Mehrschad Zaeri Esfahani

Studium an der HsKA: Informatik, 1997 – 2001

  • Flucht aus dem Iran, 1985 – 1986
  • Software-Entwickler bei der cluetec GmbH
  • IT-Leitung „Portal Vertriebe & Marktanalyse“ bei der EnBW
  • Seit 2009
    Lehrbeauftragter an der HsKA seit 2009
  • Seit 2012
    Gründer und Geschäftsführer der parsQube GmbH

 

„Am Ende wird alles gut! Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“

Mehrschad Zaeri Esfahani war elf Jahre alt, als er Mitte der 1980er Jahre mit seiner Familie aus Isfahan im Iran nach Deutschland kam. Die Flucht über die Türkei nahm seine Familie auf sich, nachdem sein Vater als Gegner des Chomeini-Regimes im Iran verfolgt wurde. Über die DDR in West-Berlin angekommen, begann für die sechsköpfige Familie eine Odyssee durch viele Asylbewerberheime bevor die Reise nach 14 Monaten in Heidelberg in einer städtischen Sozialwohnung endete. Die Schule, wo er erst einmal mit dem Spracherwerb begann, schloss Mehrschad Zaeri Esfahani mit dem Abitur ab.

Heute ist der Informatik-Alumnus Gründer und Geschäftsführer des Karlsruher IT-Dienstleisters parsQube GmbH. Die Idee für die 2012 gegründete Firma, die sich im IT-Nischenbereich XML spezialisiert hat, entwickelte sich unerwartet im Gespräch mit einem Freund. Mit seiner damaligen Führungsposition als IT-Leiter eines Teams mit 26 Mitarbeitern bei der EnBW hatte Mehrschad Zaeri Esfahani eigentlich alles erreicht. Auch als Alleinverdiener einer Familie mit drei kleinen Kindern war Selbstständigkeit nicht unbedingt ein naheliegender Gedanke. Dennoch war da in ihm der Antrieb, auf eigenen Füßen zu stehen und selbstverantwortlich tätig zu sein. Eine Mentalitätssache, glaubt der gebürtige Iraner. Im Iran, wo es nicht wie hierzulande viele große Unternehmen gibt, ist es üblich beruflich „sein eigenes Ding“ zu machen, erzählt er. Selbst sein Vater als stellvertretender Chefarzt des größten Isfahaner Krankenhauses führte nebenher eine eigene Praxis. Diese Prägung aus Kindheitstagen hat ihn nie losgelassen. Die Entscheidung für die Existenzgründung war daher schnell gefallen. Das erste Kundengespräch sowie das erste gewonnene Projekt sind besondere Momente, an die er sich gern erinnert: In diesem Moment wusste ich, dass ich in der Lage bin meine Ideen umzusetzen auch ohne „Airbags“, die ich in der Arbeit in einem großen Konzern stets hatte.
Dennoch waren die Anfangszeiten mit langen Arbeitstagen entbehrungsreich und es gab auch ungewisse Zeiten im Hinblick auf den Unternehmenserfolg. Dass zur Existenzgründung immer eine gehörige Portion Risikobereitschaft und gleichzeitig ein gesunder Blick auf die Wirtschaftlichkeit nötig sind, waren bereichernde Erkenntnisse auf dem Weg zum selbstständigen Unternehmertum, berichtet Mehrschad Zaeri Esfahani.

Eines der zwei Standbeine der parsQube GmbH ist die Entwicklung von IT-Lösungen für den Umgang mit großen Datenmengen mittels der XML-Technologie. Verlage, Banken sowie die Energie-, Pharma- und Automobilindustrie zählen zu den parsQube-Kunden, die große Datenmengen analysieren und darauf aufbauend Lösungen aufsetzen möchten, um wettbewerbsfähig zu bleiben oder um vielmehr dem Wettbewerb einen Schritt voraus zu sein. Das andere Standbein der IT-Firma an der Karlsruher Münzstätte sind Trainings und Coachings für methodische Themen wie beispielsweise klassisches Projektmanagement nach den Standards der International Project Management Association (IPMA), agiles Projektmanagement und Anforderungsanalyse. Hier gilt es, die Kunden in Standardverfahren und deren Einsatz zu schulen und zu beraten.
Ein großer Erfolgsmoment für Mehrschad Zaeri Esfahani und seine Firma war, als 2014 ein großes Pharmaunternehmen mit weltweit ca. 90.000 Mitarbeitern, einen zentralen Prozessschritt der IT des Unternehmens der parsQube GmbH anvertraute. Ein weiteres Großprojekt für die parsQube GmbH ist die Betreuung des Rückbaus der Kernkraftwerke in Baden-Württemberg auf Projektmanagement-Ebene. Mehrschad Zaeri Esfahanis Jahre bei der EnBW sind hier von Vorteil, er kennt die Branche. Die Mitarbeit an solchen zentralen gesellschaftlichen Themen ist zugleich sehr spannend und erfüllend.
Das Reizvollste an meinem Job ist, dass ich selbst entscheide, was ich machen möchte, erklärt er. Er schätzt es, ganz nah an den Kunden zu sein und passgenaue Lösungen für sie zu entwerfen. Wenn seine Geschäftspartner die parsQube als echten „Problemlöser“ wahrnehmen, ist das für den XML-Experten eine große Bestätigung.

