Wissenschaftler mehrerer Einrichtungen entwickeln gemeinsam neue Materialien

2. März 2017

Zukunftsweisendes Forschungsprojekt: Wissenschaftler mehrerer Einrichtungen entwickeln gemeinsam neue Materialien

Land und EU fördern „Innovative Schaumstrukturen für effizienten Leichtbau“ mit knapp 1,5 Millionen Euro

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Das neue Projekt wird den Leichtbau revolutionieren und zugleich einen wertvollen Beitrag zum Schutz unserer natürlichen Ressourcen leisten“

„Ressourcenschutz und Energiesparen sind zentrale Aufgaben für unsere Gesellschaft: Angesichts einer stetig wachsenden Weltbevölkerung sowie schwindender Ressourcen ist die Einsparung von Gewicht, Material und Energie eine Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige intakte Welt“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Donnerstag (2. März) in Pforzheim. Dem Leichtbau komme hier eine zentrale Rolle zu: Je weniger Gewicht beispielsweise ein Flugzeug aufweise, desto weniger Kerosin verbrauche es, oder allgemein: Je leichter gebaut werde, desto geringer der Ressourcenverbrauch.

Dafür bedarf es neuer Werkstoffe, die leicht sind und zugleich genau definierte Eigenschaften aufweisen. „Über alle Branchen hinweg wird derzeit nach solchen neuen Materialien und Werkstoffen gesucht, die dabei helfen, Gewicht zu reduzieren. Ich freue mich, dass sich die Hochschulen Pforzheim, Karlsruhe und Reutlingen mit dem Karlsruher Institut für Technologie, dem Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen sowie dem Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal zusammenschließen und ihre Kräfte für diese wichtige Aufgabe bündeln. Damit sich die Wissenschaftler dem ambitionierten Projekt intensiv widmen können, unterstützt sie das Land mit eigenen und Strukturfondsmitteln der Europäischen Union“, so Bauer weiter. Die Wissenschaftsministerin übergab an der Hochschule Pforzheim den Förderbescheid über knapp 1,5 Millionen Euro an die breit aufgestellte Forschungsallianz – und gab damit zugleich den Startschuss: Die Wissenschaftler werden ab jetzt in den kommenden drei Jahren innovative Schaumstrukturen für effizienten Leichtbau entwickeln und fertigen.

Dr. R. Krastev, Prof. Dr. B. Nestler, Prof. Dr. F. Pöhler, Prof. Dr. N. Jost, Prof. Dr. K. Rade, B. Welter, Prof. Dr. H. Weber, Ministerin Bauer (v. l.) (Foto: A. Borchers/HS Pforzheim) Dr. R. Krastev, Prof. Dr. B. Nestler, Prof. Dr. F. Pöhler, Prof. Dr. N. Jost, Prof. Dr. K. Rade, B. Welter, Prof. Dr. H. Weber, Ministerin Bauer (v. l.) (Foto: A. Borchers/HS Pforzheim)
Prof. Dr. Ch. Syldatk, Prof. Dr. K. Rade, Dr. R. Krastev, Prof. Dr. M. Weyer, Prof. Dr. H. Weber, B. Welter, Ministerin Bauer, Prof. Dr. N. Jost, Prof. Dr. B. Nestler, Prof. Dr. F. Pöhler (v. l.) (Foto: A. Borchers/HS Pforzheim) Prof. Dr. Ch. Syldatk, Prof. Dr. K. Rade, Dr. R. Krastev, Prof. Dr. M. Weyer, Prof. Dr. H. Weber, B. Welter, Ministerin Bauer, Prof. Dr. N. Jost, Prof. Dr. B. Nestler, Prof. Dr. F. Pöhler (v. l.) (Foto: A. Borchers/HS Pforzheim)

Schaum: Ideale Basis für neue Werkstoffe
„Die innovativen metallischen Schaumstrukturen weisen allein schon durch ihre Struktur ein deutlich geringeres Gewicht auf. Durch die Kombination mit anderen Stoffen können maßgeschneiderte Materialien entwickelt werden, deren Eigenschaften und Verhalten ganz gezielt auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmt werden können. Das Potenzial und die Anwendungsvielfalt dieser neuen Werkstoffe scheint beinahe unerschöpflich“, sagte der Sprecher des Forschungsverbunds, Prof. Dr. Norbert Jost. „Diese innovativen und leichten Zukunftsmaterialien werden vielseitig einsetzbar sein“, unterstrich die Ministerin – von der Fahrzeugindustrie über den Maschinenbau bis zur Luft- und Raumfahrt, in der Energietechnik wie auch in der Biomedizin. Denkbar sei auch die Entwicklung neuartiger medizinischer Implantate. Trotz des großen Potenzials befindet sich die Entwicklung solcher Werkstoffe allerdings noch im Anfangsstadium, eine industrielle Fertigung ist noch nicht etabliert. „Dass unsere Hochschulen und Forschungsinstitute jetzt in diesem Feld vorangehen, ist auch von größtem Interesse für die Wirtschaft“, zeigte sich Bauer überzeugt.

