578,2 km mit nur einem Liter Benzin

Studentisches Team der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft bei weltweit größtem Energieeffizienzwettbewerb in London

20. Juli 2018

Vom 5. bis 8. Juli 2018 fand im Queen Elizabeth Olympic Park in London der diesjährige Shell Eco-marathon statt, der weltweit größte Energieeffizienzwettbewerb. Er wird jedes Jahr in Europa, Singapur und in Detroit ausgetragen. Wettbewerbsaufgabe ist die Entwicklung und Konstruktion eines Fahrzeugs, das mit einem Liter Kraftstoff die größtmögliche Entfernung zurücklegt. Gestartet wird in zwei Kategorien, den „Prototypen“ mit nur wenigen konstruktiven Vorgaben und den „Urban-Concept“-Fahrzeugen, die für den öffentlichen Straßenverkehr geeignet sind. Für den Antrieb der Fahrzeuge sind sowohl konventionelle Kraftstoffe als auch alternative Energiequellen zugelassen.

Für den aktuellen Wettbewerb haben sich 166 Teams aus 24 Ländern Europas und Afrikas qualifiziert. Für die Hochschule Karlsruhe war das Team „High Efficiency Karlsruhe“ mit Studierenden aus den Bachelor- und Masterstudiengängen Maschinenbau, Effiziente Mobilität in der Fahrzeugtechnologie und Mechatronik in der Kategorie „Prototypen“ mit Benzinantrieb am Start.

Das Team hatte sich im Vorfeld des Wettbewerbs in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt, um das Wettbewerbsfahrzeug des Vorjahrs weiterzuentwickeln: Der Antriebsstrang konnte vereinfacht und optimiert werden, sodass die Ausrichtung und der Ausbau von Motor und Hinterrad schneller und einfacher erfolgen kann. Im Cockpit wurde von Hand- auf Fußbremsen umgestellt, was in den kommenden Jahren verpflichtend ist. Neu ist auch ein Multifunktionsdisplay, das den Fahrerinnen eine bessere Anzeige der Geschwindigkeit ermöglicht, verschiedene Warnfunktionen beinhaltet und eine Sicherung aller wichtigen Fahrzeugdaten für eine anschließende Analyse aufnimmt. Zudem wurde der Kabelbaum zur weiteren Gewichtsreduzierung überarbeitet. Nicht zuletzt konnte der Einzylindermotor mit 150 ccm Hubraum dank eines neu entwickelten Prüfstands hinsichtlich des Treibstoffverbrauchs und eines robusten Startverhaltens optimiert werden.

Während des Wettbewerbs in London konnte das Team dann an allen vier Wertungsläufen des Shell-Eco-marathons teilnehmen. Am Ende der Rennwoche erreichten die Studierenden der Hochschule Karlsruhe auf der sehr anspruchsvollen Strecke Rang 18 von 51 Teams in der Kategorie Prototypen, von denen es nur 31 überhaupt ins Ziel geschafft hatten. Mit nur einem Liter Benzin konnten die Karlsruher insgesamt 578,2 Kilometer zurücklegen – das entspricht einem Verbrauch von nur 0,17 Litern auf 100 km.

Die erfolgreiche Durchführung aller Wertungsläufe unterstreicht, dass die Entwicklungsarbeiten zu einem verlässlichen Fahrzeug geführt haben. Trotzdem hatte das Team neben den Temperaturen von bis zu 32°C auch mit technischen Rückschlägen zu kämpfen, wie z. B. einem defekten Anlasser und einem fehlerhaften Steuergerät, das ausgetauscht werden musste.

„Die Erfahrungen während des gesamten Wettbewerbs waren sehr vielfältig“, so Christine Hirschfeld, Fahrerin und Bachelorstudentin im Maschinenbau, „in kürzester Zeit konnten wir neu aufgetretene Probleme in unserem Team lösen, das über die Woche intensiv zusammengewachsen ist. Besonders bemerkenswert war die große Hilfsbereitschaft auch zwischen den internationalen Teams: Werkzeuge und Wissen wurden ohne zu zögern geteilt, was ich so nicht erwartet hätte.“

„Die Teilnahme an Wettbewerben wie dem Shell Eco-marathon ist für die Studierenden eine motivierende Ergänzung zum regulären Studium“, betont der die Studierenden betreuende Prof. Dr.-Ing. Frank Pöhler, „sie können das im Studium Erlernte ganz praktisch anwenden und wichtige Erfahrungen machen, die in einem Hörsaal nicht vermittelt werden können. Durch die unglückliche Terminierung des Wettbewerbs in der ersten Prüfungswoche zolle ich dem Team hohen Respekt und zwar nicht nur denjenigen, die mit in London dabei waren, sondern auch denjenigen, die bis in die letzte Vorlesungswoche an der Fertigstellung des Fahrzeugs mitgearbeitet haben.“