Mechatronik Kolloquium – Industrie und Wissenschaft

Industrie 4.0 – von der Entwicklung bis zum Service

Das Konzept „Industrie 4.0“ geht auf eine Initiative des Bundeministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zurück, mit der das Ministerium anerkennt, dass die sogenannte vierte industrielle Revolution die Wirtschaft vor komplett neue Herausforderungen stellt. Durch entsprechende Förderung soll es der deutschen Industrie ermöglicht werden, die fortschreitende Digitalisierung und stärkere Einbindung des Kunden in den Wertschöpfungsprozess umzusetzen, ohne dass sich Produktionskosten oder Lieferzeiten erhöhen.

Die Fakultät Maschinenbau und Mechatronik an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, nimmt dies zum Anlass einer neuen Vortragsreihe, dem Mechatronik Kolloquium. Dessen Ziel ist es zu zeigen, welche Rolle die Mechatronik in dieser Entwicklung spielt und wie dadurch das Studium der Mechatronik aufgewertet wird. Bereits zum zweiten Mal trafen sich am 02. November 2016 Studierende und Mitarbeiter der Hochschule, Herr Volker Schiek vom Landesnetzwerk Mechatronik BW sowie Mitglieder des VDI sowie Vertreter aus der Industrie. Unter dem Themenschwerpunkt „Mechatronik in der Produktionsplanung“ wurde gezeigt, wie die Fabrik der Zukunft bereits in der Planungsphase optimiert werden kann.

Bernhard Seiler und Florian Günkel von der LuK GmbH & Co. KG (Schaeffler Gruppe) veranschaulichten anhand eines Beispiels aus Puebla, Mexiko, den „Einsatz der Digitalen Fabrik bei der Produktionsplanung von Antriebsstrang-Komponenten für die „Mobilität von morgen““. Schaefflers Systemkompetenz basiert auf einem breiten Produktportfolio, das Präzisionskomponenten und Systeme in den Bereichen Motor, Getriebe und Fahrwerk sowie der Elektromobilität umfasst. Gestiegene Ansprüche des Kunden, der eine größere Produktvielfalt und direkten Einfluss auf den Wertschöpfungsprozess erwartet, resultieren in kürzeren Produktlebenszyklen. Dadurch steigt der Druck auf die Wirtschaftlichkeit der Produktion. Um bereits in der Planung eines neuen Fertigungsprozesses Zeit und Kosten zu sparen, kommen digitale Planungs- und Simulationstools zum Einsatz, die sogenannte „Digitale Fabrik“. Diese Programme sind in der Lage einen Produktionszyklus komplett durchspielen und Planungen und Optimierungen bereits im Vorfeld zu bewerten und ideal auslegen zu können.

Dr. Frank Schönung von der SEW Eurodrive GmbH & Co. KG griff in seinem Vortrag „Smart factory - Wieviel Planung braucht die Fabrik der Zukunft“ die in der aktuellen Diskussion allgegenwärtige Besorgnis auf, dass die Digitalisierung und voranschreitende Vernetzung intelligenter Systeme und Roboter den Mensch am Arbeitsplatz ersetzen könnte. Dies ist ein Thema, das seit vielen Jahrzehnten mit jedem neuen Schritt in Richtung Automatisierung wiederkehrt. SEW Eurodrive wählt hier ganz bewusst einen Weg, in dem die Fähigkeiten des Menschen zur Problemlösung genutzt werden. Der Arbeiter kann in seinem Bereich des Fertigungsprozesses seinen Arbeitsrhythmus und die Arbeitsprozesse anpassen und optimieren. Unterstützt wird er hierbei von einer Reihe von „Assistenten“, die in Logistik und Montage einsetzbar sind und die in der Schaufensterfabrik Graben-Neudorf bereits unter realen Bedingungen getestet werden. Ziel der „smart factory“ ist es, durch die intelligente Kombination von Mensch und Technik die Kompetenz der Mitarbeiter optimal zu nutzen sowie ein störungsfreies Produktionssystem zu realisieren, das flexibel auf individuelle Vorgaben des Kunden eingehen kann.