Gleich zu Beginn des Masterstudiums Bauingenieurwesen erfolgt eine Spezialisierung des Studiengebiets. Zu wählen ist zwischen den drei Disziplinen des Bauingenieurwesens - Konstruktiver Ingenieurbau, Verkehrswesen und Wasserwirtschaft.

Näheres zu den einzelnen Vertiefungsrichtungen erfahren Sie im Folgenden auf dieser Seite.

Konstruktiver Ingenieurbau

Die Arbeitsgebiete der im Konstruktiven Ingenieurbau tätigen Ingenieure haben sich durch die Weiterentwicklungen vorhandener Aufgabengebiete und durch Erschließung immer neuer Arbeitsfelder zu einem außerordentlich breiten Tätigkeitsgebiet entwickelt. Heute bearbeiten Bauingenieure neben den klassischen Aufgaben der Tragwerksplanung sowie der Bauausführung auch Projekte im Bereich der Softwareentwicklung, des Umweltschutzes, des Anlagenbaus, des Facility Managements und vieler weiterer Gebiete. Als selbständige Ingenieure oder als Angestellte in mittelständischen Büros bzw. internationalen Konzernen beraten Bauingenieure Behörden, Bauherren, Unternehmen und Architekten weltweit.

Neue Bauarten wie z.B. das Bauen mit Glas, leichte Seilkonstruktionen in Verbindung mit Membranen aus textilbewehrten Kunststoffen und die Weiterentwicklung bestehender Werkstoffe, wie z.B. die Vorspannung von Betonbauteilen mit Kunststofffasern, Stahlverbundkonstruktionen, Klebeverbindung von Bauteilen, führt zu immer anspruchvolleren Aufgaben für die Bauingenieure.

Im Bereich des Entwerfens und Gestaltens von Ingenieurbauwerken, wie z.B. Brücken (sog. Kunstbauwerke), mischen sich naturwissenschaftliche und intuitive Einflüsse unauflösbar. Der Ingenieur muss über sein Können und Wissen hinaus seine Phantasie einsetzen, damit er die verbaute Natur mit seiner Baukultur entschädigt.

Zur Bewältigung dieser vielfältigen Aufgaben werden sowohl modernste elektronische Simulationsrechnungen sowie auch der in einigen Gebieten zur Kontrolle und Eichung immer noch unentbehrliche klassische Modellversuch eingesetzt.

Damit ist ersichtlich, dass weitreichende Kenntnisse der EDV sowie der numerischen Methoden der Mathematik und der Technischen Mechanik für einen erfolgreichen konstruktiven Ingenieur unverzichtbar sind. Die physikalisch und geometrisch nichtlineare Strukturanalyse mittels der Methode der Finiten Elemente in der Statik (Standsicherheit von Bauwerken) sowie auch in der Dynamik (Schwingungsanalyse von Konstruktionen) gehören zum Arbeitsfeld eines Bauingenieurs.

Der Lehrstoff wird vermittelt durch Vorlesungen, Praktika, Laborübungen und Konstruktionsübungen an Berechnungs- sowie CAD-Arbeitsplätzen mit einer Ausstattung analog eines Ingenieurarbeitsplatzes im Konstruktionsbüro. Neben den Pflichtfächern sind in den Studienplänen Wahlfächer vorgesehen, die entsprechend den individuellen Neigungen der Studierenden ausgewählt werden können.

Die öffentliche Baustoffprüfstelle ist in den Lehrbetrieb miteinbezogen und unterstützt die Verbindung der Lehre mit der Praxis. Die erweiterte betontechnologische Ausbildung bereitet - in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Beton-Verein e.V. - auf eine Tätigkeit als Betoningenieur vor. In diesem Rahmen kann der in Fachkreisen als eine hoch bewertete Zusatzqualifikation angesehene theoretische “E-Schein“ erworben werden.

Verkehrswesen

Das Fachgebiet Verkehrswesen umfasst alle Bereiche des Transportes von Personen und Gütern mit Schwerpunkten auf Straße und Schiene. Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Verkehrsplanung und Verkehrstechnik sowie der Bau und Entwurf von Verkehrsanlagen und Fragestellungen, die die Logistik betreffen. Weitere Schwerpunkte in den Tätigkeiten der Verkehrsingenieure liegen im Bereich des innerörtlichen Verkehrs und der Verkehrssicherheitsarbeit.

Das Verkehrswesen steht, wie kaum ein anderes Fachgebiet, im Interesse einer breiten Öffentlichkeit. "Führerscheinbesitz" und "gesunder Menschenverstand" sind oftmals die einzigen Kenntnisse, die in der öffentlichen Diskussion für eine gute Arbeit als Verkehrsingenieur als erforderlich angesehen werden. Hieraus resultiert eine hohe Diskussionsbereitschaft von Planungen und Maßnahmen auf diesem Gebiet.

