Folgen und Entwicklungen der weltweiten Corona-Krise

Online-Ringvorlesung im Sommersemester 2020

Experten verschiedener Disziplinen der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften diskutieren in diesem neuen Online-Veranstaltungsformat aktuelle Themen im Rahmen der Corona-Krise, z.B. die wirtschaftlichen Auswirkungen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Weitere Themen werden folgen. Die ProfessorInnen geben Denkanstöße zur Reflektion was gerade um uns und mit uns allen geschieht.

Die Sessions finden online und live statt. Hier finden Sie die Berichte der einzelnen Sessions zum Nachlesen.

22.04.2020 | Wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie in der kurzen und langen Frist

Wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie in der kurzen und langen Frist

Auftakt der Online-Ringvorlesung mit zwei Experten der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
 

In der neuen Veranstaltungsreihe „Folgen und Entwicklungen der weltweiten Corona-Krise“, die als Ringvorlesung aufgrund der aktuellen Situation natürlich online durchgeführt wird, thematisieren Experten der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften die wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie.

Den Auftakt der Reihe machten Prof. Dr. Hagen Krämer und Prof. Dr. Johannes Schmidt, beide Professoren an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in der kurzen und langen Frist. Mit einer überwältigen Resonanz und 250 Teilnehmern hat das Thema absolut den Nerv der Zuhörerinnen und Zuhörer getroffen.

Zunächst erläuterte Prof. Krämer die derzeitige, nie da gewesene Situation der Corona-Pandemie. Die Globalisierung unserer Welt ist ein entscheidender Faktor, der Covid-19 von anderen Krankheitswellen in der Geschichte unterscheidet (Pest, Spanische Grippe). Gerade durch die starke internationale Reisetätigkeit verbreitet sich das Virus COVID-19 rasant. Des Weiteren ist laut Prof. Krämer die Uneinigkeit zwischen den Ländern beunruhigend. Er vertritt die Meinung, dass diese Krise nur durch das Teilen von Wissen und Informationen sowie in Kooperation überwunden werden könne. Für die Wirtschaft sei die Pandemie nicht annähernd so schädigend wie ein Krieg. Es werden weder Maschinen noch Gebäude zerstört und Erwerbsfähige können weiterarbeiten, sofern die Unternehmen überleben. Letzteres ist umso schwieriger, je länger die Krise anhalten wird.

Prof. Krämer betonte, dass makroökonomische Hilfen absolut notwendig seien, da die Pandemie als Naturkatastrophe zu betrachten sei. Der internationale Währungsfonds schätzt, dass dies die größte Weltwirtschaftskrise seit den 1930er Jahren auslösen könnte. Besonders betroffene Bereiche sind zurzeit der Reise- und Flugverkehr mit Kreuzfahrten, die Gastronomie und Veranstaltungen. Profiteure der Lage sind ohne Frage Anbieter von Online-Gaming und Streaming, der Online-Handel und IT-Services (für Home Office).

Als weiteres Thema sprach Prof. Krämer über die mit den zusätzlichen Ausgaben einhergehende ansteigende Staatsverschuldung. Dabei gibt es drei grundlegende Möglichkeiten damit umzugehen. Die entstandenen Schulden können durch eine Sparpolitik zurückgeführt werden. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit der Schuldenentwertung durch Inflationierung und finanzielle Repression. Als dritte Option führt Prof. Krämer das Herauswachsen aus den Schulden an. Dies geschieht, sofern die Zinsen niedriger als die Wachstumsrate der Wirtschaft sind.

Prof. Schmidt diskutierte die Frage, ob ein Anstieg der Inflation zu befürchten sei. Kurzfristig gebe es sowohl einen Nachfrage- als auch einen Angebotsschock; die Wirkung auf die Inflation wird davon abhängig sein, welcher Schock bedeutsamer ist. Wenn langfristig genügend wirtschaftliche Strukturen sichergestellt werden, wird der Preisdruck auch bei einem verstärkten nachholenden Konsum in der Zukunft gering sein. Laut Prof. Schmidt wird auch wegen der zu erwartenden geringen Lohnkostensteigerung bei den Unternehmen kein großer Anstieg der Inflationsrate entstehen.

