Praxissemesterbericht von Patrick Stein

Studiengang: Elektrotechnik – Sensorik (Bachelor)

 

Wo haben Sie Ihr Praxissemester absolviert? 

Ich habe mein Praxissemester bei der Firma Testo AG absolviert, mit der ich darüber hinaus ein bachelorübergreifendes Hochschul-Trainee-Programm bestreite. Das Praxissemester bestand aus einem 3-monatigen Aufenthalt in der Tochtergesellschaft in Shenzhen, China und einer ebenso langen Zeit am Standort in Titisee im Hochschwarzwald. In der Zeit in China hatte ich Einblicke in viele Abteilungen: Entwicklung (Elektronik, Projektmanagement), Produktion, Qualitätssicherung. Während der Zeit in Titisee führte ich ein Projekt in der Sensorforschung durch.

 

Wie kam der Kontakt zum Unternehmen zustande?

Hochschul-Trainee-Programm während des gesamten Bachelors.



Woran haben Sie gearbeitet? Welche Aufgaben haben Sie übernommen? Was war Ihre Fragestellung? Welche Wissensbereiche kamen zum Einsatz?

China:

  • Verschlankerung einer Sensor-Produktionslinie durch die Zusammenlegung verschiedener Arbeitsschritte; Konzeptionierung einer neuen Produktions-Station zum Testen der Sensoren; Optimierung der benötigen Durchlaufzeit; Erforderlich waren Programmierkenntnisse in Visual Basic.
  • Erstellung eines bereichsübergreifenden Testmangement-Prozesses für die Entwicklung; viel Kommunikation mit beteiligten Führungspersonen; Kenntnisse im Testmanagement wurden erworben.

Titisee:

  • Qualifizierung eines Partikel-Sensors: Einrichtung eines Aufbaus für reproduzierbare und aussagekräftige Messungen; Datenauswertung in Matlab


Was war die spanneste, tollste Maschine, Gerätschaft, Software, Technik, Einrichtung mit der Sie in Berührung gekommen sind?

Die Sensorproduktion in China war wohl der spannendste Ort, den ich erlebt habe. Jeder Arbeitsschritt schien schon top geplant, strukturiert und optimiert zu sein und trotzdem gab es noch viele Punkte, wo man sich einbringen konnte, um die Effizienz und Qualität noch zu steigern.

Was hat Ihnen an Ihrer Arbeit dort Spaß/Freude bereitet? Warum sind Sie gerne hingegangen?

Freude hat mir bereitet, dass ich verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen durfte und dafür geschätzt wurde. Beispielsweise hatte ich in Shenzhen viel Kontakt mit Führungspersonal und musste an Abteilungsschnittstellen arbeiten, was viele Gespräche mit den beteiligten Personen erforderte.

Des Weiteren konnte ich bei allen Projekten eigene Ideen einbringen und mich so ein Stück weit selbst entfalten.

 

Wo lagen die Herausforderungen? Wo wurde es knifflig? Was hat für schlaflose Nächte gesorgt?

Besonders die Konzeptionierung der Produktionsstation stellte sich als knifflig heraus. Immer wieder musste getestet werden, ob es auch keine Fehler in der Software gibt und die Arbeitsschritte für das Produktionspersonal klar sind, damit eine zufriedenstellende Qualität und Ausbeute erzielt wird. Außerdem hätte ein Ausfall der Produktionslinie schließlich viel Geld gekostet.

 

Welches Erlebnis brachte Sie zum Staunen? Was hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Was Sie beeindruckt? Was gab es für Wow-Momente?

Auffällig war in China, dass die Firma im sozialen Leben der Menschen einen höheren Stellenwert besitzt als in Deutschland. Beispielsweise treffen sich Kollegen oft auch noch nach der Arbeit, um gemeinsam Sport zu machen. Wochenends finden regelmäßig gemeinsame Aktivitäten der gesamten Firma statt, wo teils sogar die ganze Familie der Beschäftigten anwesend ist.

