Familien in gemeinschaftlichen Wohnformen (FageWo)

Ausgangslage

Gemeinschaftliche Wohnformen sind als Ausdruck der Bewältigung vielfältiger gesellschaftlicher Herausforderungen und der praktischen Suche nach experimentierfreudigen und innovativen Lösungen zu verstehen. Sie gewinnen an Bedeutung und umfassen mittlerweile ein weites Spektrum unterschiedlicher Ausprägungen. Gemeinsam ist diesen Wohnformen das Zusammenspiel von zumeist abgeschlossenen Wohnräumen mit Gemeinschaftsbereichen, wie auch eine weitreichende Selbstbeteiligung und Selbstorganisation des sozialen Miteinanders.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind soziale Netzwerke und beruhen auf gegenseitiger Unterstützung. Neuere gemeinschaftliche Wohnprojekte öffnen sich zum Quartier bzw. zum lokalen Nahraum. Sie oszillieren zwischen lernendem Pragmatismus und vielfältigen gesellschaftspolitischen Visionen. Gerade aufgrund der wohnortnahen Unterstützung ist diese Wohnform insbesondere für Familien und Senioren*innen attraktiv.

Fragestellung

Die Forschung befasst sich mit gemeinschaftlichen Wohnformen im urbanen und ländlichen Kontext für Familien und mehrere Generationen.

Folgende Forschungsthemen stehen im Fokus:

  • Bedarfe von Familien und Senioren*innen
  • Familiale Lebensformen und deren Veränderungen im Lebenslauf
  • Räumliche und soziale Umsetzungen
  • Chancen und Belastungen des gemeinschaftlichen Lebens
  • Unterstützungsleistungen innerhalb und außerhalb der Wohnprojekte

Zielsetzung

Ziel des Forschungsprojekts ist die Verschränkung von sozial- und raumwissenschaftlicher Perspektive, um Grundlagenwissen über die lebensweltlichen Bedingungen von Familien und Senior*innen in gemeinschaftlichen Wohnformen zu gewinnen. Es hat familienbiographische und familienstrukturelle Veränderungen im Blick. Ein öffentlich zugänglicher Praxisleitfaden mit handlungsrelevanten Schlussfolgerungen wird anschließend Interessenten aus gemeinschaftlichen Wohnprojekten, aus der Wohnbauwirtschaft, den Kommunen und Bundesländern sowie weiteren Akteuren im Themenfeld zur Verfügung gestellt.

Methoden

Im Forschungsprojekt werden unterschiedliche methodische Ansätze gewählt und verschränkt. Im raumwissenschaftlichen Teil stehen die Raum- und Grundrissanalysen von rund 10 Fallstudien im Zentrum. Der sozialwissenschaftliche Teil wendet einen Mixed-methods-Ansatz an. Über Experten*innen- und explorative Familieninterviews vor Ort wird das Themenfeld aufbereitet und in zwei Strängen verfolgt:

  1. Anhand von rund 7 Fallstudien werden die sozialen Zusammenhänge der Bewohner*innen untersucht. Dabei werden diese ebenso befragt wie Verantwortliche und Funktionsträger*innen. Leitfadeninterviews, teilnehmende Beobachtung, soziale Kartierungen und Dokumentenanalysen kommen zum Einsatz.
  2. Mithilfe einer standardisierten Online-Befragung von ca. 70 Projekten auf der Projekt- sowie der Haushaltsebene wollen wir das Wissen über gemeinschaftliche Wohnformen auf eine breitere Basis stellen.

Räumliche Forschung

Hochschule Karlsruhe

Gemeinschaft braucht Räume. Diese können feste Funktionszuschreibungen erfahren (z.B. als Gästezimmer) oder einen hybriden, anwendungsoffenen Charakter aufweisen. Neue Wohnprojekte bevorzugen nicht die Trennung, sondern den kontinuierlichen Übergang. Daher gewinnen das Erdgeschoss und die das Haus durchdringenden Erschließungszonen zunehmend an Bedeutung, da sie zwischen der privaten und der öffentlichen Sphäre vermitteln. Dieser Wandel steht auch für die Bedeutungsüberlagerung vom Haus zum Quartier. Die abgeschlossene Wohnung selbst sollte generationsoffen sein, also veränderte Raumanforderungen erfüllen, um den sich wandelnden lebenzyklischen Anforderungen gerecht zu werden. Guter Wohnraum für Familien ist dementsprechend auch für die ältere Generation geeignet.

Sozialwissenschaftliche Forschung

Deutsches Jugendinstitut

Familien brauchen „atmende Lebensräume“, die ihre biographischen Veränderungen mitvollziehen ebenso wie wohnortnahe und stabile soziale Unterstützungsnetzwerke, die Infrastrukturangebote ergänzen. Im Kontext gemeinschaftlicher Wohnformen können in besonderer Weise über Familie hinausreichende Netzwerke und generationenübergreifende, wahlverwandtschaftliche Beziehungen entstehen. Diese können die Alltagsgestaltung und die Bewältigung besonderer Herausforderungen erleichtern. Gleichzeitig bringen diese Lebensformen auch besondere Ansprüche und Belastungen mit sich. Größere Spielräume an Wohnraumflexibiliät in diesen Projekten unter gleichbleibenden Bedingungen kann Wohnkontinuität trotz familienbiographischer Veränderungen ermöglichen. Hier setzt das Forschungsprojekt an.

Kontakt

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft

Prof. Dr. Susanne Dürr (susanne.duerr@hs-karlsruhe.de, 0721/ 925-2782)

Dr. Gerd Kuhn (gerd.kuhn@hs-karlsruhe.de, 0721/ 925-2830)

Nanni Abraham M.A. (nanni.abraham@hs-karlsruhe.de, 0721/ 925-2830)

 

Deutsches Jugendinstitut I München

Dr. Martina Heitkötter (heitkoetter@dji.de,  089/ 62306-408)

Dr. Alexander Jungmann (jungmann@dji.de, 089/ 62306-540)

Dr. Shih-cheng Lien (lien@dji.de, 089/ 62306-389)

Wir freuen uns sehr, wenn Sie unser Forschungsprojekt unterstützen, Informationen bereitstellen oder einfach interessiert begleiten.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie unter: www.dji.de/fagewo

Das Projekt wird gefördert von:

Kontakt

Institut für Angewandte Forschung
Projektleiterin
Prof. Dipl.-Ing. Susanne Dürr

B-511
Moltkestr. 30, 76133 Karlsruhe
Tel. +49(0)721 925-2782
E-Mail susanne.duerrspam prevention@hs-karlsruhe.de

Anfahrtsplan
Lage- und Gebäudeplan