Des Weiteren berichtete Prof. Schmidt über verschiedene Szenarien für die Bruttoinlandsprodukt (BIP) -Prognose, die der Sachverständigenrat in einem Sondergutachten vom 22. März 2020 erstellt hat. Demnach gibt es drei verschiedene Szenarien für das gesamtwirtschaftliche BIP-Wachstum. Als wahrscheinlichstes Szenario schätzt der Sachverständigenrat einen Rückgang des BIP im Jahr 2020 um 2,8 %, wohingegen es bereits nächstes Jahr wieder um 3,7 % steigen soll.

Ein weiteres Thema, auf welches Prof. Schmidt in der Ringvorlesung einging, waren die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft in Europa und der Eurozone. Zu den möglichen Hilfen der Europäischen Union (EU) zählen unter anderem die sogenannten „Coronabonds“ als europäische Anleihen. Laut Prof. Schmidt muss langfristig auf europäischer Ebene eine Möglichkeit für die Ausgabe gemeinschaftlicher Anleihen geschaffen werden. Damit soll der Gefahr von erneuten Staatsschuldenkrisen vorgebeugt werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung sprach Prof. Krämer über die Strategie von „Hammer and Dance“ zum Umgang mit der Pandemie. Bei diesem Szenario müssen erstens wirtschaftliche Aktivitäten mit viel Sozialkontakten unterbunden werden, um die Verbreitung des Virus zu entschleunigen (sogenannte „Suppression“). Zweitens sind großzügige staatliche Hilfen für diejenigen, deren Einkommen dadurch betroffen ist, notwendig. Durch das Hochfahren von Test- und Verfolgungsmaßnahmen sollen drittens aufkommende Krisenherde schnell identifiziert und neutralisiert werden können.

Nach diesem sehr interessanten und aufschlussreichen Vortrag standen die beiden Professoren per Chatfunktion für die Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörern zur Verfügung.

Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an die Referenten Prof. Krämer und Prof. Schmidt sowie an Frau Hesse für die Organisation dieses neuen Veranstaltungsformats.

Text: Melissa Zehner, Sarah Haser

29.04.2020 | Intensivpatient RECHT

Bericht folgt.

06.05.2020 | Europawoche-Vortrag: Die Folgen der Coronakrise für die deutsche und die europäische Wirtschaft

Europawoche 2020

Vortrag: „Corona-Pandemie: Gesamtwirtschaftliche Folgen für Deutschland und Europa“


von Prof. Dr. Achim Truger, Professor für Staatstätigkeit und Staatsfinanzen an der Universität Duisburg-Essen und Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaft­lichen Entwicklung („Fünf Weise“)

Im Rahmen der Europawoche 2020 veranstalteten das Rektorat der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft gemeinsam mit der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften am 6. Mai 2020 eine öffentliche Vortragsveranstaltung. Das Mitglied des Sachverständigenrats Wirtschaft („Fünf Weise“), Prof. Dr. Achim Truger von der Universität Duisburg-Essen, hielt im Rahmen einer Videokonferenz einen Vortrag zum Thema „Corona-Pandemie: Gesamtwirtschaftliche Folgen für Deutschland und Europa“.

