Projektstart und Kooperation mit griechischer Hochschule

Internationale Lehrveranstaltungen zu Existenzgründungen und Unternehmensstrategien in Karlsruhe und Kozani, Griechenland

Erfolgreiche erste „face-to-face week“ in Kozani, Griechenland / Studierende arbeiten an Geschäftsideen und treffen Managemententscheidungen / Interkultureller Austausch und Soft Skills werden gefördert

„Die Vorträge waren sehr informativ. Wir erhielten einen guten Einblick in die strategische Planung von Unternehmen und wie ein Start-up aussehen kann. Außerdem war es toll, etwas von der griechischen Kultur mitzubekommen.“ – so das Feedback einer Studierenden nach der ersten „face-to-face week“ in Griechenland. Zwölf Studierende der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften reisten vom 25.-29. September 2017 an die Western Macedonia University of Applied Sciences in Kozani. Bei der „face-to-face week“ lernten sich die griechischen und deutschen Studierenden erstmals persönlich kennen – Unterrichtssprache ist dabei Englisch. Begleitet wurden die Studierenden von Prof. Dr. Manfred Schorb, Prof. Dr. Hendrik Rust und Prof. Dr. Marion Murzin, dem Leiter des Akademischen Auslandamts (AAA) Dr. Joachim Lembach, sowie der wissenschaftlichen Hilfskraft Alexandra Regenbogen. Der Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Prof. Dr. Michael Schopen nahm an den Projektaktivitäten der ersten beiden Tage teil.

Von griechischer Seite nahmen ebenfalls 12 Studierende der Betriebswirtschaft und der Ingenieurwissenschaften teil, unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Vassilis Kikis, Prof. Dipl.-Ing. Georg Mattheopulos und Dr. Elpida Samara. Verstärkt wurde das deutsch-griechische Team durch den finnischen Kollegen Prof. Lassi Tissari von der Laurea University of Applied Sciences, mit dem Prof. Schorb seit Jahren erfolgreich das Planspiel „International Business Strategy“ mit deutsch-finnischen Studierendengruppen durchführt.

Die Kooperation mit Griechenland entstand im Rahmen des Projektes „Karlsruhe – Kozani: Existenzgründungen und Unternehmensstrategien“. Kern des Projekts ist die Entwicklung und Durchführung zweier Lehrveranstaltungen – „Start-up Management" (SUM) und „International Business Strategy“ (IBS) – für gemischt deutsch-griechische Studierendengruppen. Die beiden Lehrveranstaltungen wurden mit der gemeinsamen „face-to-face week“ in Griechenland eröffnet. Im darauffolgenden Semester arbeiten die jeweils international zusammengesetzten Teams mithilfe virtueller Kommunikation an ihren Projekten, bevor sie in einer zweiten, abschließenden Präsenzphase in Deutschland ihre Ergebnisse präsentieren.

Das gemeinsame Vormittagsprogramm der „face-to-face week“ bestand aus Gastvorträgen, etwa zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage oder zur Förderung von Start-ups in der Region Westmakedonien, sowie aus Lernimpulsen der beteiligten Professoren zu Themen wie „Creating a Business Plan“, „Successful and failed start-ups“, „Strategic Approaches“ oder „Cash Management“, die für die Teilnehmer beider Lehrveranstaltungen gleichermaßen relevant waren.

Die Nachmittage waren im Wesentlichen der Gruppenarbeit vorbehalten. Für die Lehrveranstaltung „Start-up Management“ hatten sich die studentischen Teilnehmer an ihrer jeweiligen Hochschule mit einer innovativen, auf eigener Recherche beruhenden Geschäftsidee beworben. Nach einer Einführungsphase bildeten sich drei griechisch-deutsche Projektgruppen, die sich schließlich auf jeweils eine Geschäftsidee einigten, wobei die Anwendbarkeit der Idee auf dem griechischen Markt ein entscheidender Faktor war. Der Auswahlprozess wurde von den anwesenden Professoren begleitet und moderiert. Schließlich begannen die Projektgruppen mit der Arbeit an ihrer Geschäftsidee, die sie in einem Abschiedsplenum am letzten Tag der Projektwoche präsentierten.

