BMBF-Verbundprojekt: Teilhabe Digital: Individuelle soziotechnische Arrangements für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit kognitiven Funktionsbeeinträchtigungen (InstAgT)

Ausgangslage

Die Digitalisierung bringt in zunehmendem Maße technische Lösungen hervor, die durch Nutzer*innen selbst individuell angepasst, kombiniert und verändert werden können. Beispiele hierfür sind Smartphones und Tablet-Computer sowie deren Individualisierung durch Apps, sprachgesteuerte digitale Assistenzsysteme wie Alexa oder Siri, oder auch digital vernetzte Objekte im Internet der Dinge. Dieser Trend eröffnet vielfältige neue Nutzungsmöglichkeiten, die teilweise weit über die ursprünglich vorgesehene Verwendung hinausgehen. Im Vergleich zu speziell für Menschen mit Behinderungen entwickelten Hilfsmitteln (z.B. Talker, Umfeldsteuerungen) sind Lösungen für die Allgemeinheit meist viel günstiger und Innovationen deutlich schneller am Markt verfügbar. Sie ermöglichen so eine Unterstützung der Teilhabe in Bereichen, die von spezialisierten Hilfsmitteln nicht abgedeckt werden. Häufig entsteht ein Mehrwert in der Praxis aber erst dann, wenn verschiedene technische Systeme aus dem sog. Consumer-Bereich über unterstützende Dienste individuell je nach Beeinträchtigung und Teilhabeziel angepasst werden. Während dies in der Vergangenheit meist ohne erhebliche Technik-Kompetenzen (z.B. Programmierkenntnisse) nicht möglich war, bieten verschiedene Angebote heute die Möglichkeit, digitale Systeme anzupassen und zu kombinieren. Ein Beispiel hierfür ist das Onlineportal IFTTT („If This Then That”), mit dem verschiedenste Geräte und Onlinedienste verknüpft werden können.
Entsprechende Konfigurationen für Menschen mit Behinderung können zwar heute schon teilweise, unter erheblichem Aufwand (individuelle Auswahl- und Anpassungsprozesse, sowie entsprechende Kompetenzen und Ressourcen bei Betroffenen, Angehörigen oder professionellen Betreuer*innen sind nötig) genutzt werden, um Teilhabeeinschränkungen zu überwinden, jedoch werden  in der Praxis die Potentiale neuer digitaler Technologien zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bisher bei weitem nicht ausgeschöpft. Hierfür gibt es vielfältige Gründe, wie z.B. Informationsdefizite bezüglich technischer Unterstützungsmöglichkeiten, mangelnde individuelle Anpassbarkeit von Technik, Inkompatibilität zwischen verschiedenen Angeboten, unzureichende Kompetenzen im Technikeinsatz, oder auch fehlende Ressourcen zur Begleitung des Technikeinsatzes in der Praxis.
 

Ziele

Ziel des Forschungsprojektes TeilhabeDigital ist es, Strategien zur effizienten Nutzung von Consumer-Technik zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Behindertenhilfe zu entwickeln und umzusetzen. Dies soll in Anlehnung an partizipative Ansätze vollzogen werden.
Während Forschung und Entwicklung etwa in der Medizin- oder Rehabilitationstechnik bisher überwiegend auf spezielle Hilfsmittel ausgerichtet war, zielt das Projekt TeilhabeDigital auf neue kostengünstige, praktisch-organisatorische Lösungen und geeignete Unterstützungsangebote, um Potentiale technischer Systeme zur Förderung der Teilhabe in Einrichtungen der Behindertenhilfe nachhaltig zu entfalten.

Methodik

Durch den Ansatz dieses Projekts, gemeinsam mit Menschen mit kognitiven Funktionsbeeinträchtigungen und den regional tätigen Praxispartner*innen Teilhabebarrieren zu identifizieren und passende Lösungsansätze für den Einsatz von Zukunftstechnologien und digitalen Medien zu ermitteln, werden neue Erkenntnisse über die Partizipationswünsche der Zielgruppe erarbeitet. In Anknüpfung an durch Fokusgruppeninterviews mit Menschen mit kognitiven Funktionsbeeinträchtigungen ermittelten Erfahrungen und Vorstellungen realisiert und erprobt das Projekt technische Arrangements im Verbund mit Unterstützungsangeboten und leitet daraus Handlungsempfehlungen und Praxisleitfäden ab, die von anderen Akteur*innen weiterverwendet werden können. In deren Erarbeitung werden Praxispartner*innen so einbezogen, dass die Praxistauglichkeit dieser Materialien sichergestellt wird. Hierzu bedarf es der Erprobung durch die Zielgruppe (Nutzer*innen). Die Materialien sollen als Module auf einem interaktiven Portal zur Verfügung gestellt werden. Ergänzend soll eine Onlineplattform bereitgestellt werden, in dem sich von kognitiven Funktionsbeeinträchtigungen betroffene Menschen, Professionelle in der Behindertenhilfe und technische Akteure z.B. aus der Maker-Community vernetzen und so auch über das Projekt hinaus zur stetigen Entwicklung kostengünstiger und alltagstauglicher Lösungen beitragen können.

Projektpartner

Für die Realisierung des Projekts haben sich das Institut für Angewandte Forschung der Katholischen Hochschule Freiburg (Projektleitung Prof. Dr. Gregor Renner, Prof. Dr. Florian Kiuppis), das Institut Mensch, Technik, Teilhabe der Hochschule Furtwangen (Prof. Dr. Christophe Kunze) sowie die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (Prof. Dr. Matthias Wölfel) mit dem Caritas Bundesverband Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP), dem Caritasverband Freiburg-Stadt e. V., der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach e. V. sowie dem Sankt-Josefshaus Herten gGmbH zu einem Verbund zusammengeschlossen.

Das Projekt wird gefördert von

„InstAgT“ wird über das Programm „FH-Sozial – Förderung von Forschung an Fachhochschulen zur Verbesserung der Lebensqualität in Stadt und Land durch soziale Innovationen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bis Ende Juli 2023 mit über einer Million Euro gefördert.

Kontakt Hochschule Karlsruhe

Projektleiter:
Prof. Dr.-Ing. Matthias Wölfel
Tel. +49(0)721 925-1491
E-Mail matthias.woelfelspam prevention@hs-karlsruhe.de

Akademische Mitarbeiterin:
Meldinda Braun, M.A.
Tel.(0721) 925-1567
E-Mail : melinda.braunspam prevention@hs-karlsruhe.de