Web-Konferenz zu den Auswirkungen von COVID-19 auf nachhaltige Mobilität   

Online-Meeting im Rahmen des internationalen Austauschprogramms „Hands-on Sustainable Urban Mobility“ fand unter Federführung des Studiengangs Verkehrssystemmanagement statt

30. Juni 2020

„Die COVID-19-Pandemie hat zu deutlichen Veränderungen des Mobilitätsverhaltens der Menschen weltweit geführt“, erläutert Prof. Dr. Jochen Eckart, Professor für Verkehrsökologie und Studiendekan des Masterstudiengangs Verkehrssystemmanagement der Hochschule Karlsruhe.

Da der für Mai 2020 geplante Workshop des internationalen Austauschprogramms „Hands-on Sustainable Urban Mobility“ („Durchsetzung nachhaltiger urbaner Mobilität“) aufgrund der Pandemie nicht stattfinden konnte, fand ersatzweise am 30.06.2020 ein Webinar mit allen Projektpartnern statt: der University of Waterloo (Kanada), der University Centre of Brusque – UNIFEBE (Brasilien), der School of Urban and Regional Planning of the University of the Philippines und der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, University of Applied Sciences. Außerdem nahm Dr. Angela Francke von der TU Dresden, Professur für Verkehrspsychologie, an der Online-Konferenz teil.

„Die einzelnen Projektpartner präsentierten und diskutierten die durch die Pandemie bewirkten Veränderungen des Mobilitätsverhaltens und des Verkehrs im Kontext der kulturellen und sozialen Gegebenheiten“, ergänzt Prof. Eckart. Im Vordergrund des Informationsaustauschs standen verschiedene Fragekomplexe, wie etwa:

  • Auf welche Weise veränderte die Pandemie das Mobilitätsverhalten in den Städten?
  • Wie wirkte sich die Pandemie konkret auf die Nutzung der Verkehrsmittel Auto, Öffentlicher Nahverkehr und Fahrrad aus?
  • Welche Initiativen zur Förderung nachhaltiger Mobilität wurden in den Monaten seit  Ausbruch der Pandemie getroffen?

Besonderes Interesse galt auch Fragen, die sich mit den langfristigen Konsequenzen nach der COVID-19-Pandemie in Hinblick auf nachhaltige Mobilität beschäftigten:

  • Wird die Urbanisierung weitergehen oder die dadurch zunehmende Bevölkerungsdichte als Problem für die öffentliche Gesundheit erkannt werden?
  • Wird nach der Pandemie der Öffentliche Personennahverkehr und der Personenfernverkehr eine Wiederbelebung erfahren?

Für den Standort Deutschland hat Dr. Angela Francke von der TU Dresden bereits eine Befragung von 5 000 Personen im Alter von 14 bis 89 Jahren durchgeführt. Die Auswertung ergab, dass nahezu alle Befragten (98,4 Prozent) über den Wegfall mindestens eines sonst üblichen Wegs berichten, z.B. durch Telearbeit bzw. Homeoffice und die Absage von Terminen. Am stärksten ausgeprägt war der Wegfall von Wegen in der Freizeit. Die größten Auswirkungen zeigten sich beim Öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie beim Rad- und Fußverkehr. Während der Öffentliche Nah- und Fernverkehr etwas oder deutlich weniger genutzt wird, ergibt sich für den Rad- und Fußverkehr das gegenteilige Bild. „Das Fenster für eine grundlegende Veränderung unserer Mobilität ist weltweit geöffnet", erklärt Dr. Angela Francke. „Das von Gewohnheiten geprägte Mobilitätsverhalten wird aktuell grundlegend hinterfragt, Mobilitätsentscheidungen werden neu getroffen. Bisher wurde Ansteckungsgefahr kaum in die Entscheidung für oder gegen ein Verkehrsmittel mit einbezogen. Aktive Mobilität, also zu Fuß gehen und Radfahren, sind offenbar die Verkehrsmittel der Stunde. Besonders spannend wird, ob diese neuen Mobilitätsgewohnheiten auch den Wechsel in die Normalität überdauern“, so Francke weiter.

Dem Baden-Württemberg-STIPENDIUM sei an dieser Stelle besonders gedankt, da es den internationalen Austausch im Rahmen des Programms „Sustainable Urban Mobility in Manila“ durch das Baden-Württemberg-STIPENDIUM für Studierende – BWS plus aktiv fördert und begleitet.

Dank gilt auch dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der Workshop ist Teil der Zusammenarbeit des Landkreises Karlsruhe mit der brasilianischen Partnerstadt Brusque im Rahmen des Programms „Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte“ (NAKOPA), das aus Mitteln des Bundesministeriums gefördert wird.