Mobilität und Informationstechnologie integriert studieren

Studentin untersucht Verhalten von Autofahrern in Konfliktsituationen

9. Juli 2019

Konfliktsituationen im Autoverkehr treten täglich auf. Doch wie gut können Autofahrer kritische Situationen einschätzen? Wann fühlen sie sich gestresst? Solchen Fragestellungen gehen Studierende der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft nach. Swenja Sawilla, Studierende im Studiengang Verkehrssystemmanagement, stattete hierzu Autofahrer mit Eyetracking-Brillen und Pulsarmbändern aus. Somit konnte sie das Blickverhalten der Fahrer in Konfliktsituationen aufzeichnen und analysieren, was sie in ihrer Verkehrsumwelt wahrnehmen. Gleichzeitig wurde über den Puls das Stressniveau der Fahrer erfasst. Unter anderem wurde festgestellt, dass die Nutzung vermeintlich unterstützender Instrumente, wie etwa Navigationsgeräten, mit einem höheren Puls einhergeht, was ein Hinweis auf ein erhöhtes Stressniveau sein könnte. Stress bei einem Autofahrer kann zu einem erhöhten Fehlverhalten im Straßenverkehr führen, z. B. durch das Einordnen in die falsche Spur. Die erlangten Erkenntnisse tragen dazu bei, neue Ideen zu entwickeln, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern.

„In meinem Studium lerne ich viele neue Technologien kennen, wie z. B. das Eyetracking, die ich in praktischen Projekten im Bereich Verkehr anwenden kann“, so Swenja Sawilla, die im Masterstudiengang Verkehrssystemmangement studiert. Ebenso wie ihre Arbeit setzen zahlreiche im Studiengang entstandene Projektarbeiten neue Informationstechnologien ein, um Problemstellungen aus dem Bereich Verkehr zu lösen. So programmierte ein Studierender die App „GyroTracker“ für Mobilgeräte, mit der Radwege nach der Qualität ihrer Oberflächenbeschaffenheit klassifiziert werden können. In einer anderen Projektarbeit wurde ein Anforderungstaster für Lichtsignalanlagen entwickelt. Dieser ermöglicht es, die Dauer der Grünphase an der Ampel an die Bedürfnisse des Fußgängers anzupassen.

Gerade das Thema Mobilität ist eines der ganz Großen, ebenso wie die Informationstechnologie: Beide Zukunftsthemen erleben heute einen großen Umbruch und steigen weiter in der Bedeutung. Aktuelle Themen sind hier "Mobility as a Service", autonome Fahrzeuge, künstliche Intelligenz in der Mobilität und Mobilitäts-Assistenten als App. Diese zeigen: Mobilität und Informationstechnologie wachsen zusammen.

Absolventen mit beiden Kompetenzfeldern sind heiß begehrt aber kaum vorhanden.

Dass es diese Studienrichtung doch gibt, erfahren Studieninteressierte erst auf den zweiten Blick. Der Studiengang Verkehrssystemmanagement (VSM) kann seit einigen Jahren im Bachelor- und Masterstudium absolviert werden und bietet die Informationstechnologie als Säule für alle, wie auch als Vertiefung für wenige Ausgewählte an.

Unternehmen wie PTV, INIT und Siemens unterstützten die Geburt des neuen Studiengangs an der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, weil sie händeringend nach genau diesen Absolventen suchen. Eine wahre Win-Win-Situation, wie Prof. Dr.-Ing. Thomas Schlegel vom Institut für Ubiquitäre Mobilitätssysteme (IUMS) der Hochschule erklärt. "Wir bieten am Institut für unseren Mobilitäts-Nachwuchs genau die spannenden Informationstechnologie-Themen, die in Mobilitätssystemen für die Studierenden unverzichtbar sind. Ich hätte mir das als Student damals auch so interessant, spielerisch und angewandt gewünscht. Darum bieten wir beispielsweise schon ab dem ersten Semester die Informatik mit LEGO Mindstorm Robotern an und programmieren schon im dritten Semester die erste App. Später wirken die Vertiefer in Forschungsprojekten wie dem Testfeld für autonomes Fahren mit."

 

Einem doppelten Geheimtipp entsprechend bietet der Studiengang doch nur 36 Studienplätze außerhalb des Mainstreams mit gerade einmal zehn Studierenden in „Intelligenten Mobilitätssystemen“, andere in den ebenfalls spannenden Fächern Verkehrsplanung und Verkehrsökologie. Allerdings werden dieses Mal einmalig 42 Plätze vergeben. Eine Bewerbung lohnt sich also, um von der mehrfach ausgezeichneten und seit Jahren als innovative Lehre geförderten Mobilitätsinformatik-Grundausbildung und dem ungewöhnlichen Studiengang Verkehrssystemmanagement zu profitieren. Das geht sogar so weit, dass Prof. Schlegel passende Praxissemesterstellen für das fünfte Semester teilweise persönlich vermittelt und dort auch mal nach dem Rechten sieht oder dass Studierende einen Preis beim Roboter-Wettbewerb gewinnen.

Am zentralen Forschungsinstitut IUMS der Hochschule Karlsruhe mit seinen Forschungsprojekten und Doktoranden schließt sich dann nach Bachelor und Master vielleicht sogar eine eigne Doktorarbeit an. Spannende Themen gibt es zwischen Mobilität und Informationstechnologie noch lange – da ist sich Prof. Schlegel sicher.