Leander Mölter

Feinwerktechnik 1975 – 1979

  • Feinwerkingenieur bei einem Messgerätehersteller
  • Gründung der Palas® GmbH Partikel- und Lasermesstechnik 1983
  • Seit 1983
    Eigentümer und Geschäftsführer der Palas® GmbH Partikel- und Lasermesstechnik
  • Seit 2006
    Beiratsmitglied der Technologiefabrik Karlsruhe

„Ich setze mir nur Ziele, die ich höchstwahrscheinlich erreichen kann.“

Aerosoltechnologie – zunächst kein Begriff für Leander Mölter, als er 1979 sein Studium der Feinwerktechnik (heute Mechatronik) mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik an der HsKA abschloss. Die Technologie, die sich mit der Bestimmung der Feinstaubkonzentration in der Luft befasst und heutzutage zur Überwachung der Luftqualität bei Umweltmessungen und industriellen Prozessen oder in der Gesundheitsvorsorge im Einsatz ist, war zu Beginn der 1980er Jahre noch ein Spezialgebiet abseits der allgemeinen technischen und wissenschaftlichen Wahrnehmung. Die verfügbaren Geräte zur Messung und Erzeugung von Feinstaubpartikeln, sogenannten Aerosolen, waren vereinzelte Entwicklungen universitärer Einrichtungen. Weltweit gab es nur einen Hersteller in den USA für Messgeräte dieser Art. Genau darin erkannte Leander Mölter eine Marktlücke, während er als Mitgesellschafter eines kleinen Messgeräteherstellers für Laser-Doppler-Anemometer beschäftigt war. Mit der Idee, das Knowhow aus den Universitätsinstituten abzukaufen und Messgeräte in Lizenz zu produzieren, gründete er 1983 zusammen mit zwei Partnern die Palas® GmbH als eine der ersten Firmen in der  Technologiefabrik Karlsruhe. Als Spezialist für Aerosoltechnologie, Filterprüfung und Partikelmesstechnik ist Palas® heute weltweiter Marktführer in den Kernkompetenzen  Aerosolerzeugung, Aerosolverdünnung und Aerosolpartikelmesstechnik.

Leander Mölter setzte in der Unternehmensführung von Anfang an auf das Konzept umfassender wissenschaftlicher Fundierung und initiierte bereits kurz nach der Firmengründung mit der jährlichen Aerosol-Technologie-Seminarreihe eine wissenschaftliche Plattform für Fachleute aus der Aerosolmesstechnik. Das sind keine Verkaufsveranstaltungen, betont er. Sein Unternehmenskonzept zahlte sich aus. Schon 1986 erhielt Palas® den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg für das Partikelmessgerät RBG 1000. Im Jahr 2003 wurde einem weiteren Palas®-Messgerät diese Auszeichnung verliehen. Über sechzig Patente sowie Auszeichnungen von Fachzeitschriften, dem Verein Deutscher Ingenieure (VDl) und der IHK ergänzen das Auszeichnungsspektrum.

Bei Palas® wird die gesamte Aerosolmesstechnik selbst entwickelt und produziert. Alles aus einer Hand, das ist Leander Mölters Unternehmensdevise. Der Erfolg gibt ihm recht. Die mittelständische GmbH mit Kunden in über 40 Ländern der Welt hat sich ihre Alleinanbieterstellung durchweg erhalten und ist auch heute noch mehr oder weniger konkurrenzlos. Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses von Palas® ist auch in der Unabhängigkeit von einer bestimmten Industrie begründet, erklärt Leander Mölter. Das Unternehmen steht mit Auftraggebern aus den Bereichen Automobil- und Filterindustrie, Umwelttechnik sowie Medizin- und Pharmatechnik sicher auf mehreren Standbeinen.

Doch es gab auch turbulente Zeiten, in denen Leander Mölter um das Fortbestehen des Unternehmens fürchtete. Die Jahre 2008/09, während der Weltwirtschaftskrise, waren auch für Palas® eine schwierige Zeit. Mit der Einstellung von Dr.-Ing. Maximilian Weiß als Entwicklungsleiter kam es jedoch zu einem entscheidenden Schachzug in der Unternehmensführung. Er erhielt die Perspektive, Anteile von Palas® zu erwerben. Das Produktspektrum wurde mit Geräten zur Messung von nanoskaligen Partikeln erweitert und Leander Mölter und Dr.-Ing. Maximilian Weiß beschlossen, mit dem Unternehmensberater und Lehrbeauftragten für Qualitätsmanagement an der HsKA, Gunter Fauth, das Lean Management bei Palas® einzuführen. Die Entscheidung war zunächst ein Schritt ins Ungewisse, erzählt Leander Mölter. ln der Belegschaft war das Vorhaben an die große Befürchtung geknüpft, die schlanke Unternehmensführung könne zur Einsparung von Arbeitsstellen führen. Doch es kam ganz anders. Durch die Verschlankung von Prozessen mit stärkerer Einbindung der Mitarbeiter, direkten Kommunikationswegen und flachen Hierarchien, entwickelte sich eine unvorhergesehene Innovationsund Expansionsschubkraft innerhalb des Unternehmens. Im Laufe der vergangenen sechs Jahre erweiterte Palas® sein Produktspektrum mit Neuentwicklungen für Nanopartikel- und Umweltmessungen und steigerte die Zahl der Mitarbeiter von 18 auf 40. Ebenso vielversprechend ist auch die Umsatzentwicklung. Im Jahr 2014 erzielte Palas® eine Umsatzsteigerung um 25% auf fünf Millionen Euro.
Die Zufriedenheit und Motivation der Angestellten wird auch an anderer Stelle ersichtlich. Der für den geplanten neuen Firmenstandort beauftragte Bauökonom, der mit den Palas®-Mitarbeitern die Anforderungen für ein neues Firmengebäude erarbeitet, ist begeistert. Eine solche Offenheit bei den Mitarbeitern und Übereinstimmung der Sichtweisen zwischen Führungsebene und Belegschaft hat er noch nie erlebt. Leander Mölter ist sich sicher: Das ist zu einem großen Teil das Ergebnis des Lean Managements sowie der Zertifizierung des Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9001, die gemeinsam mit Gunter Fauth umgesetzt wurden. Seit Jahresbeginn ist Dr.-Ing. Maximilian Weiß Miteigentümer und weiterer Geschäftsführer der Palas® GmbH. Der Generationswechsel ist vollzogen.

