Erfahrungen ehemaliger Absolventen

Über 150 Absolventen hat der Deutsch-Französische Doppelabschluss seit seiner Gründung hervorgebracht, die sich in den unterschiedlichsten Branchen und Positionen wiederfinden.

Nachfolgend möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, einem umfassenden Einblick in die Erfahrungen unserer Absolventen und den persönlichen Mehrwert unseres binationalen Studiengangs zu bekommen.

  

    

2015

Ferdinand Schäfer, Master of Science (Mechatronik an der HSKA, 2014), Ingénieur diplômé de l´ENSMM (2015)

Aktueller Arbeitgeber: ITK Engineering AG / Rülzheim

Das Beherrschen einer Fremdsprache gilt in der heutigen Berufswelt fast als Selbstverständlichkeit. Darüber hinaus ist es ein Mehrwert, mit einer weiteren Fremdsprache vertraut zu sein. In diesem Sinne habe ich mich nach meinem deutsch-französischen Abitur im Jahre 2008 entschieden, ein binationales Studium zu beginnen. Der Studiengang der Fahrzeugtechnologie an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HSKA) ist mir damals in besonderer Weise aufgefallen.

Nun sind bereits 4 Jahre vergangen, seit ich an der École Nationale Supérieure de Mécanique et des Microtechniques de Besançon (ENSMM), der Partner-Hochschule der HSKA, meine erste Vorlesungen besucht habe; Ich kann mich gut daran erinnern, wie in Mécanique Générale plötzlich ganze Systeme wie Motorrad-Gabeln und Getriebe zur Untersuchungsgrundlage wurden. Meine Vorkenntnisse in Mechanik aus dem bisherigen Studium konnte ich somit endlich zur Anwendung bringen. Die ENSMM bietet neben einem Fokus auf Mechanik eine breitgefächerte Ausbildung d´ingénieur généraliste, bei der zahlreiche Fachbereiche behandelt werden. Diese Erfahrung ermöglicht es mir heute, offen auf neue Thematiken zuzugehen.

Ich habe nun seit einer Woche mein 5½-jähriges Doppelstudium abgeschlossen und bin froh, die Entscheidung für diesen oftmals anspruchsvollen Weg getroffen zu haben. Die französische Sprache über den Alltagsgebrauch hinaus bis in wissenschaftliche Felder hinein zu nutzen, war eine besondere Erfahrung. Vor allem bietet ein Studium in verschiedenen Städten deutlich mehr Abwechslung, als durchgehend an einem Ort zu bleiben. Besançon, eine mittelgroße Stadt, ist Hauptort der Region Franche-Comté und bietet eine große studentische Gemeinschaft. Die Stadt weist neben den damit verbunden Möglichkeiten wie die Bar de l´U zahlreiche Attraktionen im Umland auf. So kann man auf den Bergen der Umgebung z.B. sehr gut mountainbiken.

Im Anschluss an meine Masterthesis bei der Firma ITK Engineering AG, habe ich mein letztes Semester an der ENSMM absolviert. Die Vertiefungsrichtung Ingénierie de l´Innovation bietet nach einem langen, technisch-orientierten Studium neue Perspektiven. Neben frei-wählbaren Quermodulen wie Web-Programmierung und Optimierungsmethoden, werden Ingenieursfächer mit Bezug zur Wirtschaft behandelt. So zählen Marketing oder Competitive Intelligence zu den Haupfächern. In Innovationsprojekten können mit renommierten Firmen neue Konzepte entwickelt werden (z.B. mit dem französischen Werkzeugmacher Facom) und mit Wettbewerbsclustern Vorhaben zur lokalen Wirtschaftsförderung (unter anderem im Automobilbereich) behandelt werden.

