Der Fahrradbeauftragte des Personalrats
Andreas Rieger
Fahrradbeauftragter des Personalrats,
Laborbetriebsleiter
Mail: andreas.rieger(at)hs-karlsruhe.de
Telefon: 925-2588
Raum: B 203
Foto: Andreas Rieger
Ja, mir san mit’m Radl da, kommen Sie auch?
Jetzt schickt sich der Frühling wieder an, uns alle aus den Häusern zu locken: Raus an die frische Luft, Aktivitäten voran! Und so mancher holt sein Fahrrad aus dem Keller und radelt drauf los. Nicht nur in der Freizeit, auch auf den Weg zur Arbeit. Für viele Bürger hat sich das Fahrrad zu einem Verkehrsmittel des Alltags entwickelt und die Zahl ist steigend. Unsere Hochschule ist gut per Fahrrad erreichbar, breite Wege im Campus ermöglichen ein gutes Miteinander von Fußgängern und Radfahrern und viele Studierende kommen mit dem Rad. Es gibt eine große Anzahl von Fahrradständern, teilweise auch überdacht. Doch es gibt auch Wünsche. Der Personalrat hatte deshalb im letzten Jahr eine Umfrage gestartet, um die Situation an der Hochschule, Verbesserungsvorschläge und die Gründe für oder gegen die Fahrradnutzung zur Arbeit abzufragen. Erfreulich groß war der Rücklauf: 45% der Beschäftigten beteiligten sich daran, rund 30 % davon kommen mit dem Fahrrad zur Arbeit. Diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die nicht mit dem Fahrrad kommen, gaben meist an, dass die Entfernung zur Hochschule zu groß sei. Und was könnte den Anteil an Radfahrern erhöhen? Überdachte und abschließbare Abstellplätze, mehr und geeignetere Fahrradständer und bessere Dusch- und Umkleidemöglichkeiten.
Der Personalrat vertritt die Mitarbeiter und hat die Errichtung eines Fahrradhauses hinter der alten Mensa und eine Verbesserung der Duschmöglichkeiten in den einzelnen Gebäuden vorgeschlagen. Am Wettbewerb „Fahrradfreundlichster Arbeitgeber in Karlsruhe 2008“ hat auf unseren Wunsch die Hochschule teilgenommen und die Umfrage und mögliche Maßnahmen vorgestellt. Einen Preis haben wir zwar nicht gewonnen, aber wir wurden lobend erwähnt, weil wir als einzige einen Fahrradbeauftragten ernannt haben. Durch die Teilnahme haben wir nun bessere Möglichkeiten Einblick in die Aktionen anderer Firmen zu bekommen.
Foto: Andreas Rieger
Wer die Presse des letzten Jahres genauer verfolgt hat, dem ist aufgefallen: Das Thema Radfahren ist in, nicht nur als Freizeitsport. So ist im Focus Nr. 33 unter „Mehr Freude am Fahren“ von einem Frankfurter Banker zu lesen, der seinen schweren Dienstwagen Touareg zuhause lässt und die 25 km in die Bankercity mit einem guten Rad abstrampelt. So etwas freut die Fahrradgeschäfte, die von steigenden Verkaufszahlen bis zu 8 % sprechen. Oder es wird eine Mitarbeiterin der AOK in Berlin zitiert, die wegen der hohen Spritpreise auf das Fahrrad umgestiegen ist „Gerade die kurzen Strecken kosten doch verhältnismäßig viel Sprit“. Sie ist „Schönwetterfahrerin“ und nutzt bei Regen das Auto. „Ich bin immer traurig, wenn ich mit dem Auto fahren muss“ überschreibt Kirsten Etzold einen Beitrag in den Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) vom 12.09.2008. Sie fasst die Vorteile für die Gesundheit in einer Tabelle zusammen. „Schon täglich 10 Minuten stärken die Muskulatur, Durchblutung, Gelenke. Ab 30 Minuten gibt es eine günstige Beeinflussung der Herzfunktion, ab 40 Minuten eine steigende Ausdauerleistung. Der fürs Radfahren typische Wechsel aus Be- und Entlastung festigt zudem die Knochen … und stärkt die Rückenmuskulatur.“ Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermindert regelmäßige Bewegung das Herzinfarktrisiko um 50%, 95 von 100 Bypass-Operationen wären unnötig. Die Krankenkassen tun ihr Übriges.