Zu Beginn richtete Prof. Dr. Frank Artinger, Rektor der Hochschule Karlsruhe, einige Worte an die Zuhörerinnen und Zuhörer, in denen er den Hintergrund der jährlich stattfindenden Europawoche erläuterte. Sie dient der Erinnerung an die Erklärung des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman vom 9. Mai 1950, in der dieser einen Plan zur Gründung einer „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ vorstellte, die Keimzelle der heutigen Europäischen Union. Professor Artinger ging dann in seinem Grußwort auf die vielfältigen Auswirkungen ein, die die Corona-Pandemie hat. Er beklagte, dass die Situation anfangs stark von nationalen Alleingängen geprägt gewesen sei, worunter die europäische Solidargemeinschaft gelitten habe. Auch wenn sich die EU im weiteren Verlauf der Krise besser koordiniert habe, würde die gegenwärtige Krise die Europäische Union vor weitere große Herausforderungen stellen.

Danach leitete Prof. Dr. Hagen Krämer, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, ins Thema der Vortragsveranstaltung ein. Er verwies zunächst darauf, dass die Corona-Pandemie aus ökonomischer Sicht als globaler Schock anzusehen sei. Er erwarte zwar, dass sich die Wirtschaft nach der Krise prinzipiell wieder relativ schnell erholen könne, da die Produktionsfaktoren weitgehend erhalten blieben. Allerdings setze dieses weiterhin kluges Regierungshandeln voraus. Die diversen Hilfspakete der Regierung würden bisher dazu beitragen, dass die Kapazitäten weitgehend erhalten blieben und die Einkommen stabilisiert würden. Allerdings sei das Verbrauchervertrauen weiterhin labil, und zahlreiche globalen Lieferketten wären unterbrochen worden. Dies würde auch zahlreiche Fragen nach den langfristigen Folgen der Coronakrise für die Arbeitsteilung und die Globalisierung aufwerfen.

Prof. Dr. Achim Truger ging in seinem Vortag zunächst auf die gegenwärtige und auf die erwartete gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ein. Die Coronakrise sei ein riesiger makroökonomischer Schock sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. Während klar sei, dass es zu einer weltweiten Rezession komme, sei jedoch bislang noch offen, wie tief diese Rezession ausfallen werde. Die staatlich verordnete Schließung von Geschäften trage mit zum starken Einbruch der Wirtschaft bei. Da zudem Schulen und Kitas geschlossen seien, könnten viele erwerbstätige Eltern nicht arbeiten gehen, was zu einem Rückgang des Arbeitsangebots führe. Der weltweite Schock führe zudem zu einem Rückgang der Exportnachfrage, wovon Deutschland als Exportnation besonders betroffen sei. Die enge Integration Deutschlands in die globale Arbeitsteilung und der Zusammenbruch der Lieferketten würde den wirtschaftlichen Rückgang weiter verstärken. Prof. Truger nannte als Beispiel Italien, das einer der wichtigsten Vorleistungslieferanten der deutschen Industrie ist. Durch den dortigen massiven Lockdown seien massive Beeinträchtigungen für die deutsche Wirtschaft zu erwarten.

Prof. Dr. Truger ging auch auf die bisher ergriffenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen ein. So seien in kurzer Zeit sehr umfangreiche Unterstützungsprogramme aufgelegt worden. Hierzu zählen unter anderem die Einführung von Kurzarbeit, Liquiditätshilfen, Einkommenshilfen für das Kleingewerbe sowie ein Unterstützungsprogramm für den Mittelstand. Auf diese Weise solle eine Abfederung der Krise bewirkt und Konkurse sowie Unternehmenspleiten und Arbeitslosigkeit verhindert werden. Arbeitslosigkeit könne in Deutschland durch das Instrument Kurzarbeitergeld weitgehend vermeiden werden. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld würde im Vergleich zur Finanzkrise 2008/2009 jetzt jedoch viel größer ausfallen. Die aktuelle Krise sei auch viel tiefgehender als die vor zwölf Jahren, da damals der Dienstleistungssektor nur schwach betroffen gewesen sei, während nun die Stärke und Breite der Schocks deutlich ausgeprägter wären.