Rückblickend kann ich behaupten, dass mein Doppelstudium eine große Herausforderung und gleichzeitig eine wertvolle Erfahrung war. Selbstverständlich sind mit dem Doppelstudium große persönliche Einsätze verbunden, jedoch vereinfacht es den Kontakt zu Firmen und dies bereits bei der Suche nach Abschlussarbeiten. Auch wenn Frankreich ein direktes Nachbarland ist, so bietet ein dortiger Aufenthalt kulturell nicht zu unterschätzende Erlebnisse. Vor allem begegnet man bei jüngeren Kommilitonen aus den Classes Préparatoires meist einer ganz anderen Biografie, als dies in deutschen Studentenkreisen der Fall ist. Auch wird der Englischunterricht in französischen Ingenieursschulen mit besonderer Sorgfalt durchgeführt. Zu guter Letzt bieten die französische Lebensart und die Gastronomie besondere Erlebnisse, an denen man als Gast immer wieder Freude findet.

Rückfragen von Interessenten beantworte ich gerne via Mail: ferdinand.schaeferspam prevention@hs-karlsruhe.de

     

2014

Jan Jordan, Dipl.-Ing. (FH) (2013), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2014)

Aktueller Arbeitgeber: Daimler AG

Montagmorgen erste Stunde “Economie“, ich sitze in der zweiten von drei Reihen in einem Raum mit zwanzig Studenten. Monsieur Parrang betritt den Raum und übergibt uns die ausgedruckten und gebundenen Skripte, merkwürdig wenn man nicht zur Druckerei rennen muss, denke ich mir.

Ich beginne also in meinem Skript zu blättern, um zu sehen, was mich erwartet, das Französisch um mich herum habe ich ehrlich gesagt ausgeblendet, als auf einmal alles leise wird und mich ansieht. Allem Anschein nach hat der Professor mir eine Frage gestellt ich rette mich mit „Excusez-moi je suis Allemand.“ Einer der Sätze, die ich in den nächsten Tagen noch öfter benutzen werde. Gerne auch: „Je ne comprend pas, vous pouviez répéter ça?“.

Monsieur Parrang, der wie viele Professoren, von Deutschland schwärmt, nimmt sich die Zeit und erklärt mir nochmal was zu tun ist.

Zweite Vorlesung: Mechanik im modernen Hörsaal oder „Amphi“ mit dem kompletten Semester. Die erste Folie ist mir bis heute noch in Erinnerung geblieben, das Bild eines Motorrads, das wir skizziert und analysiert haben. Für mich wurde hier zum ersten Mal der Praxisbezug der Theorie in Mechanik deutlich.

Wie sicherlich viele von euch, hatte auch ich anfangs Probleme und Bedenken, ob meine damals fast nicht vorhanden Französisch Kenntnisse für ein Studium im Ausland ausreichen. Zugegeben die ersten Wochen waren erschlagend. Alles war neu, die Stadt, die Leute und vor allem die Sprache. Doch nach mittlerweile sechs Monaten sind die Unterschiede gravierend. Mein Hörverständnis ist enorm gestiegen, beim Sprechen bin ich mir da noch nicht sicher, allerdings sehen auch das, meine französischen Kommilitonen schon ganz anders.

Zudem befindet man sich im ersten Semester im Praktikum an der FEMTO-ST, dem Forschungsinstitut neben der ENSMM, so dass man noch keinen Lernstress durch anstehende Prüfungen hat. Es ist also genügend Zeit da, um sich einzuleben und die französische Sprache zu erlernen.

Im Praktikum arbeitet jeder Student zusammen mit einem sehr geduldigen Mentor an einem individuellen Projekt. Es gibt außerdem die Möglichkeit, drei Fächer aus dem kommenden Semester zu besuchen, was den Einstieg in das Semester erheblich erleichtert.

     

2009

Thomas Nowak, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (2008), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2009)

Mein Studium im deutsch französischen Studiengang Maschinenbau und Mechatronik (damals nur Fahrzeugtechnologie) begann im WS 2004/05 und endete nach dem SS 2009. Nach dem Doppelstudium trage ich die Titel Dipl.-Ing. (FH) sowie "Ingénieur diplômé de l’ENSMM".

