Exkursion des Freundeskreises ELITE vom 22. bis 24. Mai 2017

Innovative Technik und tiefe Einsichten im Südschwarzwald und in der Schweiz

Die diesjährige Exkursion des Freundeskreises Elektro- und Informationstechnik führte uns in den Südschwarzwald, ins badisch-schweizerische Grenzland. Diese Region verbindet landschaftliche Schönheit mit High-Tech in besonderer Weise. Die Gruppe aus 20 Studierenden und 9 Professoren bzw. aktiven Freundeskreismitgliedern startete am 22. Mai bereits um 07.00 Uhr mit dem Bus von unserer Hochschule und steuerte als erstes Ziel die Firma Sick in Waldkirch bei Freiburg an.

Die Firma Sick ist in den Bereichen Fabrikautomation, Logistikautomation und Prozess-automation höchstinnovativ und führend im Bereich der Sensortechnik. Zunächst stellte der Bereichsleiter die Sicherheitstechnik in einer „Smart Factory“ vor. Ein technischer Übersichtsvortrag führte in die Entwicklung von Laserscannern und deren Anwendung im Umfeld von Industrie 4.0 ein. Mit Hilfe unterschiedlicher Lichtlaufzeiten werden geometrische Objekte vermessen und im Raum lokalisiert. Neben der Entwicklung innovativer Lösungen werden in Waldkirch jährlich 80.000 Laserscanner gefertigt. Eine Präsentation über Karrieremöglichkeiten bei Sick (Trainee und Direkteinstieg) rundete das Programm ab. Nach einem guten Mittagessen in der Kantine von Sick fuhren wir ein paar Minuten weiter nach Freiburg zu unserem zweiten Tagesziel.

Bei Trumpf-Hüttinger in Freiburg beschäftigt man sich mit Hochfrequenztechnik. Eine Führung durch die Entwicklungslaboratorien veranschaulichte den Entwurf und die Realisierung von Verstärkern, hochpräzisen Leistungsmessern und Richtkopplern. Ein wichtiges industrielles Anwendungsfeld ist der 13-MHz-Industrielaser, der in allen Bereichen der industriellen Fertigung eingesetzt wird, insbesondere in der Automobilindustrie zum Schneiden von Blechen und Stahlplatten. Nach der Laborführung besichtigten wir den EMV- Freifeldmessplatz Störemissionsmessungen sowie die Störfestigkeitsprüfeinrichtung für ESD und Surge. Auch bei Trumpf-Hüttinger werden unsere Absolventinnen und Absolventen umworben und attraktive Einstiegsmöglichkeiten (Trainee und Direkteinstieg) angeboten. Anschließend fuhren wir über den Hotzenwald zum Gasthaus Engel in Rickenbach, unserem Quartier für zwei Nächte. Nach dem Einchecken wurde ein reichhaltiges Abendbüffet geboten. Mit den Eindrücken des Tages ließen wir den ersten Abend bei guten Gesprächen ausklingen.

Der zweite Tag begann mit dem Besuch der Schaltanlage Kühmoos, die nur zehn Busminuten von unserem Quartier entfernt liegt. Dort wird vom 380-kV-Netz der Betreiberfirmen Transnet und Amprion auf 220kV transformiert und in die Region verteilt. In der 16-ha-Anlage mit Transformatoren, Trenn- und Leistungsschaltern, Wandlern und Überspannungsableitern brummt und knistert es und abhängig von der Wetterlage stehen den 5 Mitarbeitern schon mal „die Haare zu Berge“. Ein kleiner Höhepunkt war die Live-Demo der Schaltung eines 220-kV-Pantograph-Trennschalters mit seinem Schaltlichtbogen. In der Leitwarte kontrollieren zwei Mitarbeiter rund um die Uhr die Zu- und Abflüsse der Stauseen der Schluchsee-Werke mit drei Kraftwerken. Der obere Stausee ist der künstlich angelegte Schluchsee, der seit langem touristischer Anziehungspunkt der Region ist, der untere Ablauf ist der Rhein.