Technologietransfer: Wirtschaft und Wissenschaft Hand in Hand
Der Leichtbau gilt als eine der bedeutendsten Zukunftstechnologien - „er stellt geradezu einen Motor für Innovationen dar“, so die Ministerin. In Baden-Württemberg biete sich der Leichtbau als Anwendungsfeld für kleinere und mittlere Unternehmen besonders an, denn hier verfügen Unternehmen wie Forschungseinrichtungen über eine herausragende Expertise im Bereich Forschung, Entwicklung und Anwendung. „Der neue Forschungsverbund wird innovative Produktionsprozesse anstoßen und neue Anwendungsfelder für die baden-württembergische Wirtschaft erschließen“, sagte Bauer.

Um die Marktpotenziale und Fertigungsmöglichkeiten der neuen Werkstoffe anwendungsnah weiterzuentwickeln, beteiligen sich auch zahlreiche Unternehmen an dem Vorhaben, darunter u. a. die Indutherm Erwärmungsanlagen GmbH aus Walzbachtal, die Tinnit GmbH und die BTE GmbH aus Karlsruhe sowie die Mayser GmbH in Lindenberg und die cirp GmbH aus Heimsheim. Der stetige Austausch zwischen Theorie und Praxis wird durch die Landesagentur Leichtbau BW sowie die Industrie- und Handelskammern Nordschwarzwald und Karlsruhe begleitet. Bauer: „Durch die Einbindung zahlreicher klein- und mittelständischer Unternehmen, der IHKen und der Landesagentur Leichtbau BW wird der wechselseitige Technologietransfer gewährleistet.“

Wissenschaft entwickelt zukunftsweisende Ideen für unsere Gesellschaft
„Wissenschaft und Forschung beschäftigen sich mit den zentralen Fragen unserer Gesellschaft. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Lösung drängender Probleme und entwickeln zukunftsweisende Ideen. Das Projekt des Forschungsverbunds wird den Leichtbau voranbringen und diesem wichtigen Feld mit der Entwicklung eines Zukunftswerkstoffs einen weiteren Schub geben“, betonte Bauer abschließend.

Weitere Informationen:
Das neue Forschungsprojekt und Verbundvorhaben „Innovative Schaumstrukturen für effizienten Leichtbau“ (InSeL) wird als sogenanntes ZAFH mit bis zu 1,5 Millionen Euro durch das Land Baden-Württemberg und Strukturfondsmittel der Europäischen Union (EFRE) gefördert.

ZAFH, Zentren für Angewandte Forschung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, sind interdisziplinäre und hochschul- sowie fakultätsübergreifende Forschungsverbünde. Sie werden vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert. Eine einmalige Verlängerung von zwei Jahren ist möglich. Dafür werden weitere Mittel in Höhe von bis zu 1 Million Euro bereitgestellt.

Bisher wurden landesweit 11 ZAFH an verschiedenen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften gefördert. Dafür wurden Fördermittel in Höhe von bis zu 26,5. Mio. Euro zur Verfügung gestellt (davon 8,75 Mio. Euro EFRE-Mittel sowie 17,75 Mio. Euro Landesmittel).

Die geförderten ZAFH weisen eine große thematische Spannbreite auf: von Fragestellungen zur Unterstützung im Alter über die Robotik bis zur Energieforschung. Die Einbindung regionaler Wirtschaftsunternehmen gewährleistet einen hohen Anwendungsbezug der Forschung.

Die ZAFH-Forschungsinitiative „Innovative Schaumstrukturen für effizienten Leichtbau“ (InSeL) positioniert sich gesamtheitlich als eine neue Plattform für innovative Leichtbaukonzepte, die sowohl für Forschungseinrichtungen als auch für interessierte Unternehmen offen ist und nach der Förderung auch „auf eigenen Beinen“ stehen möchte.

Beteiligte Hochschulen und Forschungsinstitute mit Ansprechpartnern:
Hochschule Pforzheim, Prof. Dr. Norbert Jost
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Prof. Dr. Britta Nestler
Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, Prof. Dr. Britta Nestler, Prof. Dr. Frank Pöhler
Hochschule Reutlingen, Prof. Dr. Rumen Krastev
Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen
Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal

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