Bei der Lehrveranstaltung „International Business Strategy“ galt es, im Rahmen eines Web-basierten Planspiels wiederum in gemischten deutsch-griechischen Teams grundlegende Managemententscheidungen eines global agierenden Unternehmens zu treffen, die alle bedeutenden Unternehmensbereiche wie Marketing/Vertrieb, Forschung und Entwicklung, Produktion, Logistik und Finanzen betreffen. Die Teilnehmer erhielten dadurch wertvolle Einblicke in die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens und lernten gleichzeitig, wie ein Unternehmen strategieorientiert gesteuert wird bzw. wie man ein neues Unternehmen aufbaut. Im Abschiedsplenum präsentierten die IBS-Teilnehmer die Entscheidungsprozesse innerhalb ihres jeweiligen (internationalen) Teams, wobei sich die einzelnen Teams auf jeweils ausgewählte Entscheidungsfelder fokussierten, um dem Auditorium einen Gesamtüberblick über die Vielzahl der zu treffenden Entscheidungen zu vermitteln.

„Wir waren beeindruckt, wie gut die studentischen Teams angesichts der Unterschiede bezüglich ihrer fachlichen Voraussetzungen, organisatorischen Rahmenbedingungen und Lebensgewohnheiten zusammenarbeiteten und wir freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit den griechischen Kollegen und Studierenden“, so Prof. Dr. Manfred Schorb, der das Unternehmensplanspiel von deutscher Seite maßgeblich betreute.

Zum Rahmenprogramm der Projektwoche gehörten ein „Welcome Dinner“ in einem traditionellen griechischen Restaurant in Kozani und ein Halbtagesausflug zu den zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Metéora-Klöstern. An den Abenden, an denen sie nicht mit Hausaufgaben für den nächsten Tag beschäftigt waren, führten die griechischen Studierenden ihre deutschen Kommilitonen in das studentische (Nacht-)Leben von Kozani ein, das von der aktuellen wirtschaftlichen Krise in der Region nur wenig erahnen ließ. „Durch die gemeinsamen Abendessen entstand schnell ein Gruppengefühl in der griechisch-deutschen Gruppe. Der Zusammenhalt hat uns in den Projekten sehr geholfen“, so ein Studierender.

Die Arbeit der deutsch-griechischen Teams wird im Laufe der kommenden Wochen mithilfe virtueller Kommunikation fortgesetzt. In einer zweiten Präsenzphase in Karlsruhe, die für Mitte Dezember geplant ist, werden die Teams ihre Arbeit zu Ende bringen und ihre Ergebnisse und Erfahrungen zunächst ihren Professoren und schließlich in großer Runde präsentieren, zu der auch Vertreter der deutschen und der griechischen Wirtschaft gehören werden.

Das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren (2017–2019) wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des Programms „Hochschulpartnerschaften mit Griechenland“ mit 76.000 EUR gefördert. Der Antrag wurde gemeinsam vom AAA (Dr. Joachim Lembach) und der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (Prof. Dr. Manfred Schorb) gestellt. Griechischer Partner ist die Western Macedonia University of Applied Sciences in Kozani, Hauptstadt (ca. 70.000 Einwohner) der nordgriechischen Region Westmakedonien.

Das Projekt festigt und verstetigt die seit 2016 bestehende Erasmus-Partnerschaft zwischen den beiden Hochschulen. Die Etablierung innovativer Lehrformate mit ausgeprägtem Praxisbezug soll zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lehrbedingungen in Griechenland beitragen und mit ihrer Förderung der länderübergreifenden Projektzusammenarbeit einen Beitrag zur weiteren Internationalisierung der beiden Hochschulen leisten.

Autoren: Prof. Dr. Manfred Schorb, Dr. Joachim Lembach, Sarah Dehm