Kooperation mit Seniorenzentrum der AWO Karlsruhe

Studierende der Hochschule Karlsruhe entwickeln Assistenzsysteme für Senioren

 

19. Dezember 2018

Die Fakultät für Elektro- und Informationstechnik bietet seit dem Sommersemester 2017 das sogenannte Service Learning an. Studierende können hierbei das in den Vorlesungen und Seminaren Erlernte in konkreten Fragestellungen für soziale Zwecke praktisch umsetzen.

Im vergangenen und aktuellen Semester entwickelten sieben Studierende des Bachelorstudiengangs Elektro- und Informationstechnik altersgerechte Assistenzsysteme für die Bewohner eines Karlsruher Seniorenheims. Dieses Kooperationsprojekt mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) wird der in diesem Markt steigenden Nachfrage nach technischen und intelligenten Assistenzsystemen gerecht. Damit soll der Wunsch bedürftiger Senioren nach einem möglichst selbstbestimmten Alltag erfüllt werden. „Die Anzahl Pflegebedürftiger in Deutschland steigt“, so Projektleiter und Prodekan Prof. Dr. Manfred Strohrmann aus der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der Hochschule. „Sind es derzeit noch etwa drei Millionen Menschen, die pflegebedürftig sind, werden es laut Statistischem Bundesamt bis 2050 4,5 Millionen sein. Diesen Zahlen steht ein Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal gegenüber.“

Zur Unterstützung der Senioren sowie des Pflegepersonals sind Handlungsalternativen notwendig. Oft ist bei bedürftigen Menschen der Bewegungsapparat eingeschränkt und/oder ihre Sehfähigkeit beeinträchtigt. Sie sind dadurch einer erhöhten Sturzgefahr und somit einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt.

Studierende der Hochschule Karlsruhe haben sich in Kooperation mit dem Karlsruher Seniorenzentrum Stephanienstift der AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH in den Service-Learning-Projekten einigen wichtigen Themen angenommen: Heimbewohner scheuen sich davor, beim nächtlichen Aufstehen Licht anzumachen, auch um eventuelle Zimmernachbarn nicht zu stören. Um das Stürzen in der Dunkelheit zu vermeiden, haben die Studierenden eine sensorgesteuerte Bettbeleuchtung entwickelt. Sie ist so konzipiert, dass über Drucksensoren unter der Matratze sowie einen Bewegungssensor am Bettgestellt erfasst wird, wenn ein Senior aufstehen möchte. Dadurch wird eine LED-Schiene zur Bodenbeleuchtung aktiviert.

In einer weiteren Projektarbeit konnten Studierende einen Nachttisch entwerfen, dessen Tischplatte sich mittels Fernbedienung elektrisch aus- und einschwenken lässt. Somit kann sich bettlägerige oder stärker bewegungseingeschränkte Person ohne Kraftaufwand selbst helfen und das Servierbrett zur Seite bewegen.

Als dritte Unterstützungsmöglichkeit entwickelten die Studierenden ein „RFID System“, das einen Rollstuhlfahrer erkennt und hör- und sichtbar warnt, wenn er sich einer Treppe nähert. Derzeit werden Kooperationspartner für Herstellung und Vertrieb gesucht, damit mit den Erfindungen noch mehr Menschen geholfen werden kann.

„Durch die Entwicklung dieser Systeme konnten die Studierenden fachliches Wissen in ein soziales Projekt einbringen und die Lebensqualität Pflegebedürftiger erhöhen“, betont Prof. Dr. Manfred Strohrmann. „Die Entwicklung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Seniorenheim, sodass sowohl die Bedürfnisse der Heimbewohner als auch die Anforderungen des Pflegepersonals in die Konzeption miteinfließen konnten.“ Die Vorstellung und Abschlusspräsentation der Projekte fand im Seniorenheim mit Heimbewohnern, Pflegepersonal, Studierenden und Professoren statt.

„Mit einem Ausbau von Service Learning wird die Hochschule Karlsruhe nicht nur den Ansprüchen guter Lehre gerecht“, so Prof. Dr. Manfred Strohrmann weiter. „Die Studierenden werden sich auch ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusster.“ Bisher waren die Service-Learning-Projekte auf die Fakultät für Elektro- und Informationstechnik beschränkt. Zur Entwicklung noch komplexerer Projekte wird die Zusammenarbeit mit weiteren Fakultäten angestrebt. Dabei soll weiterhin ein Schwerpunkt auf der Entwicklung von Assistenzsystemen für Menschen mit Handicap liegen.