Apropos AOK, die hat auch in Karlsruhe mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) viel initiiert, z.B. die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“. Das KIT mit Forschungszentrum und Universität und die Stadtverwaltung waren z.B. dabei und auch jeder Bürger war aufgerufen und konnte an einem Wettbewerb teilnehmen, wenn er an mindestens 20 Tagen mit dem Rad zur Arbeit gefahren ist. Warum sollen wir eigentlich mehr radfahren und auch noch zur Arbeit? Burkkard Eisold vom ADFC spricht von den „Fitness-Pendlern“, denn „diese Beschäftigten sind fitter und stressresistenter im Job“. Und damit bekommt das Ganze eine andere Dimension, weswegen auch die Krankenkassen, die Politik und Firmen sehr dahinter her sind: Wir bewegen uns zu wenig! Und das hat hohe Folgekosten. Ideal also, wenn man den Bewegungsmangel so „nebenbei“ ausgleichen kann. „Frische Luft um mich herum, die tägliche Fahrt in die Hochschule macht meinen Kopf frei, dann kann ich gut loslegen“ führt ein Kollege als Grund für seine tägliche Fahrt in unserer Umfrage an.
Foto: Andreas Rieger
Dies ist aber nur ein Aspekt, die Kommunen sind inzwischen auch hellhörig geworden. Karlsruhe, die Stadt des Erfinders des Fahrrads Freiherr von Drais, möchte in einem 20-Punkte Programm bis 2015 den Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr von 16 auf 23% bringen. Selbst in Stuttgart mit seinen Höhenunterschieden von bis zu 300 Metern will man den Anteil der Pedalritter von 7 auf 20% steigern. Warum? Den Städten geht im wahrsten Sinne die Puste aus. Denken wir an die neuen rot/gelb/grünen Plaketten: Je weniger Autos, umso weniger CO2 und versiegelte Straßenflächen, umso mehr Lebensqualität und auch Platz für die Autofahrer. Das Leben in der Stadt ist wieder attraktiv geworden, gerade viele älter werdende Menschen schätzen die guten Versorgungs- und Freizeitmöglichkeiten und ziehen in die Städte zurück. Für alle Altersklassen ist das Radfahren bis 5 km konkurrenzlos billig, schnell und günstig.
Zur Unterstützung der Einrichtungen, die mit vielen jungen Menschen zu tun haben, hat die Stadt schon mal die Rektorate der Hochschulen mit weißen Drahteseln beschenkt. Unter den Überschriften „Karlsruhe wirbt um kreative Köpfe“ und „Rektoren auf dem Drahtesel“ können wir am 18.12.2008 in der BNN lesen, dass sich die Stadt das Umdenken auch etwas kosten lässt. 800 rote Fahrräder Typ „Draisler“ hat das Stadtmarketing im Rahmen der Erstwohnsitzkampagne an Studierende geschenkt. Im Jahre 2015 soll es laut Bürgermeisterin Margret Mergen heißen: „Karlsruhe ist die Studentenstadt, da muss man studieren“. Und dazu gehören eben auch Fahrrad und Studiticket, um Studierenden ein kostengünstigen und dennoch attraktiven Ersatz für ein Auto am Studienort zu bieten.
Es ist eine Gesamtaufgabe einen bedarfsgerechten Campus für alle anzustreben. Von Seiten des Personalrats hat bereits ein erster Gedankenaustausch mit dem Rektorat stattgefunden, wir sind sicher, dass wir mit den Nutzern gute Lösungen finden werden. Packen wir’s an!
Andreas Rieger
Fahrradbeauftragter des Personalrats
