Studierende der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft entwickeln Prototyp zur Diagnose der Neglect-Erkrankung - einer Schädigung des Gehirns z.B. infolge eines Schlaganfalls

Der Schlaganfall ist mittlerweile die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Ca. 60-70 % der Überlebenden bleiben langfristig behindert oder pflegebedürftig. Störungen des Körperempfindens zählen zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls. Insbesondere Patienten mit Schädigung der rechten Gehirnhälfte leiden oft unter einer Vernachlässigung ihrer linken Körperhälfte. Dies äußert sich darin, dass sie Berührungen, auch schmerzhafter Art, auf der vernachlässigten Seite nicht beachten oder sie nicht genau „wissen“, wo sich ihr gelähmter Arm befindet.

Ein Team um die Diplom-Psychologin Lena Schmidt vom Lehrstuhl Klinische Neuropsychologie der Universität des Saarlandes (Leitung Prof. Georg Kerkhoff) hat zusammen mit einem studentischen Team der Fakultät Maschinenbau und Mechatronik der Hochschule Karlsruhe neue Möglichkeiten zur Diagnostik und Therapie der genannten Störungen entwickelt und erprobt.

Die Stimulation des Gleichgewichtssystems hinter den Ohren mittels schwacher elektrischer Ströme, auch Galvanisch-Vestibuläre Stimulation (GVS) genannt, wurde dabei zur therapeutischen Behandlung des gestörten Armpositionssinns erfolgreich eingesetzt.

Die Mechatronik-Studierenden entwickelten im sechsten Semester ihres Bachelorstudiums für diese Behandlung einen Prototyp für die Armpositionierung in horizontaler Ebene, um die Therapieerfolge quantitativ messen zu können.

Das entwickelte Gerät besteht aus einer mechanischen Positioniereinheit für den Patientenarm, welcher auf einer Schiene fixiert wird, um einen definierten Weg zu beschreiben. Für die Auswertung dient eine Einheit, die Messwerte speichert und ausgibt; wodurch die Erkrankung quantitativ diagnostiziert bzw. die Schwere der Erkrankung gemessen werden kann.

„Diese - bereits zweite - Projektarbeit an der interdisziplinären Anwendung in der Medizintechnik zeigt wieder einmal die Fähigkeit unserer Mechatronik-Studierenden Geräte und Systeme vollständig zu realisieren.“ erklärte Prof. Dr.-Ing. Frank Artinger, Prodekan der Fakultät für Maschinenbau und Mechatronik und betreuender Professor bei diesem Projekt. „Die erfolgreiche Kooperation der Hochschule Karlsruhe mit der Universität Saarbrücken wird um eine wichtige Anwendung erweitert, die auch tatsächlich am Patienten eingesetzt wird.“