Hochschuldidaktischer Workshop für die Lehrenden der Hochschule Karlsruhe

Gute Fragen für Mathematik und mathematiknahe Fächer

Termin: Freitag, 27.11.2020, 10.00-17.00 Uhr
Raum: GHD, Daimlerstr. 5b, Raum 103

Prof. Dr. Peter Riegler
Ostfalia Hochschule, Fakultät Informatik

„Das ist eine gute Frage!“ Haben Sie schon einmal Ihre Antwort auf eine studentische Frage mit diesem Satz begonnen? Fragen sind seit jeher ein Kernelement der Lehre. Die Fragen Lehrender sind zentraler Bestandteil jeder Prüfung. In der Lehrveranstaltung werden Fragen zur Aktivierung der Studierenden eingesetzt – allerdings häufig ohne Erfolg. Antwortversuche auf Fragen unterbleiben oft gänzlich oder es antworten nur wenige und immer dieselben Studierenden. Auch Fragen Studierender sind in den meisten Lehrveranstaltungen wohl eher selten und dann häufig von der Art: „Kann so etwas in der Prüfung drankommen?“.

Diesen mageren Erfolgsaussichten von Fragen steht die erwiesene Wirksamkeit in vielen forschungsbasierten Lehrmethoden gegenüber, wo sie eine zentrale Rolle spielen, z.B. bei Peer Instruction, Thought Questions, Just in Time Teaching oder SCALE-UP. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Kategorie der sogenannten Konzeptfragen, die auf grundlegendes Verständnis zielen und deren Rolle und Wirksamkeit für den Lernerfolg gerade in Mathematik und mathematiknahen Fächern besonders gut untersucht ist.

In all diesen Formaten dienen Fragen nicht primär der Aktivierung Studierender (obwohl dies in diesen Formaten verlässlich erreicht wird). Vielmehr sind sie vorrangig dazu da herauszufinden, welche Aspekte des Stoffes den Studierenden Schwierigkeiten bereiten. Fragen werden also zur Diagnose eingesetzt und in manchen Formaten auch zur „Therapie“ der diagnostizierten Schwierigkeiten. Dabei ist es unerheblich, ob die Fragen von Lehrenden oder Studierenden formuliert werden, solange sie erlauben, Schwierigkeiten zu diagnostizieren. Neben dem erwiesenen Wert für das Lernen Studierender bieten solche Fragen auch einen Mehrwert für Lehrende: Sie helfen diesen zu sehen, was am Stoff des gelehrten Fachs schwierig ist. Als Expert*innen sind Lehrende diesbezüglich auf fast natürliche Weise blind, denn Expertise besteht ja genau darin, ohne großen Aufwand disziplinspezifisches Denken und Handeln praktizieren und Hürden umschiffen zu können.

In diesem Workshop lernen Sie Designprinzipien für solche „gute“ Fragen kennen, die das Lernen Studierender wirksam unterstützen, und Methoden, um solche Fragen in Ihren Lehralltag zu integrieren. Möglicherweise lernen Sie auch Aspekte Ihres Faches kennen, die für Studierende signifikante Hürden im Lernprozess darstellen, aber von Ihnen als Experte/in bisher nicht wahrgenommen wurden. Minimalziel ist, dass Sie den Workshop mit einigen guten Fragen für Ihre eigene Lehrveranstaltung verlassen.

Leitfragen

  • Was sind die tatsächlichen und kritischen Verständnisschwierigkeiten in meiner Lehrveranstaltung?
  • Welche Lehrmethoden erlauben, solche Schwierigkeiten der Studierenden verlässlich festzustellen und möglichst wirksam zu beseitigen?
  • Wie sehen wirksame Fragen aus? Wie findet man solche Fragen (durch Selbstreflexion oder anderswo)?
  • Welche Designprinzipien zum Formulieren solcher Fragen haben sich bewährt?
  • Wie können solche Fragen wirksam in die Lehre integriert werden?
  • Warum beantworten Studierende „gute Fragen“, obwohl sie sonst kaum lehrbezogene Fragen beantworten?

Prof. Dr. Peter Riegler, Studium der Physik und Tätigkeiten in der industriellen Forschung und Entwicklung in der Telekommunikation und Automatisierungstechnik. Seit 2002 lehrt er an der Fakultät Informatik der Ostfalia Hochschule und forscht im Bereich der Hochschulfachdidaktik der MINT-Disziplinen. Ars legendi-Preis 2019. Neueste Publikation: P. R. (2019): Peer Instruction in der Mathematik. Didaktische, organisatorische und technische Grundlagen praxisnah erläutert. Berlin, Heidelberg: Springer.


Wir bitten um Ihre Anmeldung bei:
Frau Hannah Volk (Projekt SKATING)
E-Mail: skating.ghdspam prevention@hs-karlsruhe.de

 

Das Projekt SKATING wird in Kooperation der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft mit der Geschäftsstelle der Studienkommission für Hochschuldidaktik (GHD) durchgeführt.

Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL16014 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.