"Wir machen Campus"

Neue Mitte für die Hochschule Karlsruhe


Analog der neuen Staatsarchitektur (West-) Deutschlands, die unter anderem die Bonner Bundesbauten (Egon Eiermann, Sep Ruf) und wichtige Vorzeigeinstitutionen wie das Karlsruher Bundesverfassungsgericht (Paul Baumgarten) prägten, tragen die Hochschulgebäude und -ensembles der 60er-Jahre die Zeichen einer „demokratischen", bewusst zurückhaltenden bis nüchtern­funktionalen Architektursprache, die auf jede herrschaftlich-repräsentative Geste verzichtet.

Dies zeigt sich im Fall der Hochschule Karlsruhe sowohl in einem pragmatischen Gestaltungskonzept der Gebäude, ihrer hierarchiefreien Anordnung auf dem Campus als auch den naturbelassenen Freiräumen. Angesichts des dringenden Sanierungsbedarfs – vor allem der Gebäude A und P – wird seit Längerem eine Diskussion über die architektonische, städtebauliche und freiräumliche Qualität des Karlsruher Hochschulcampus geführt.

Im Falle unseres Karlsruher Campus geht es aktuell nicht nur um die Frage der Sanierung beziehungsweise des Um-, Rück- oder Neubaus einzelner Gebäude, sondern ganz wesentlich auch um die Beziehung der Gebäude untereinander und die Bereiche dazwischen. So gab es in den letzten Jahren zahlreiche Überlegungen zur Verbesserung der Wegebeziehungen, zur Steigerung der Aufent­haltsqualität in den Freibereichen, zu neuen Licht- und Ausstattungskonzepten, Leitsystemen etc. (siehe dazu das SMAKH-Sonderheft Mein Campus).

Als Defizite werden vor allem die mangelnde Sichtbarkeit der Hochschule nach, beziehungsweise von außen, die kaum vorhandene Vernetzung mit der Stadt (Zugänge, Fuß­ und Radwege, ÖPNV) und - an erster Stelle - das Fehlen einer erkennbaren und erlebbaren Mitte gesehen, welche die zentralen Funktionen bündelt, einen attraktiven Treffpunkt für alle Hochschulangehörigen darstellt und nicht zuletzt eine einladende Geste gegenüber Besuchern formuliert.

Ziel der Arbeiten ist es also, eine (neue) Mitte für den Campus zu entwerfen, bei der Gebäude und Freiräume möglichst gut korrespondieren. Dies betrifft in städtebaulicher Hinsicht das Ankommen aus der Stadt und von der Moltkestraße her (Sichtbarkeit) ebenso wie die Anbindung und Vernetzung der übrigen Hochschulgebäude.
Die Frage, welche Situierung, Form und Größe ein zukünftiges zentrales Gebäude haben soll, ist Teil des Entwurfskonzeptes. Sie hängt entscheidend vom Umgang mit dem A-Bau ab. Dieser ist – abgesehen von den Aspekten der Nachhaltigkeit – erhaltenswert als Baustein des Campus-Ensembles und authentisches Zeugnis des Hochschulbaus der frühen 1960er Jahre. Denkbar sind alle Varianten von Sanierung des Bestandes über Teilerhalt + bauliche Ergänzung bis Abriss und vollständigem Neubau.

Auszug aus der Aufgabenstellung (Prof. Florian Burgstaller)