Danach ging Prof. Truger auf noch bestehende Handlungsfelder ein. Auch er vertrat die Ansicht, dass die Wirtschaft nach Überwindung der Pandemie relativ zügig wieder hochgefahren werden könne. Dazu sei aus seiner Sicht jedoch ein Konjunkturpaket unbedingt notwendig, allerdings sei strittig wie es genau ausgestaltet werden sollte. Für ihn habe dabei eine finanzielle Stabilisierung der Kommunen in Deutschland hohe Priorität, da diese schwer von den sozialen Folgen der Krise betroffen seien. Grundsätzlich seien klimapolitische Investitionen als Bestandteil von Konjunkturmaßnahmen zu begrüßen. Große Sorgen mache ihm die Situation in Europa. Besonders in den stark von der Krise betroffenen Ländern Italien, Frankreich und Spanien, sei der Lockdown viel weitergehend als in Deutschland. Die Staatsanleihen besonders stark betroffener Staaten weisen zudem höhere Zinsspreads auf. So müssten, auch zum Zweck der Wiederherstellung hiesiger Lieferketten, die Staatspapiere dieser Länder sicher sein. Daraus entstehe eine historische Verantwortung für Europa.

Abschließend ging Herr Prof. Truger noch auf das Stimmungsbild und das weitere Vorgehen ein. Herrschte anfangs noch große Zufriedenheit aufgrund der durch die Regierung ergriffenen Maßnahmen, wurden im weiteren Verlauf kritische Stimmen zum Lockdown laut. Truger betonte, dass es aus seiner Sicht keinen Widerspruch zwischen dem Schutz von Menschenleben einerseits und den wirtschaftlichen Interessen andererseits gebe. Eine Lockerung der wirtschaftlichen Beschränkungen im Inland würde schließlich die fehlende Nachfrage aus dem Ausland nicht beheben. Zudem bestehe die Gefahr einer zweiten Infektionswelle, die eine Überforderung des Gesundheitssystems mit sich bringen könne. Würde dies passieren, sei mit einer noch größeren Verunsicherung und einer weitaus tieferen Rezession zu rechnen. Daher solle man bei den Lockerungen nicht zu schnell und unvorsichtig vorgehen.

In der an den Vortrag anschließenden Diskussion wurden noch zahlreiche spannende Fragen an Prof. Truger gestellt. Nach 90 Minuten beendete Prof. Krämer die Videokonferenz, in die sich rund 250 Personen eingeschaltet hatten, mit einem herzlichen Dank an den Referenten und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Videokonferenz. Er verband dies mit der Hoffnung, dass die Veranstaltung zur Europawoche 2021 wieder in dem gewohnten, nicht-virtuellen Rahmen der Aula der Hochschule Karlsruhe durchgeführt werden kann.

Text: Sven Schnellbacher

20.05.2020 | Corona, Arbeitswelt und Digitalisierung: Wechselwirkungen einer Pandemie

Corona, Arbeitswelt und Digitalisierung: Wechselwirkungen einer Pandemie

Die Corona-Krise hat unser aller Arbeitswelt von einem Tag auf den anderen massiv verändert. Wir sitzen im Home-Office, konferieren über Video und Telefon und die Online-Lehre ersetzt die Präsenzveranstaltungen an der Hochschule. Wie wird es „nach“ der Krise weitergehen? Wie wird unsere Arbeitswelt beeinflusst werden bzw. bleiben? Und inwiefern kann die heiß ersehnte Tracing App bei der Rückkehr zur Normalität unterstützen?

Prof. Dr. Gerwin Kahabka und Prof. Dr. Jens Nimis thematisierten in der dritten Online-Session der Corona-Ringvorlesung die Einflüsse der Krise auf unsere Arbeitswelt und den Fortschritt in der Digitalisierung. Rund 90 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich in die Session zugeschaltet.