Leander Mölter ist Unternehmer und Vertriebler mit Leib und Seele. Interne Entwicklungen auf ihre Marktfähigkeit zu überprüfen, Patente anzumelden, das Festlegen und die Kontrolle von Zielvorgaben wie beispielsweise Gewinn und Umsatz, all das bereitet ihm ebenso Freude wie die Personalführung. Sein persönliches Erfolgsrezept lautet: „Ich setze mir nur Ziele, die ich mit großer Wahrscheinlichkeit erreichen kann. Erreiche ich diese selbst gesteckten Ziele, so ist dies ein Erfolg für meine Mitarbeiter und ein Erfolg für meine Umsetzungskompetenz.“ Das nächste Ziel hat er sich schon gesetzt. Nach der Erweiterung des Produktspektrums ist nun die Einrichtung eines Wartungs- und Instandhaltungsservice für die Palas®-Messtechnik das nächste Etappenziel. Bis zum Jahr 2020 rechnet er mit einer Umsatzverdopplung. Wir wollen uns organisch und „gesund“ entwickeln, sagt Leander Mölter.

Studieren heißt: Das Lernen lernen, so Leander Mölter auf sein Studium an der HsKA zurückblickend. Studierenden rät er, im Studium so viel wie möglich mitzunehmen. Was man von dem Lehrstoff später dann einmal benötigt, zeigt sich erst im Berufsleben. Er selbst hätte nie gedacht, dass er sich mit dem ungeliebten Fach Thermodynamik nach dem Studium noch einmal auseinandersetzen müsse. Im Zuge seiner Tätigkeit im Bereich der Aerosoltechnologie hat er es dann im mühsamen Selbststudium nachgeholt, berichtet er.

Theoretisch solide und praxisnah war die Ausbildung an der HsKA, sagt Leander Mölter. Auch die nichttechnischen Vorlesungen, wie beispielsweise Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre, waren später bei der Firmengründung von Palas® eine wichtige und hilfreicheGrundlage.

„Im Studium an der HsKA wurde ein so breites und fundiertes Wissen vermittelt, davon profitiere ich heute noch.“

Ganz lebendig ist dem Feinwerktechniker die Erinnerung an so manchen Professor. Prof. Barth mit seiner einleuchtenden Vorlesung zur Optik beispielsweise und Prof. Onnen, von dem er abstraktes Denken gelernt hat. ln Erinnerung sind ihm auch die mathematischen Ableitungen von Prof. Kurz, die nur eine sehr kurze Verweildauer an der Tafel hatten: Das soeben Geschriebene wischte der von den Studenten auf den Spitznamen „Professor Shorty“ getaufte Dozent mit der Linken sogleich wieder weg, während er mit der Rechten weiterschrieb, erinnert sich Leander Mölter. Nicht vergessen hat er auch Prof. Knappke. „Professor Pröbchen“, wie dieser unter den Studenten genannt wurde, hatte immer eine Probe zur Veranschaulichung der verschiedenen Kunststoffe dabei. Besonders imponierte ihm auch die Strukturiertheit von Prof. Köhler, dessen Manuskript er heute noch als Nachschlagwerk nutzt. Heute blickt er mit Achtung auf das Engagement und die Lehrfähigkeit dieser Dozenten. All diese Professoren waren Vorbilder, die mich geprägt haben, resümiert Leander Mölter.

 

Das Interview zum Porträt führte Jasmin Just in der Palas® GmbH im August 2015.
Foto: Andreas Mauritz

Kontakt

Alumni Services
Jasmin Just M.A.

Gebäude F, Raum 312
Moltkestr. 30, 76133 Karlsruhe
Tel. 0721 925-2531
Fax. 0721 925-2530
E-Mail Jasmin.Justspam prevention@hs-karlsruhe.de

Anfahrtsplan
Lage- und Gebäudeplan