Der Doppeldiplomierung kann man sicherlich bezüglich Ausbildung und Berufschancen einen Mehrwert gegenüber einem gewöhnlichen Ingenieursstudium beimessen. Den wahren Wert bei diesem Studium sehe ich allerdings außerhalb des Hörsaals, vor allem während des Auslandsaufenthalts in Besançon. Man kann einerseits die unterschiedlichen Sitten und Gebräuche hautnah erleben und gleichermaßen unheimlich viele Gemeinsamkeiten zwischen Franzosen und Deutschen entdecken. Sogar in der französischen Sprache, die anfangs sehr befremdlich wirkte, sah ich im Laufe dieses Studiums ein Bonbon! Als Student innerhalb der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik profitiert man von den guten Beziehungen zwischen den beiden Partnerhochschulen. An der Hochschule Karlsruhe erledigen der Programmbeauftragte und das Akademische Auslandsamt bereits die größten Formalitäten zur Zulassung am Austauschprogramm. Als Student sollte man eine gesunde Freude für Naturwissenschaften und für Mathematik mitbringen und für interkulturelle Begegnungen offen sein.Das Studium an der französischen Partnerhochschule findet nicht an einer Universität, sondern an einer Grande École für Ingenieure statt, zu der man normalerweise nur über einen Wettbewerb (concours) Zugang hat. In Frankreich sind die Vorlesungszeiten erheblich länger als in Deutschland, auch der Unterrichtsstil erinnert eher an die Schulzeit. Die Ausbildung zum Ingenieur umfasst ein breites Spektrum. Die Kernfächer an der ENSMM sind neben Mechanik und Konstruktionslehre auch Elektronik, Optik und Regelungstechnik. Neben Vorlesungen und Tutorien werden auch ausgiebige Laborveranstaltungen durchgeführt. Die Klausuren sind selbstverständlich auf Französisch. Am Ende des Semesters werden in einer Klausurwoche ein ganzes Packet an Examen durchgeführt, aber auch während dem Semester sind Klausuren abzulegen. Anhand der vergebenen Credits wird das Semester validiert und in einer Rangliste sieht man am Semesterende den Vergleich zu allen anderen Kommilitonen. Die Anrechnung der Studienleistungen zwischen den beiden Partnerhochschulen ist unkompliziert und wird zusammen mit dem Programmbeauftragten erledigt.

Während des „Troisième Année“ studierte ich in der Vertiefungsrichtung "Microsystèmes et Santé". Zusammen mit dem abschließenden "Projet Fin d'Étude" in der Medizintechnik konnte ich meinen Horizont in einer anderen Ingenieursdisziplin erweitern. Nach dem Studium werde ich mich nun für beide Länder auf dem Arbeitsmarkt in Position bringen.

Christian Fritz, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (2007), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2009)

Aktueller Arbeitgeber: Marquardt GmbH, Deutschland

Ich habe mein Studium an der HS Karlsruhe im WS 2003 begonnen. Damals hatte ich mich für den rein deutschen Studiengang entschieden. Aufgrund eines Testsemesters (hierfür ist damals das 1. Praxissemester entfallen) an der ENSMM habe ich mich dann doch noch entschieden am deutsch-französischen Doppeldiplomstudiengang teilzunehmen.

Ich habe sehr viel über die französische Kultur gelernt: denn obwohl Frankreich ein direktes Nachbarland von Deutschland ist, sind doch so viele Dinge sehr verschieden. Hierzu gehören die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, das Arbeitsleben und vieles anderes. Ich für meinen Teil, kann auf jeden Fall sagen, dass es keine falsche Entscheidung gewesen ist, an diesem Programm teilzunehmen.

