhaltliche Erweiterung verschiedener Laborveranstaltungen angeschafft werden, um Studierenden die Bedeutung von H2 in Stromerzeugung und Wärmeversorgung, Mobilität, sichere Verteilung und Speicherung zu verdeutlichen und ihnen Gelegenheit geben, zu diesen Themen Projekt- und Abschlussarbeiten anzufertigen. Die Beschaffung fördert der Stifterverbund mit über 25 000 €.

Zum Abschluss der Feierstunde wurde eine Gedenkminute für den Erfinder, Unternehmer und Förderer des Stifterverbunds an der Hochschule Karlsruhe Artur Fischer eingelegt, der am 27.01.2016 im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Wird in Deutschland nach den großen Erfindern gefragt, wird sein Name in einem Atemzug mit Carl Benz, Heinrich Hertz oder Werner von Siemens genannt: Artur Fischer, der durch die Entwicklung des „fischerdübels“ der „Welt neuen Halt gab“. Nicht nur mit diesem innovativen Produkt schrieb er Technikgeschichte. 1949 führte das „Magnesium-Blitzlichtgerät mit Verschlusssynchronisation“ für Fotoapparate zu seinem ersten Patent. Und auch der „Blitzwürfel“ für vier Einzelaufnahmen geht auf ihn zurück. 1958 folgte der „über einen Teil seiner Länge geschlitzten zylinderförmigen Spreizdübel, dessen vorderes Ende mit sägezahnförmigen Einschnitten versehen ist“, wie es in der Patentschrift heißt – der „fischerdübel“, die Grundlage seines Weltrufs und den außerordentlichen Erfolg seiner Unternehmensgruppe mit weltweit rund 3 000 Beschäftigten, die er 1989 an seinen Sohn übergab. Mit weit mehr als 1 000 Patenten zählt er zu den erfolgreichsten Erfindern weltweit und wurde durch mehrfache Vergabe des Doktortitels h. c. und der Ernennung zum Professor E. h. des Landes Baden-Württemberg geehrt. 1991 hatte er mit dem Werner-von-Siemens-Ring die höchste deutsche Technikerauszeichnung erhalten.

Seit dessen Gründung hat Artur Fischer als Stifter, Zustifter und Spendengeber den Stifterverbund an der Hochschule Karlsruhe regelmäßig unterstützt. Der Stifterverbund verdankt ihm dabei nicht nur eine sechsstellige Zuwendung, er war auch jederzeit Motivator und ideeller Förderer. Dem Institute of Materials and Processes (IMP), einem der beiden zentralen Forschungsinstitute der Hochschule, wurde seine besondere Unterstützung zuteil: Verdiente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten in den vergangenen Jahren schon mehrmals mit dem Artur-Fischer-Preis (mit 1 000 € dotiert) ausgezeichnet werden. Außerdem stellte er dem Institut das Artur-Fischer-Stipendium zur Verfügung, mit dem Studierende mit 3 000 € gefördert werden konnten.