Zunächst führte Prof. Dr. Kahabka, Professor für HR-Management und Arbeitswissenschaft, die Bewertungsebenen aus, die die Arbeitsprozessgestaltung beeinflussen. Dabei müsse betrachtet werden ob die Tätigkeit überhaupt im Home-Office ausführbar sei, ob sie für die/den ArbeitnehmerIn erträglich und zumutbar sei, wie dies ihre/seine Zufriedenheit beeinflusse und ob soziale Faktoren noch eine Rolle spielen. Corona zeigt Auswirkungen auf alle Bereiche der menschlichen Arbeit, z.B. das Rechtssystem, die IT-Infrastruktur oder auch die menschliche Psyche. Dabei sei wichtig zu betrachten, wie jeder Einzelne unter der Belastung der neuen Situation unterschiedlich reagieren kann, d.h. dass sie/er für sich die Belastung subjektiv wahrnimmt.

Laut einer ESET-Umfrage wünschen 68 % der ArbeitnehmerInnen auch nach Corona im Home-Office arbeiten zu können, z.B. ein Tag pro Woche oder flexibel entscheiden zu können wann man ins Home-Office geht.
 

Die Altersstruktur – Ein wesentlicher Faktor für die Digitalisierung

Die Affinität der ArbeitnehmerInnen zur Digitalisierung steigt mit den Generationen. So verhalten die Baby Boomer (Geburtsjahre 1950-1965) sich zurückhaltend, passen sich aber gezwungenermaßen an die Digitalisierung an. Die Generation X (1965-1980) ist da schon wesentlich affiner und hat Moment in den Unternehmen „das Sagen“. Die folgenden Generationen Y und Z haben den Umgang mit digitalen Medien von klein auf gelernt und sind „emotional digital“. Spannend wird die Entwicklung der Generation Alpha werden, die jetzt im Kindergarten und der Schule sind und in den nächsten Jahren ein Studium aufnehmen werden. Wie werden sie mit der Digitalisierung umgehen?

Die meisten ArbeitnehmerInnen in Deutschland sind momentan Mitte 50. Für diese Generation ist die digitale Beschleunigung nicht ganz so einfach. In wenigen Jahren, wenn diese Generation in Rente gehen wird, werden junge ‚Digital Natives‘ als ArbeitnehmerInnen eine sehr gesuchte und teure Ressource sein.
 

Der Arbeitsplatz – Ergonomie für mehr Zufriedenheit

Prof. Kahabka zeigt Beispielfotos von guten und schlecht eingerichteten Arbeitsplätzen. Die Ergonomie eines Bildschirmarbeitsplatzes ist essentiell für eine gesunde Arbeitsumgebung und die Zufriedenheit des Arbeitsnehmers: Gute Beleuchtung ohne Blendung auf den Bildschirm, ein Tisch und Stuhl mit angenehmer Höhe und eine vom Bildschirm getrennte Tastatur.

Die Corona-Krise verlangt eine völlig neue Arbeitsplatzorganisation: Es werden Konzepte wie Arbeitsinseln statt Großraumbüros umgesetzt, mobile working statt fester Arbeitsplätze erlebt einen Zuwachs. Statt einer „Work Life Balance“ werden wir in eine „New Work Culture“ erleben.

Das ist auch für die Arbeitgeberseite eine Herausforderung: Der steigende Fachkräftemangel und der Bedarf an Digital Natives fordert sie heraus eine kreative und angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen, um junge ArbeitnehmerInnen für sich zu gewinnen. Wir können in Zukunft bis zu 30 % mehr Home-Office erwarten als vor der Corona-Krise. Die Digitalisierung wirkt in die Arbeitswelt hinein, umgekehrt durchdringt auch die IT die Arbeitswelt. Damit leitet Prof. Kahabka zum Vortrag von Prof. Nimis über.

_________________________________________________________________________________________________________

 

Prof. Dr. Nimis, Professor für Informationssysteme, thematisiert in seinem Teil des Vortrages die ersehnten Tracing Apps.

Er benennt zunächst die Eckpfeiler der Wiederanlaufstrategie: Es gilt die Zeit zu überbrücken bis wirksame Impfstoffe verfügbar sind – bei gleichzeitigem Wiederanlaufen der Wirtschaft. Dabei müssen die gesundheitlichen Auswirkungen möglichst gering gehalten werden.