     

2008

Alexander Wachtel, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (2007), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2008)

Eigentlich hatte ich gar nicht vor am deutsch-französischen Doppelstudiengang teilzunehmen. Da ich mich aber nach 3 Semestern nach einer neuen Herausforderung sehnte und vor allem die französische Sprache lernen wollte, entschied ich mich nach dem Vorbereitungs-semester an der ENSMM doch für das Studium in Frankreich.

Das Studium teilt sich dort in Vorlesungen, Übungsstunden und Laboreinheiten auf. Es besteht also kein großer Unterschied zum deutschen Studium, außer dass es vielleicht mehr in die Tiefe geht und gerade für einen ausländischen Studenten am Anfang gewöhnungsbedürftig und anstrengend werden kann. Man sollte auf jeden Fall immer am Ball bleiben, dann kann auch nicht viel schief gehen. Der größte Vorteil, den ich im Doppelstudiengang sehe, ist, dass man zwei Diplomarbeiten schreibt und somit die Chance hat, entweder sich auf einem Gebiet noch mehr zu vertiefen oder auch in zwei verschiedene Bereiche hinein schnuppern kann.

Ich bereue es nicht diesen Weg gegangen zu sein und kann es jedem, der sich persönlich entwickeln möchte, nur empfehlen.

Maurice Bopp, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (2007), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2008)

Aktueller Arbeitgeber: RUAG Space AG, Schweiz

Die Gründe, warum ich die deutsch-französische Studienvariante gewählt habe, lagen zum einen an der Möglichkeit, eine andere Kultur näher kennenzulernen als auch eine fremde Sprache über das Schulniveau hinaus zu erlernen und zum anderen an der Aufwertung meines Studienabschlusses.

Das französische Studium ist - im Gegensatz zum deutschen Studium - an sich gewöhnungsbedürftig, da es bei vielen Thematiken mehr in die Tiefe geht und somit sehr theoretisch ist. Auch die Prüfungszeit stellt eine Herausforderung dar. Innerhalb weniger Tage werden sämtliche Semesterprüfungen absolviert, wobei es keine Seltenheit ist, mehrere Prüfungen an einem Tag zu haben. Das generelle Studienprinzip ist recht gut gelöst, da es aus einer Kombination von Vorlesungen, theoretischen wie auch praktischen Übungen besteht.

Sehr interessant war mein "Projet Fin d'Étude". Während dieser Zeit war ich ausschließlich mit Franzosen konfrontiert und wohnte zudem in einer Wohngemeinschaft mit einem französischen Kommilitonen. Das hat wesentlich zu einer weiteren Verbesserung meines französischen Sprachniveaus beigetragen.

Die Abschlussarbeit bezog sich auf den Strahlenschutz und stellte eine Kombination aus Informatik und einer Methodik aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz - dem fallbasierten Schließen - dar. Durch dieses sehr interdisziplinäre Aufgabengebiet an einem französischen Forschungsinstitut hatte ich die Möglichkeit, mit sehr vielen unterschiedlichen Personen in Kontakt zu kommen, was den französischen Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich gestaltet hat.

     

2007

Patrick Schmidt, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (2005), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2007)

Aktueller Arbeitgeber: ALTRAN GmbH & Co. KG, Deutschland

Die Möglichkeit zur deutsch-französischen Doppeldiplomierung im damaligen Studiengang Fahrzeugtechnologie war neben dem fachlichen Interesse mein eigentlicher Anreiz an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Karlsruhe dieses Studienfach anzugehen.

Insbesondere die Tatsache mein Studium nicht gänzlich in Deutschland verbringen zu wollen und meine Französisch-Kenntnisse zu perfektionieren haben mich dazu motiviert. Nach über 2 Jahren Aufenthalt in Frankreich kann ich heute von mir behaupten zweisprachig zu sein und mich in allen Lebensbereichen auf Französisch verständigen zu können. Durch das methodisch sowie didaktisch andersartige Studium an einer Grande École in Frankreich erweitert man nicht nur sein fachliches Spektrum sondern auch seinen menschlichen wie kulturellen Horizont.

