Firmengründung mit Produkt zur Reduzierung des Infektionsrisikos

Maschinenbaustudent der Hochschule Karlsruhe entwickelt Türklinkenaufsatz, mit dem sich Türen einfacher mit dem Ellbogen öffnen lassen

8. Juni 2020

Fabian Fleischer studiert im 6. Semester Maschinenbau an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft. Im Februar wurde die Dimension und steigende Bedeutung des Coronavirus jeden Tag deutlicher und schon im Folgemonat kam es auch in Deutschland zum „Shut down“. „Für uns bedeutete das die Umstellung auf ein Studium im Homeoffice und durch die Kontakteinschränkungen im öffentlichen wie auch im privaten Leben“, so der 24-jährige Bachelorstudent, „hatte ich viel Zeit, über die Probleme im Umgang mit der Pandemie nachzudenken, aber auch über die Möglichkeiten, was sich vielleicht mit eigenen Mitteln dagegen unternehmen lässt.“ Und dabei hatte Fabian Fleischer eine zündende Idee.

Das neuartige Coronavirus SARS CoV-2 verbreitet sich wie alle Tröpfcheninfektionen auch per Schmierinfektion über Hände und Oberflächen, die häufig angefasst werden. Laut Bundesministerium für Gesundheit schätzen Experten bisher, dass das Virus bis zu vier Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu zwei oder drei Tage auf Edelstahl und Plastik ansteckend bleibt. Türklinken können damit zum Verbreitungspunkt für die Viren werden.

Was ließe sich also außer ständiger Desinfektion noch unternehmen, um an den in stark frequentierten Bereichen quasi allgegenwärtigen Türklinken das Infektionsrisiko deutlich zu reduzieren? Mit dieser Frage beschäftigte sich Fabian Fleischer und konstruierte einen Klinkenaufsatz, mit dem sich Türen ohne Berührung durch die Handfläche sehr einfach mit dem Ellbogen öffnen lassen.

Er bestellte sich einen 3D-Drucker und produzierte in seinem Zimmer in einer Studierenden-WG die ersten Prototypen neben seinem Bett. Die Ergebnisse waren vielversprechend, „doch die Produktionszeit von einem Aufsatz von mehr als drei Stunden machten schnell deutlich“, berichtet Fabian Fleischer, „dass dieses Verfahren zur Massenproduktion nicht geeignet ist.“ Also suchte der Maschinenbaustudent, der auch ausgebildeter Maschinenanlagenführer und Industriemechaniker ist, nach anderen Möglichkeiten. Er stellte seinem Cousin, Inhaber eines eigenen Maschinebaubetriebs, seine Idee vor, der ihm daraufhin den Zugang zu seinen eigenen Produktionsmaschinen ermöglichte. Hier ließen sich dann letztendlich vier Edelstahl-Klinkenaufsätze pro Minute herstellen.

In acht Wochen hat der Maschinenbaustudent nun knapp 8 000 € aus eigenen Mitteln in sein Unternehmen investiert. „Besonders dankbar bin ich in dieser Zeit auch für die Unterstützung von Prof. Dr. Bernd Langer an der Fakultät für Maschinenbau und Mechatronik mit zahlreichen Tipps, nicht nur zur Produktsicherheit und -haftung, sondern auch in Feldern, die ich anfänglich nicht so ‚auf dem Schirm hatte‘, wie dem Datenschutz und einer entsprechenden Erklärung auf der eigenen Webseite – er hat mich so vor einigen Fallstricken bewahrt.“

„Geradezu prototypisch ist dieses Projekt ein Beispiel für ein zentrales Vermittlungsziel unserer Hochschulausbildung“, so Rektor Prof. Dr. Frank Artinger, „indem sich Studierende mit aktuellen Problemen befassen und praxisorientierte Lösungen entwickeln. Wir sind von der Idee und dem Produkt so überzeugt, dass wir es auch an unserer Hochschule zum Wohle aller Hochschulangehörigen und unserer Gäste einsetzen werden.“

Und der Anfang tut sich ganz gut an, denn neben der Hochschule haben auch schon Gastronomiebetriebe, Einzelhandel, eine Fitnesskette und auch ein medizintechnisches Unternehmen mehrere Wochenproduktionen von 50 Türaufsätzen geordert. Und ein Flughafen ist bereits mit Fabian Fleischer im Gespräch – es gibt also schon einige Interessenten. Aktuell lassen sich die Türklinkenaufsätze auf der Website des jungen Unternehmens (https://www.docdoor.de/) in verschiedenen Varianten für knapp mehr als 10 € online bestellen.

Und zu seinen weiteren Zukunftsplänen gefragt, antwortet der junge Unternehmer: „Gerne würde ich auch maschinenbautechnische Dienstleistungen für andere anbieten, um ihnen dabei zu helfen, gute Ideen in die Praxis umzusetzen". Nahziel ist auch mit dem eigenen Unternehmen so viel zu verdienen, „dass ich mein Masterstudium an der Hochschule Karlsruhe finanzieren kann – ob im Maschinenbau oder in einer Wirtschaftsdisziplin steht dabei für mich noch nicht fest.“