13. November 2015

Da geht was …

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft erhält im Wettbewerb „Reallabor Stadt“ den Zuschlag für das Projekt „GO Karlsruhe!“

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer übergibt heute im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Förderbescheid über 1,17 Mio. Euro an Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel

Die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft erhält über den vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ausgelobten Wettbewerb „Reallabor Stadt“ den Zuschlag für ein Forschungsprojekt im Umfang von 1,17 Mio. Euro. Bei ihrem heutigen Besuch der Hochschule Karlsruhe überreicht Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, den offiziellen Förderbescheid des Landes persönlich an Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel.

Einwanderung und demografischer Wandel, klimaverträgliches Wohnen, neue Formen der Mobilität und die Digitalisierung des Alltags – viele gesellschaftliche Herausforderungen zeigen sich besonders in Städten. Das Wissenschaftsministerium stellt vor diesem Hintergrund über den Wettbewerb „Reallabor Stadt“ für sieben Forschungsprojekte, die zukunftsfähige Lösungen für Ballungsräume erproben, insgesamt rund 8 Mio. Euro für drei Jahre zur Verfügung. Die Projekte wurden aus 27 Anträgen auf der Grundlage der Begutachtung einer unabhängigen Expertenkommission ausgewählt. Bei den ausgewählten Vorhaben handelt es sich um sogenannte Reallabore, in denen Wissenschaftler zusammen mit Kommunen, der Wirtschaft und Bürgern Veränderungen in der Stadt anstoßen und wissenschaftlich untersuchen. Sie decken verschiedene Felder einer zukünftigen Stadtentwicklung ab. „Wir stärken damit das Zusammenspiel von Wissenschaft, Kommunen, Bürgern und Wirtschaft bei der Gestaltung lebenswerter Städte für die Zukunft“, so Ministerin Theresia Bauer.

„Im Mittelpunkt des an der Hochschule Karlsruhe geförderten Forschungsprojekts ‚GO Karlsruhe!‘ stehen Fußgänger, über die im Wegenetz der Stadt Karlsruhe Stellen und Bereiche für Verbesserungsmaßnahmen identifiziert und gemeinsam – Fußgänger, Stadt Karlsruhe, Hochschule Karlsruhe – Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden“, so Prof. Dr. Christoph Hupfer, Dekan der Fakultät für Fakultät für Informationsmanagement und Medien der Hochschule und Projektleiter von „GO Karlsruhe!“. Die Idee eines Reallabors ist es, gemeinsam Ideen für eine nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft, Gesellschaft, Infrastruktur etc. zu entwickeln und umzusetzen. Dabei werden Akteure aus Zivilgesellschaft, Kommunen oder Verbänden eingebunden, die sonst oft nicht an einem wissenschaftlichen Forschungsprozess teilhaben. Anschließend gilt es selbstverständlich im Sinne einer selbstkritischen Evaluation zu untersuchen, ob die gewünschten Verbesserungen erzielt wurden, welche Aspekte (noch) zu berücksichtigen sind und wie die Ideen auf andere Stellen und Bereiche übertragen werden können.

Besonders spannend wird es bei der Art der Beteiligung von Fußgängern. Bisher erfolgt die gemeinsame Planung von Bürgern, Ingenieurbüros und der Verwaltung zum Fußgängerverkehr ganz klassisch über Workshops und Informationsveranstaltungen in den Wohnquartieren. Ein Großteil der Fußwege erfolgt allerdings außerhalb des unmittelbaren Wohnumfelds. In der Innenstadt sind beispielsweise wesentlich mehr Personen zu Fuß unterwegs als dort wohnen. Viele Besucher – also Ortsunkundige – bewegen sich dort. Die klassische Bürgerbeteiligung weist daher Unzulänglichkeiten auf.

Das Reallabor „GO Karlsruhe!“ geht hier einen innovativen Weg: Aus der Bürgerbeteiligung in den Wohnquartieren wird die Nutzerbeteiligung vor Ort. Die Fußgänger werden an Gehwegen, Haltestellen, Kreuzungen, Ampeln und anderen Bereichen beteiligt: bei der Problemanalyse („Was läuft hier schief und warum?“), der Entwicklung von Maßnahmen („Was ist gewünscht und warum?“), bei der Entscheidung zur Umsetzung („Welche Varianten werden favorisiert und warum?“) sowie bei der Bewertung („Was halten die Bürger von der umgesetzten Maßnahme und warum?“). Die Beteiligung vor Ort erfolgt über digitale Medien im öffentlichen Raum wie interaktive Displays oder Smartphones. Dabei bieten Smartphones weitere Beteiligungsmöglichkeiten, die auf klassischen Wegen nicht möglich sind: „Gehe deinen Lieblingsweg und markiere, was dich daran stört. Zeige vor Ort mit dem Smartphone, was läuft und was nicht.“ Viele weitere Spielarten für Engagement sind möglich (Fachbegriff: „gamification“). Der Versuchsaufbau (schließlich ist es ein Labor) vergleicht die unterschiedlichen Formen der Beteiligung miteinander, unterschieden nach Maßnahmentypen sowie Art und Umfang der Bürger- bzw. Nutzerbeteiligung.