Obwohl ich Student des Fachbereiches Fahrzeugtechnologie war, habe ich meine Diplomarbeit in einem französischen Forschungszentrum der Luftfahrt „ONERA“ absolvieren können und arbeite heute im Auftrag eines Service-Dienstleisters für Airbus. Mit Sitz in Hamburg bin ich teil eines internationalen Projektes von 13 Ingenieuren, mit 6 Kollegen in Toulouse, 5 in Bremen und Hamburg und einem in der UK.

     

2005

Patrizia Maggi, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (2004), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2005)

Aktueller Arbeitgeber: Mahle International GmbH, Deutschland

Ausschlaggebend für meine Entscheidung für den deutsch französische Doppeldiplomstudiengang war die Tatsache, meine Französischkenntnisse auch auf technischem Niveau aufzubauen und die Chance ein französisches Diplom zu erwerben, um auch in Frankreich die Chance zu haben später zu arbeiten (ausländische Titel werden hier immer noch nicht problemlos anerkannt...).

Ich denke, dass ich durch das Doppeldiplom während meiner Bewerbungsphase nach dem Studium einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern hatte und auch dadurch bei meinen aktuellen Arbeitgeber zur Aufnahme in dessen Traineeprogramm punkten konnte. Gerade heutzutage ist es in einem Ingenieursberuf, denke ich, von Vorteil und auch immer wichtiger sowohl private, als auch berufliche Erfahrungen im Ausland, und dementsprechend Erfahrungen im Umgang mit anderen Kulturen gemacht zu haben. Auch wer Fremdsprachenkenntnisse mitbringt, hat es sicherlich einfacher im Berufsalltag.

     

2003

Dietmar Moritz, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (2002), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2003)

Aktueller Arbeitgeber: MATISA Matériel Industriel SA, Schweiz

Ich arbeitete nach dem Deutsch-Französischen Doppelabschluss seit 6 Jahren bei einer japanischen Firma in England, jetzt in der Schweiz! Die Tatsache dass mein Französisch auch nach 6 Jahren "Winterschlaf" immer noch sehr brauchbar ist, hat mir den Anfang bei MATISA im französischsprachigen Teil der Schweiz leicht gemacht.

Ein weiterer Pluspunkt für meine Einstellung war die breite Ausbildung im Studiengang Fahrzeugtechnologie. Da MATISA Gleisbaumaschinen herstellt wende ich nun die Fahrzeugtechnologie auch auf Schienenfahrzeuge an!

     

2000

Dr. Henning Oest, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie ( 1999), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (2000)

Die Vorteile des integrierten deutsch-französischen Studiengangs sind: geregelte Anerkennung der Studienleistungen, zwei Diplome in nur 11 Semestern, direkte Promotionsberechtigung für FH-Studenten und zwei Jahre Auslandserfahrung.

     

1998

Thomas Lorenz, Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnologie (1996), Ingénieur diplômé de l'ENSMM (1998)

Aktueller Arbeitgeber: Daimler AG

Mein Studium im deutsch-französischen Studiengang Fahrzeugtechnologie begann zum SS 1995 und endete zum SS 1998 mit der Verleihung der beiden französischen Diplome (DESS & DEA) an der ENSMM in Besançon.

Ich stieg von der TU Karlsruhe kommend zum SS 95 quer in das 2.Semester des Studiengangs Fahrzeugtechnologie ein. Dort habe ich parallel die Vorlesungen des 2. und 4. Semesters gehört und die Tutorien für Technische Mechanik im 2. und 4. Semester gehalten. Im Sommer 95 konnte ich so alle notwendigen Klausuren / Prüfungen der Semester 1-4 ablegen und bestehen (mehr als 15, teilweise 3 pro Tag und mit zeitlicher Überschneidung). Zum WS 95 wechselte ich in das 5. Semester, hielt Tutorien in Semester 1. + 5. und war zusätzlich noch in der Studentenvertretung des Studiengangs tätig. Dort habe ich aktiv an der ersten Studienordnung mitgearbeitet. In dieser Funktion habe ich 1997/98 deren Neufassung angeregt und diese mit gestaltet.