Mainstream und stete Gewinnmaximierung sind nichts für Mehrschad Zaeri Esfahani. Ganz bewusst wählte er bei der Firmengründung eine Nische der IT mit den Vorteilen, die eine Marktlücke bietet, aber zugleich auch mit der Schwierigkeit, die entsprechend qualifizierten Mitarbeiter zu finden. Auch eine schnelle Unternehmensvergrößerung strebt er nicht an. Überschaubar und mit einer Managementposition lenkbar soll seine Firma bleiben, damit er auch hier nah an seinen Mitarbeitern bleibt und nicht zum Getriebenen des eigenen Unternehmens wird. Zwölf Festangestellte sind daher das Ziel für die kommenden Jahre, größer soll die IT-Firma in der Vision ihres Gründers gar nicht werden.

 „Als Flüchtling musste ich dafür kämpfen, um hier mitmachen zu dürfen. Die persönlichen Energien anders nutzen zu können ist ein Privileg – macht was daraus!“

Erfolg bedeutet für Mehrschad Zaeri Esfahani, wenn seine Umgebung, d.h. Familie, Freunde und Kunden, sein Tun befürworten und gutheißen. Erfolg bedeutet für ihn aber vor allem auch eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben und sich wohlzufühlen mit dem was man tut. Bei seiner Lehrtätigkeit an der HsKA für die Fakultät für Informatik und Wirtschaftsinformatik und für das International Program erlebt er immer wieder, dass die Studierenden glauben, es sei ein großer Makel, wenn sie nicht frühestmöglich in das Berufsleben und die Karriere einsteigen. Persönliche Entwicklung braucht jedoch Raum und auch Zeit. Darum möchte er den Studierenden immer wieder raten, sich nicht von dem allgegenwärtigen Hamsterrad einnehmen zu lassen und dabei Zeit und Energie für Tätigkeiten zu verschenken, nur damit das Konto gefüllt ist. Eine glückliche Ratte im Hamsterrad habe ich noch nie gesehen, so der IT-Unternehmer. Zeit für Besinnung ist wichtig für die Ergründung der eigenen Stärken und Ziele und um zu erkennen, wofür man brennt. Gleichzeitig leben wir aber auch nicht, um zu arbeiten, sondern umgekehrt, so Mehrschad Zaeri Esfahani. Ich will, dass das rüberkommt, sagt er: Wir haben hierzulande tolle Möglichkeiten und die besten Voraussetzungen, ein gutes Leben zu führen und gute, sinnvolle Arbeit zu leisten. Nutzt diese Möglichkeiten! Als Flüchtling waren diese Möglichkeiten für Mehrschad Zaeri Esfahani zunächst nicht gleich greifbar. Ich musste dafür kämpfen, um hier mitmachen zu dürfen, erzählt er.

„Der offene Umgang an der HsKA mit anderen Kulturen und Gewohnheiten sowie der internationale Charakter haben mir – als gebürtigem Iraner – geholfen, mich sehr schnell wohl zu fühlen.“ 

Das Informatikstudium und die Studienzeit an der HsKA sind Mehrschad Zaeri Esfahani in bester Erinnerung. Rückblickend kann ich sagen, dass die fachliche Ausbildung an der HsKA wirklich gut war und das praxisbezogene Studium meinem Typ sehr entsprochen hat, so der HsKA-Alumnus. Das Mini-Studium in Philosophie mit dem Wahlfach „Ethikum für Ingenieure“ bei Professor Michael Wörz war für ihn ein geschätzter Ausgleich zum Informatik-Curriculum von dem er heute noch profitiert. Auch die Möglichkeit, während des Praxissemesters neun Monate im südafrikanischen Kapstadt wichtige fachliche und soziale Erfahrungen sammeln zu können dank der Unterstützung des Fachbereichs Informatik und des Deutschen Akademischen Austauschdiensts, schätzt er sehr.
Als schonungsloser Optimist, wie er sich selbst bezeichnet, erkennt er in jeder Erfahrung und Entwicklung und in jedem Umweg letztendlich eine Bereicherung. Sein Lebensmotto nach einem Zitat von Oscar Wilde bringt es auf den Punkt: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Das Porträt erstellte Jasmin Just im September 2016.
Foto: privat

Das Porträt zum Download.

 

 

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