Moderne Untersuchungsmethoden, wie zum Beispiel die computergestützte VideoVerkehrsAnalyse, leisten einen wertvollen Beitrag in der Verkehrssicherheitsarbeit als Ergänzung zur Unfallanalyse. Verkehrssicherheit ist mehr als die Abwesenheit von Unfällen. Darüber hinaus geben die vorhandenen Daten aus Unfallprotokollen nicht immer ausreichend Auskunft über die Unfallursachen und bieten dann keine Grundlage für die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Die videogestützte Verkehrsanalyse schließt hier eine Lücke und bietet somit eine wertvolle Ergänzung zur Verkehrssicherheitsarbeit.

Die Verkehrsleistung nimmt derzeit immer noch stetig zu. Auch die jüngsten Prognosen sehen hier erst mittelfristig eine Änderung. Die Aufgaben im Verkehrswesen sind vielfältig und wachsen ebenfalls stetig. Das Fachgebiet Verkehrswesen versucht durch Forschung und in der Ausbildung der Ingenieure wichtige Beiträge zur Entwicklung und Umsetzung von Lösungen im Bereich der Ortsveränderung von Personen und Gütern zu leisten. Dabei wird neben den technischen Aspekten besonderer Wert auf die Integration der Verkehrsanlagen in das jeweilige Umfeld und den sorgfältigen Umgang mit unseren Ressourcen gelegt.

Wasserwirtschaft

Der globale Wasserkreislauf sowie die Verteilung des Wassers auf der Erde sind, soweit keine großräumigen klimatischen Änderungen auftreten, von Natur aus vorgegeben. Der Mensch versucht durch vielfältige Eingriffe das Wasserdargebot, das die Grundlage für seine Existenz darstellt, zu nutzen und gleichzeitig Gefahren, die vom Wasser ausgehen, zu beseitigen oder abzuwehren. Historiker gehen sogar davon aus, dass das Bestreben, Wasser gezielt zu nutzen und zu verteilen, ein Grund für die zivilisatorische und staatliche Entwicklung in der Menschheitsgeschichte ist.

Die Bauwerke und Maßnahmen des Wasserbaus verfolgen daher sehr vielfältige Zwecke, so dass eine Großzahl der Bauwerke einer Mehrzwecknutzung dienen:

  • Sammeln, Speichern und Verteilen des Wassers zum direkten Nutzen von Mensch, Tier und Pflanze (Trinkwasserversorgung, Bewässerung, Grundwasser) und als Nutzwasser für Gewerbe und Industrie.
  • Ableiten und Reinigen von genutztem und verschmutztem Wasser (Entwässerung, Abwasserreinigung, Erhaltung der Gewässergüte)
  • Ableiten bzw. Rückhalten eines Zuviel an Wasser (Hochwasserschutz, Entwässerung)
  • Nutzung des Wassers als Verkehrs- und Energieträger (Schifffahrt, Wasserkraft als regenerative Energieform)
  • Nutzung des Wassers zur Freizeit und zur Erholung
  • Erhaltung des Wassers in Natur und Landschaft (Ökosystem Wasser, Gewässergüte, naturnaher Wasserbau)

Wasserbauliche Maßnahmen wirken nur in den seltensten Fällen punktuell. In der Regel haben sie linienförmige ( z.B. Änderung der Wasserspiegellage in einem Fließgewässer) oder flächige (z.B. Änderung von Grundwasserständen) Auswirkungen.

Wasserbauliche Planung bedeutet daher heute in erster Linie wasserwirtschaftliche Planung, die in Wechselbeziehung mit der Umwelt und sozio-ökonomischen Gegebenheiten steht. Die konstruktive, wasserbauliche Planung von Einzelbauwerken, die neben der Erfüllung der gewünschten Funktionen auch ökologische, ökonomische, landschaftliche und städtebauliche Aspekte berücksichtigen muss, steht daneben.

Grundlage des Wasserbaus sind die Hydromechanik und die Hydrologie. Durch die Vielfältigkeit der Aufgaben im Wasserbau haben sich zwei Hauptzweige herausgebildet: die Siedlungswasserwirtschaft (SWW) und der (‚große‘) Wasserbau (WB). Wie der Name andeutet liegt die Hautaufgabe der SWW in der Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser, sowie der Abwasserreinigung und der Stadtentwässerung. Der Wasserbau deckt die restlichen Aufgabenfelder (Hochwasserschutz (siehe Bild), Wasserkraftnutzung, Schifffahrt, Bewässerung, Renaturierung) ab.

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