weiterlesen - Göbekli Tepe (Türkei)

„Vor 12 000 Jahren in Anatolien – Die ältesten Monumente der Menschheit“ war der Titel einer seit 2004 geplanten Ausstellung im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. Archäologe Klaus Schmidt von der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin hatten schon einige Jahre vorher die herausragende Bedeutung eines Fundplatzes auf einem Bergkuppe nahe der Stadt Urfa in Südostanatolien vermutet und mit Grabungen begonnen, die monumentale Stelen zu Tage brachten.
Eine Sensation, denn bislang waren noch nie derartige Werke von Menschenhand gefunden worden. Erste
Untersuchungen ergaben, dass die T-förmigen, in Kreisen angeordneten Pfeiler bis zu 12 000 Jahre alt sind (zum Vergleich: Die Steinkreise von Stonehenge sind höchstens halb so alt).

Das Badische Landesmuseum plante für das Jahr 2007 eine große Landesaustellung, in der die bedeutendsten steinzeitlichen Fundorte Anatoliens erstmals zusammenhängend gezeigt werden sollten. Darunter auch die monumentalen Stelen des Göbekli Tepe. Gerne wollte man diese mit Tierreliefs verzierten Werke präsentieren, sie müssen jedoch am Fundort verbleiben. Also war die Erstellung von Kopien gefragt. Bislang wurden Kopien von solchen Objekten im Kontaktverfahren z.B. durch Aufstreichen einer sich anschließend elastisch aushärtenden Silikonmasse hergestellt. Aus der Negativform läßt sich daraus z.B. mit Gipsguß wieder ein Positiv erstellen. Um die Oberfläche jedoch in keiner Weise zu beschädigen (die obersten Partikel bleiben immer am Silicon hängen) wurde nach einem kontaktlos arbeitenden Verfahren gesucht. Hierfür ist das 3D-Laserscanning mit einem Präzisionsscanner geeignet.
Eigentlich ist das Geräteequipment eher für kleine Bauteile gedacht und wird mehr für den Maschinenbau (z.B. zur Qualitätskontrolle) eingesetzt, versprach es jedoch auch größere Objekte erfassen und verarbeiten zu können. Dank der breit gefächerten Ausstattung unseres neuen Scanner-Labors und des vorhandenen Know-Hows konnte ein in der Replikenherstellung einmaliges Projekt in Angriff genommen werden.

Die vier in der Ausstellung gezeigten bis zu fast vier Meter hohen Stelen konnten im Verbund mit der
Museumswerkstatt und der Fa. Mühlbauer (Steinmetz mit 5-Achs Fräsmaschine für Objekte bis 5m Länge) im Rahmen einer Diplomarbeit (Theodoros Kesapidis und Christian Bühler) als geometrisch exakte 1:1 Kopien rechtzeitig zur Ausstellung fertiggestellt werden.

Die Arbeiten werden fortgesetzt und dienen nun zur „digitalen Konservierung“ der Fundstücke (weitere Projekt- und Diplomarbeiten: Birgit Seitz und Michael Strubel).

zusammen mit: Prof. Dr. Klaus Schmidt, Orient Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), Berlin und dem Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Ausstellung „Vor 12000 Jahren – die ältesten Monumente der Menschheit“

Projektleitung: Prof. Dr. Tilman Müller

Mitarbeiter: Andreas Rieger

Projektlaufzeit: Dauerprojekt (Projektstart: 2005 - Ende: offen)

Förderung:

Göbekli Tepe bei wikipedia.de
Sonderausstellung im Badisches Landesmuseum Karlsruhe