SS96 absolvierte ich mein „Ingenieur“- Praktikum bei Peugeot (PSA) in Sochaux, Frankreich. Thema: Optimierung der Frontmodul Vormontage des 605. Ergebnis: Reduzierung des AK - Bedarfs von drei auf ein AK pro Schicht. / netto. Dieses Praktikum war die perfekte Möglichkeit um in die französische Sprache hinein zu wachsen.
=> wirklich empfehlenswert!

In Sochaux erzählte mir 1996 ein algerischer Arbeiter, das es ca. 1 Jahr dauert bis man Französisch einigermaßen beherrscht und ein weiteres Jahre bis man nicht nur alles versteht sondern sich auch entsprechend verständigen kann.
=> Er sollte mit seiner Aussage recht behalten. Zusätzlich hat es noch 2 weitere Jahre gedauert (bis 2000), bis ich mein Französisch perfektioniert hatte. Leider lebe ich nun schon wieder seit 2002 Jahren im deutschen Sprachraum, wodurch sich mein Niveau in Französisch sich langsam wieder dem Stand von 1998 nähert.
=> eine Fremdsprache perfekt zu beherrschen ist ein langer Prozess und bedarf nicht nur der Geduld sondern auch des ständigen Trainings.

Zum WS 1996 fingen die ersten vier deutschen Studenten des Studiengangs Fahrzeugtechnologie an der ENSMM an. Die Idee war es, diese als „admis sur titre“ zusammen mit Absolventen von franz. Universitäten quer in das 2. Jahr an der ENSMM einsteigen zu lassen. Hierfür gab es vor Semesterbeginn einen zweiwöchigen Vollzeit- Vorbereitungskurs auf Französisch (für die französischen Teilnehmer (ca. 10) sowie uns 4 Deutsche). In diesem Kurs sollten die Lerninhalte des ersten Jahrs an der ENSMM vermittelt werden. Da wir 4 nicht darauf vorbereitet waren, weder richtig in Besançon eingezogen noch gemeldet waren kam hier zum Start der erste Schock zum Start. Wir verstanden zum einen nur die Hälfte (und das lag nicht nur am Französisch, sondern auch an der fehlenden mathematischen Vorkenntnis) und zu anderen konnten wir nicht an allen Kursen teilnehmen, da wir parallel noch mit der „préfecture“ bezüglich unserer Anmeldung kämpften. (1996 gab es noch keinen € sondern DM und FF und man brauchte noch eine Aufenthaltserlaubnis (Carte de séjour) für Studium und Arbeit.)

Da wir unser „Ingenieurpraktikum“ schon absolviert hatten (in der ENSMM war dies erst im 2. Studienjahr vorgesehen) mussten wir unseren Praktikumsbericht (natürlich auf Französisch) zum Semesterbeginn 96 an der ENSMM vorstellen. Als ich meinen Praktikumsbericht vor allen Studenten des nun 3. Jahres vorstellte, wurde ich von meinem betreuenden franz. Professor ausdrücklich gelobt! Denn ich hatte den Bericht mit den wenigsten Rechtschreibfehlern abgeliefert, den er in seiner bisherigen Karriere (in ca. 15 Jahren) gesehen hatte. Es gab insgesamt nur 3 Schreibfehler auf ca. 45 Seiten. Gott war mir das peinlich, typisch deutsch. Spricht kaum ein Wort und liefert eine „perfekte“ Arbeit ab. Dabei wollte ich mir nur bei der Erstellung des Berichts keine Blöße erlauben und habe damals die gesamte Abteilung bei Peugeot tyrannisiert um den Bericht von so vielen Leuten wie möglich Korrektur lesen zu lassen. Ich glaube das Korrekturlesen hat länger gedauert (ca. 4 Wochen) als den Bericht zu erstellen und anschließen kannte halb Peugeot den Bericht auswendig, aber trotzdem hatte er noch 3 Fehler!! Nach diesem Auftritt war ich an der ENSMM nicht nur bekannt wie ein bunter Hund sondern auch als Perfektionist abgestempelt.