Nach dem Mittagessen in der Kantine der Schaltanlage Kühmoos fuhren wir weiter nach Wehr zum neuesten der drei Kraftwerke. Das Kavernenkraftwerk wurde 1976 in Betrieb genommen und zählt zu den weltweit größten Pumpspeicheranlagen. Nach einem Übersichtsvortrag fuhren wir mit dem Bus mehr als einen Kilometer in den Berg ein. Dort arbeiten 4 Francis-Turbinen mit einer Leistung von je 248 MW und einem Durchsatz von 45000 Litern pro Sekunde. Der Rotordurchmesser eines Generators beträgt 3,8 m bei einem Gewicht von 600 t und 600 Umdrehungen pro Minute. Bei einem Betriebswechsel vom Turbinen- in den Pumpbetrieb erahnt man am Beben des Fundaments und dem Tosen der Wassermassen die mechanischen Kräfte, die in der Maschine wirken. Nach diesem beeindruckenden Erlebnis fuhren wir zurück nach Rickenbach. Der zweite Abend stand zur freien Verfügung. Alle Teilnehmer nutzten das schöne Wetter für eine Fahrt ins nahegelegene Bad Säckingen.

Am dritten Tag fuhren wir morgens nach Hägendorf in die Schweiz. Dort baut die Firma Marti eine Ersatzröhre für den Belchentunnel. Wir wurden von Frau Jäger empfangen, einer Bachelor-Absolventin des Studienganges Bauingenieurwesen unserer Hochschule. Ein Vortrag führte uns in die Technik des Tunnelvortriebs mit der Tunnelbohrmaschine der Firma Herrenknecht ein. Das Schneidrad des Bohrers hat einen Durchmesser von 14 m. Mit einer Leistung von 5000 kW fräst sich die Anlage durch den Gipskeuper und kleidet die Röhre anschließend mit Tübbingen aus. Jeden Tag arbeitet sich die Anlage 10 m in das Gestein des Belchens. Nach dem Vortrag fuhren wir in Kleinbussen in den Tunnel bis zur Bohrmaschine. Dort bot sich die Möglichkeit die Tunnelbohrmaschine zu begehen. Die Größe der Maschine und die Prozessorganisation der Baustelle sind beeindruckend. Nach diesem Erlebnis ging es mit unserem Bus weiter in Richtung Schwanau zu Herrenknecht, dem Hersteller der Tunnelbohrmaschine im Belchentunnel.

Die Firma Herrenknecht hat weltweit über 4800 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf den Bau von vertikalen Schachtbohrmaschinen, Rohr- und Kabelverlegemaschinen sowie kleinen und großen Tunnelbohrmaschinen. Letztere bohren den Tunnel, transportieren den Abraum mithilfe von Fördertechnik nach außen und sichern die Tunnelröhre durch vorgenannte Tübbing-Ringe. Dies alles geschieht synchron. Die Einsatzgebiete der Herrenknecht-Tunnelbohrmaschinen reichen von der Röhre für kleinere Pipelines bis hin zur Röhre für den Gotthardtunnel. Der derzeit größte Bohrkopf hat einen Durchmesser von 17,60 m. Die hochautomatisierten Anlagen kommen u.a. bei den Projekten „Stuttgart 21“ und „UStrab Karlsruhe“ zum Einsatz. Jede Anlage wird individuell auf die Erfordernisse des Kunden in vielen Arbeitsschritten gefertigt. Im Rundgang über das Werksgelände beeindruckten die Dimension der großen Maschinen sowie die Komplexität jeder Anlage.

Mit dem guten Gefühl von hochinnovativen Firmen umworben zu werden, traten wir die Heimfahrt nach Karlsruhe an und erreichten gegen 18.30 Uhr planmäßig unsere Hochschule.

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