Quintett

Bachelor-Thesis von Baldur Dilthey


Monolithisch geformt fügt sich der Neubau in die gebaute Umgebung ein. Er beherbergt zwei Säle inklusive der Nebenräume und fungiert somit als reines Konzerthaus. Er schließt im Osten einerseits die Baulücke und rahmt andererseits im Westen einen Platz ein, zu welchem er sich großzügig öffnet. Die Übereck-Verglasung, hinter der sich der kleinere der beiden Konzertsäle befindet, bewirkt, dass die Nutzung des Gebäudes sofort vermittelt wird und spannende Ein- und Ausblicke ermöglicht werden. Die Grenze zwischen Innen- und Außenraum wird hier weitestgehend aufgehoben. Verstärkt wird dies noch durch den sich in das Gebäude hineinziehenden Sockel. Dieser fungiert einerseits als Treppenanlage, im Innenraum jedoch auch als Tribüne.

Städtebaulich formt sich der neue Körper so, dass sich zwischen Alt- und Neubau eine Lücke aufweitet. Vor dem stark zurückgesetzten Eingang, welcher sich als eingeschossige Glasfuge zwischen den zwei Bauten artikuliert, befindet sich als halbprivate Vorzone eine um die Sockelhöhe des Bestandsgebäudes erhöhte Fläche. Schrittweise wird man so in den Musikschul-Komplex hineingeführt, bis man schließlich in das gläserne Foyer gelangt, von welchem aus beide Bauten erschlossen werden. Herz des Entwurfes ist neben dem Neubau der neu entstandene Campus.

Ziel des Konzeptes ist es, auch den anderen Kasernengebäuden einen gebührenden Vorplatz zu schaffen und so nicht nur die aus dem Bestand hervorgehende, nach innen liegende Erschließung der einzelnen Gebäude zu rechtfertigen, sondern vor allem auch, um dem ganzen Kasernenkomplex wieder eine Identität zu verleihen. Dadurch entsteht ein Ensemble aus fünf Gebäuden.

Würde man den Campus als Quintett betrachten, so ergäbe sich metaphorisch gesehen ein Kammerorchester, zusammengesetzt aus den vier bestehenden Kasernengebäuden, welches mit seiner Statik und Ruhe dem virtuosen Solomusiker als fünftes Gebäude einen entsprechenden Rahmen gibt. Wie in der Musik, so ist auch hier das Wechselspiel zwischen Solist und Kammerorchester maßgebend. In gewissen Aspekten fügt sich der neue Baukörper ein bzw. sogar unter, behauptet andererseits aber auch seine Stellung als das Besondere. So zum Beispiel die mächtige, steinerne Fassade, welche sich an das alte Sandsteinmauerwerk anlehnt, allerdings sich in ihrer Farbe unterscheidet.

Der neu entstandene Campus vereint mit dieser Harmonie somit verschiedene Bildungs- und Kommunikationseinrichtungen und schafft einen Ort der Begegnung und Bildung im Zentrum von Karlsruhe.

(Auszug aus der Entwurfserläuterung)