Das 2. Studienjahr an der ENSMM war das anspruchsvollste, da es nicht nur die meisten Fächer, den vollsten Stundenplan und die schwierigsten Übungen hatte, sondern auch die höchste Durchfallquote besaß. Und in dieses Jahr stiegen wir vier Deutsche mit wenig Vorbereitung ein! Zum Glück hatte jeder von uns einen franz. „Bi-Nom“ (Laborpartner) für die Übungen und so mancher Prof. war bezüglich unserer Wissenslücken anfänglich etwas nachsichtiger als bei einem Franzosen. Doch trotzdem stellte sich schnell heraus, das unter diesen Bedingungen (als Sardine unter den Haien. d.h. Ausländer mit wenig Vorkenntnis des franz. Lehrstoffs) es für uns nur ums Überleben (Bestehen) gehen wird, nicht um eine gute Note zu erzielen. Da selbst für einen französischen Studenten dieses Studienjahr sehr anspruchsvoll ist (viele Themen in kurzer Zeit), zeigte es sich als überlebenswichtig, ob ein ausländischer Student (also wir 4) in der Lage war das neu erlernte Wissen in Französisch aufzunehmen und anwenden zu können, ohne es in seine Muttersprache (Deutsch) übersetzen zu müssen. Dies gelang leider nur Hrn. Flörchinger und mir. So stiegen zwei von uns nach den Klausuren im Januar aus und gingen zum SS 97 zurück an die FH.

Es war üblich die meisten Klausuren des Jahres direkt nach den Weihnachtsferien zu schreiben. Für die Studenten des 2. Studienjahrs an der ENSMM bedeutete dies eine Woche lang in der Aula der ENSMM bei ca. 10-15° C Temperatur (da natürlich in den Ferien nicht geheizt wurde und das Gebäude bei -5° C Außentemperatur nicht nur stark auskühlt, sondern auch lange braucht um den Luftraum der Eingangshalle wieder auf Temperatur zu bringen) 4 – 5 Klausuren am Tag zu schreiben.
=> Ein wahrer Alptraum!

Wir wussten nicht was schlimmer ist: Die Kälte, 4 Klausuren am Tag (ohne Hilfsmittel) oder dass alles (nach zwei Wochen in Deutschland) wieder auf Französisch war! Schon am zweiten Tag saß ich mit Stiefeln, Lederhose und zwei Pullis sowie einer Thermoskanne Kaffee an meinem Platz in der Aula. Wir Deutschen durften als einzige ein Buch, ein Wörterbuch auf dem Tisch haben. Sonst war auf dem Tisch nur ein Lineal, ein Taschenrechner (natürlich nicht programmierbar) und Stifte in max. 3 Farben erlaubt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass alle Studenten heil froh waren als diese Woche endlich vorbei war.