Neben der Kommunikation vor Ort mit Stelen und mobilen Geräten ist eine weitere Besonderheit die Einbindung der Fußgänger, die für das Projekt in besonderem Maß erreicht und interessiert werden sollen. In das Projekt „GO Karlsruhe!“ ist der lokale Radiosender „die neue welle“ als Medienpartner eingebunden. Die Informationen über das Projekt und die Maßnahmen, über das Wie und Warum können über „die neue welle“ den Karlsruhern und den Besuchern der Stadt vermittelt werden. Das ist eine Beteiligung in neuer Dimension.

„Unsere Stärke ist die große Nähe zu den Hörern und daher wissen wir, dass solche innovativen Vorhaben wie „Go Karlsruhe!“ die Menschen wirklich interessiert“, so Andrea-Alexa Kuszák, Geschäftsführerin der neuen welle. „Das Spannende daran ist die besondere Form der Einbindung der Bürger. Diese Mischung aus Online- und Offline-Welt praktizieren wir bei der „neuen welle“ ebenfalls seit einiger Zeit und das mit erfreulichem Erfolg."

„Dass der Zuschlag für ein Reallabor im Feld der Mobilität an die Hochschule Karlsruhe geht, ist auch das Ergebnis einer konsequenten Weiterentwicklung der Schwerpunkte Mobilität und Medien in Lehre und Forschung an unserer Hochschule“, betont Rektor Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, „und entspricht nicht zuletzt unserem strategischen Ziel, die angewandte Forschung an der Hochschule weiter auszubauen, wovon auch die Studierenden durch eine frühzeitige Einbindung in die Projekte profitieren können.“ Fachlich werden diese Schwerpunkte insbesondere durch die Professoren Dr. Jochen Eckart (Verkehrsökologie), Dr. Christian Holldorb (Infrastruktur/Verkehr), Dr. Christoph Hupfer (Verkehrssystemmanagement), Dr. Jan Riel (Verkehrsplanung und -technik), Dr. Thomas Schlegel (Öffentlicher Personenverkehr und ubiquitäre Systeme) und Dr. Markus Stöckner (Verkehrsanlagen) getragen. Das Reallabor erfolgt in enger Kooperation mit der Stadt Karlsruhe (Stadtplanung/Verkehrsplanung) und der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine e. V. Weitere Unterstützung für das Projekt kommt von der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung, Berlin, (SRL) sowie von Fuss e. V. (Fachverband Fußverkehr Deutschland, Berlin).

„Die Stadt Karlsruhe sieht in dem Reallabor ‚GO Karlsruhe!‘ große Chancen, die Förderung des Fußgängerverkehrs voranzutreiben“, freut sich auch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup über den Zuschlag. „Wir messen der Förderung des Fußgängerverkehrs eine besondere Bedeutung bei und sehen das Reallabor als Teil einer umfassenden Transformation der Stadt Karlsruhe in Richtung Nachhaltigkeit“, so Mentrup. Deshalb unterstützt die Stadt das Projekt. Eingebunden sind Stadtplanungsamt, Tiefbauamt sowie Ordnungs- und Bürgeramt. Außerdem stellt die Stadt bereits bestehende Beteiligungsstrukturen in aktuellen Sanierungsgebieten zur Verfügung.

Mit dem Reallabor „GO Karlsruhe!“ wird wird ein wichtiges Thema der städtischen Mobilität mit innovativen Ansätzen und hohem Potenzial in verschiedenen Laborkonstellationen, unter Einbindung der „Beplanten“ experimentell weiterentwickelt. Art und Umfang der Beteiligung zeigen eine neue Dimension, getragen durch eine breite, wissenschaftliche und anwendungsorientierte Forschung - und Experimentierfreude.

Also: „GO Karlsruhe!“