SKATING-Schreibnacht der ungeschriebenen Bachelortheses

DIE RHEINPFALZ - NR. 145, Montag, 25. Juni 2012

Auch Zitieren will gelernt sein

KARLSRUHE: Jeder Marathon beginnt mit dem ersten Schritt. Auch der, eine Bachelor-Arbeit zu schreiben. Tipps für Studierende, wie man am besten anfängt, welches Glatteis zu vermeiden ist und wie man Schreibblockaden vermeidet, gibt es bei der „Schreibnacht der ungeschriebenen Bachelorthese“.

VON MATTHIAS DREISIGACKER

Der Büchertisch ist reich gefüllt, die Titel sind Programm: „Richtiges und gutes Deutsch“, „Die Einsamkeit des Schreibens“ oder „Keine Angst vor dem leeren Blatt“. Knapp 30 Studierende der Hochschule Technik und Wirtschaft sind an diesem Abend zur „Schreibnacht der ungeschriebenen Bachelorthese“ gekommen, um von Experten, Schreib-Beratern und Studierenden Tipps und Unterstützung für ihre wissenschaftlichen Abschlussarbeiten zu erhalten.

Denn: Bloßes Wissen genügt nicht, es muss auch angemessen verpackt sein. Die Affären um zumindest schlampige Politiker mit akademischen Graden wie Karl Theodor zu Guttenberg oder Anette Schavan lassen grüßen.
Der für die wissenschaftliche Arbeit nötige rote Faden fehlt den Studierenden häufig.

Der Schreibblockade und anderen Widrigkeiten den Kampf angesagt: Bei der „Schreibnacht der ungeschriebenen Bachelorthese“ soll Studierenden unter die Arme gegriffen werden. FOTO: SANDBILLER Der Schreibblockade und anderen Widrigkeiten den Kampf angesagt: Bei der „Schreibnacht der ungeschriebenen Bachelorthese“ soll Studierenden unter die Arme gegriffen werden. FOTO: SANDBILLER

Judith Hüther vom Service-Center Studium und Lehre sind die Probleme bekannt: „Grundlegende Dinge wie richtiges Zitieren, Plagiat oder schlicht der rote Faden für eine wissenschaftliche Arbeit können nicht mehr vorausgesetzt werden.“ Und daher komme es eher aus Unwissenheit denn Absicht zu heiklen Ergebnissen. So habe ein Student an diesem Abend bemerkt, dass er aufgrund der neuen Erkenntnisse „seitenweise seine komplette Arbeit“ noch einmal durchgehen müsse, weil er die Zitierregeln nur unzureichend beachtet habe.

Sehr oft komme es angesichts der gewaltigen Aufgabe auch zu Schreibblockaden, die verhindern, dass sich Studierende überhaupt nur an den Anfang wagen. Hüther ist Teil des bundesweiten Projektes „Skating“, das in den kommenden fünf Jahren die Studienbedingungen in den Ingenieurswissenschaften systematisch verbessern möchte.

Um am Ende des Studiums nicht noch mehr Ochsen vor dem akademischen Berg stehen zu lassen, finden sich hierbei auch die Wissensvermittlung und Betreuung von Studenten durch die Dozenten und Lehrkräfte auf dem Prüfstand.

Die Ziele sind schlicht: mehr erfolgreiche Abschlüsse und weniger Studienabbrecher. Und gerade in den nicht-geisteswissenschaftlichen Fächern tauchen Schreibprobleme erst dann auf, wenn es an das Fertigen von Abschlussarbeiten geht.

Besonders spät dran mag der 27-jährige Hendrik sein. Nach über drei Monaten des Schreibens seiner Bachelorarbeit ist es bis zur Abgabe nur noch eine Woche hin, „und ich brauche noch mehr als den letzten Schliff dafür“. Vor allem richtiges Zitieren sowie das Fazit waren ernste Probleme. Für ihn kam die Karlsruher Premiere einer Schreibnacht gerade noch rechtzeitig.

„Es hat sehr viel gebracht, die haben hier alle voll die Peilung“, sagt der 27-Jährige. Solch ein Angebot hatte er in den Jahren zuvor vermisst und war wie viele andere auf „inoffizielle Informationen“ von Kommilitonen oder Freunden angewiesen, da die Professoren hierfür imStudienbetrieb zu wenig Zeit gefunden hätten.

Jochen Berendes, bei „Skating“ für Hochschuldidaktik und Weiterbildung der Lehrenden zuständig, möchte vorherige Versäumnisse der Hochschulen nicht zugestehen. Doch dass der Beratungsbedarf unterschätzt worden sein mag, sei angesichts des großzügig ausgestatteten Qualitätspakts, zu dem auch „Skating“ gehöre, unübersehbar.

Und so wurde in dieser Karlsruher Bachelor-Schreibnacht, die künftig mindestens einmal im Semester angeboten werden soll, bis Mitternacht konzentriert gefragt, beraten und geholfen.

Ob hierdurch künftig denn auch ohne Schreibblockaden der Studierenden richtig gutes Deutsch herauskommen wird, ist eine andere Frage.

Doch die Chance, dass es so kommen wird, ist zweifellos größer geworden.