Faszinierend bei Testo Shenzhen war die transparente Arbeitsweise im gesamten Unternehmen. In jeder Abteilung gab es Department und Project Boards, die den Fortschritt der Arbeit sowie die Zielsetzungen der zu bearbeitenden Arbeitsschritte dokumentierten. (siehe Bild)

 

Wo haben Sie gewohnt? Wie haben Sie die Unterkunft gefunden?

Gewohnt habe ich in China zusammen mit einem anderen deutschen Studenten in einer kleinen Wohnung direkt auf dem Firmenareal, die von Testo zur Verfügung gestellt wurde. Die Kosten dafür mussten allerdings selbst übernommen werden.

 

Wie war ihre Freizeitgestaltung während des Praxissemester? Haben Sie vielleicht eine neue Stadt/Land/Kultur/Sport kennengelernt? Was hat Sie daran fasziniert? Welche Kontakte konnten Sie knüpfen?

Da sich der Standort von Testo Shenzhen in einem äußeren Stadtbezirk befand (1,5 h per Bus und Metro bis ins Zentrum), konnte die Stadt selbst nur am Wochenende besucht werden. Allerdings gab dies die Möglichkeit, auch mit einfacherer Landbevölkerung in Kontakt zu kommen und in noch nicht modernisierten Regionen der Stadt herumzustöbern. Des Weiteren konnten diverse Sportmöglichkeiten genutzt werden, die auch zusammen mit Kollegen unternommen wurden (Badminton, Basketball).

Am Wochenende blieb schließlich viel Zeit zum Reisen und Kennenlernen anderer Landesteile: Hongkong, Shanghai, Guilin

Die herzliche Art der chinesischen Kollegen machte es leicht, freundschaftliche Verhältnisse aufzubauen und auch offen miteinander umzugehen. Erstaunlich war es, wie oft man von Kollegen zum Essen eingeladen wurde und wie selbstverständlich sie auch ihre Freizeit opferten, um mir einen angenehmen und erlebnisreichen Aufenthalt zu ermöglichen.

 

Was nehmen Sie aus dem Praxissemester für die Zukunft mit? Welche neuen Impulse gab es aus dem Praxissemester für Ihre weitere Karriere? Woran würden Sie gerne weiterarbeiten? Was würden Sie gerne vertiefen?

Durch das Praxissemester bin ich in jedem Fall offener dafür geworden, international zu arbeiten. Dies bezieht sich sowohl auf die Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen, aber auch auf direkte Auslandseinsätze.

Des Weiteren wurde mir klar, dass ich mich neben technischen Problemstellungen auch für Schnittstellen mit betriebswirtschaftlichen Themen begeistern kann, wie z. B. die Produktionsplanung oder die Konzeptionierung von abteilungsübergreifenden Arbeitsprozessen. Aufgrund dessen sehe ich es durchaus als Option, mich in diesem Bereich später fortzubilden oder auch schon den Master zu absolvieren.

 

Was könnten Sie anderen Studierenden für das Praxissemester empfehlen? Was würden Sie das nächste Mal anders machen?

Empfehlen kann ich in jedem Fall, das Praxissemester mit einem Auslandsaufenthalt zu verbinden. Für mich hat sich gezeigt, dass dies eine tolle Kombination bietet, um sowohl ausländische Arbeitsweisen kennenzulernen als auch ein neues Land zu erkunden. Des Weiteren knüpft man durch die Firma automatisch Kontakte zu einheimischen Leuten, wozu man als Tourist so oft gar nicht die Möglichkeit hat.

 

Kontakt:
E-Mail-Adresse: patrick.stein.93[ät]web.de

Praxissemsterbetreuer in der Hochschule Karlsruhe:
Prof. Dr. Harald Sehr
E-Mail: harald.sehr[ät]hs-karlsruhe.de

Praxissemesterbetreuer im Unternehmen:
Oliver Kaltenbrunner
E-Mail: okaltenbrunner[ät]testo.de

Fotos aus dem Praxissemester:

Fotos: Patrick Stein