Aber wie schaffen wir das, wenn die Menschen wieder zur Arbeit und unterwegs gehen? Weiterhin sind Abstände und Hygieneregeln einzuhalten und sich im Falle einer Infektion rasch zu isolieren. Im Moment wird die Nachverfolgung von Infektionen und Quarantäne „händisch“ vom Gesundheitsamt übernommen, mit Unterstützung 500 temporärer ‚Containment Scouts‘ (im wesentlichen Studierende), die den potentiell Infizierten hinterhertelefonieren und sie auffordern sich in Quarantäne zu begeben.

Diesen enormen Aufwand könne man mithilfe einer Tracing App automatisieren und zugleich die Genauigkeit verbessern. Ziel ist die schnelle Durchbrechung von Infektionsketten. Eine App könnte mögliche Kontakte auch unbekannter Personen wie im ÖPNV rasch nachverfolgen und Warnungen versenden.

Bundesgesundheitsminister Spahn sieht bei der Entwicklung der App drei Herausforderungen: Datenschutz, Datensicherheit und das epidemiologische Konzept.

Aber kann so eine App überhaupt Sinn machen?

Derzeit besitzen 58 Mio. der Deutschen ein Smartphone (bei rund 80 Mio. Einwohnern). Allerdings haben in der besonderen Risikogruppe der über 70-Jährigen nur rund 65 % der Betroffenen ein Smartphone. In jüngeren Generationen besitzen fast 90 % eines.

Hinzu kommt die niedrige Bereitschaft der Bevölkerung so eine App einzusetzen. Laut einer Studie der Universität Oxford müssten allerdings 60% der User die App installieren, damit diese Methode überhaupt wirksamer wäre im Vergleich zum händischen Tracing. Die Installationsbereitschaft liegt bei um die 45-50%, ähnlich wie die Impfbereitschaft oder die Bereitschaft eine Maske zu tragen. Viele Menschen sehen Corona nicht mehr als so große Bedrohung an und erkennen für sich selbst keinen Mehrwert in der Nutzung der App.

Der erste deutsche Anlauf an einer App mitzuwirken ging schief. Im Konsortium PEPP-PT waren 130 Wissenschaftler und Unternehmen aus 8 Ländern beteiligt. Ein Knackpunkt war allerdings die erforderliche Vertrauensinstanz durch eine zentrale Speicherung der Benutzerkontakte. Deutschland stieg hier rasch wieder aus und arbeitet seitdem an einer eigenen App.

Die „offizielle“ Bundes-App, die Corona-Warn-App, wird von SAP und T-Systems vorangetrieben. Mit Bluetooth Low Energy sollen Distanz und Kontaktdauer von App-Nutzern erfasst und dann verteilt gespeichert werden. Ein Start ist noch für Juni angekündigt. Für IT-Affine ist der Quellcode auf Github öffentlich verfügbar: github.com/corona-warn-app

Prof. Nimis nennt beispielhaft weitere Corona-Apps wie die „Corona-Datenspende“ an das RKI auf Basis von Smartwatches oder Fitnesstracker. Internationale Apps, wie in China und Indien, sind weitaus einschränkender für die Bevölkerung als die bei uns erwartete App. Die chinesische Regierung trackt die Bevölkerung über Standortbestimmung und eine Integration mit Techniken zur Gesichtserkennung wird befürchtet – ein beunruhigendes Szenario eines gläsernen Bürgers.

Wann kommt die App?

Prof. Nimis hält Ende Juni/Anfang Juli für realistisch. Er empfiehlt die Installation – aber auch die Deinstallation nach einer Impfung.
 

Herzlichen Dank an die beiden Referenten für die spannenden Impulse zur Thematik Corona – Arbeitswelt – Digitalisierung.
 

Text: Sarah Haser