Ab hier trennten sich die Wege, zwei meiner deutschen Studienkollegen kehrten im Feb. 1997 zurück nach Karlsruhe. Hr. Flörchinger und ich bissen uns noch bis zum April durch und bestanden dieses Studienjahr. Da normalerweise im Anschluss an das zweite Studienjahr alle Studenten der ENSMM Ihr „Ingenieur-Praktikum“ durchführen, das wir Deutschen schon vor Beginn des Studiums in Frankreich durchgeführt hatten, konnten wir diese „freie Zeit“ nutzen um unsere Diplomarbeit für das FH- Diplom in Fahrzeugtechnologie zu schreiben. Während Hr. Flörchinger hierfür in Besançon blieb und seine Arbeit dort an der Uni schrieb, ging ich nach Köln zum Renault Institut für Qualität und Management. Ich erarbeitete dort im Rahmen meiner Diplomarbeit ein Bewertungsinstrument zur Unternehmensbewertung anhand von TQM- Kriterien. Bei dieser Arbeit konnte ich erstmals meine deutsch-französischen Kenntnisse und Ausbildungserfahrungen mit Erfolg anwenden. Im September 1997 stellten Hr. Flörchinger und ich unsere Diplomarbeiten an der FH- Karlsruhe vor. Für die Vorstellung erhielt ich eine 1,3 für die Diplomarbeit eine 1,0. Somit waren Hr. Flörchinger und ich die ersten beiden, die Ihr FH- Diplom im Studiengang Fahrzeugtechnologie zum Ende des SS 97 erhielten. Ab diesem Zeitpunkt waren wir in Deutschland exmatrikuliert und nur noch an der ENSMM eingeschrieben. Unsere Diplomabschlussfeier an der FH fand im Dez. 97 statt.

Ab Oktober 1997 ging unser zweites Jahr in Frankreich mit dem Studium im 3. Studienjahr der ENSMM weiter. Ab diesem Zeitpunkt waren wir nicht mehr die einzigen Deutschen an der ENSMM, denn so wie wir ein Jahr zuvor fingen zwei weitere Deutsche an als „admis sur titre“ in das 2. Studienjahr der ENSMM einzusteigen. Doch sie hatten den Vorteil, dass wir nicht nur sie sondern auch die Professoren in Deutschland und Frankreich im Vorfeld auf die schwierigen Rahmenbedingungen hinweisen und vorbereiten konnten. Somit verlief Ihr Antritt an der ENSMM zwar anstrengend, aber mit mehr Absicherung und Unterstützung durch die Professoren und uns. Für sie gab es auch französische Studienkollegen, die nicht nur Ihre Laborpartner waren, sondern dann auch ihr 3. Studienjahr der ENSMM an der FH- Karlsruhe absolvierten.

Alle nachfolgenden Absolventen dieses deutsch- französischen Studiengangs fingen dann im 1. Studienjahr an der ENSMM an und gingen im 2. gemeinsam mit ihren franz. Studienkollegen nach Deutschland, um den deutschen Abschluss zu erhalten.

Für Herrn Flörchinger und mich war dieses zweite Jahr an der ENSMM deutlich entspannter und wir entschieden uns beide zusätzlich zum Diplom der ENSMM auch noch Kurse an der Uni zu belegen, um (wie in Frankreich üblich) zusätzlich noch das Diplom der Universität Franche Comte zu erhalten. Dieses Diplom ist zwar für einen Franzosen nur interessant, wenn er noch promovieren will und eine Karriere in Forschung oder Lehre anstrebt. Für uns Deutsche war es aber das einzige Diplom, das damals über das Länderankommen in Deutschland anerkannt war.
=> Uni Anschluss, Promotionsberechtigung auch in Deutschland.

So schrieb ich im Frühjahr 1998 meine Diplomarbeiten für die ENSMM, natürlich auf Französisch. Im Juni 1998 erhielten wir (Flörchinger und ich) zusammen mit allen Absolventen des Jahrgangs 98 unser Diplom der ENSMM. Die Verleihung fand (mit Angehörigen) in der Aula der ENSMM statt.

Im September 1998 kehrte ich noch einmal an die ENSMM zurück um meine Diplomarbeit für die Uni zu beenden und vorzustellen. So beendete ich eine aufregende und von drei Diplomen gekrönte Zeit des Studiums zum SS1998.