Studieren mit Behinderung

Das Service-Center Studium und Lehre unterstützt auch Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit bei einem reibungslosen Studienablauf. Nachfolgend finden Sie einige grundsätzliche Informationen zum Studium mit Handicap.

 

Studienbewerbung und Zulassungschancen

Studienbewerber, die eine Behinderung und/oder chronische Krankheit bei der Bewerbung um einen Studienplatz nachweisen, können unter Umständen ihre Chancen auf Zulassung durch das Stellen eines Antrags auf Nachteilsausgleich verbessern. Dabei werden allerdings strenge Maßstäbe angelegt.

Härtefall

An der Hochschule Karlsruhe stehen jeweils fünf Prozent der Studienplätze in Bachelor- und Masterstudiengängen für sogenannte Härtefälle zur Verfügung. Ein Härtefall liegt vor, wenn aus persönlichen Gründen ein verzögerter Studienbeginn um ein oder mehrere Semester unzumutbar ist. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine schwer kranke Person, bei der eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs diagnostiziert wurde, ihr Studium durch einen verzögerten Studienbeginn nicht beenden könnte. Eine Schwerbehinderung allein rechtfertigt keine Zulassung als Härtefall, die Noten des Hochschulreifezeugnisses bzw. des Bachelorabschlusses werden ebenfalls berücksichtigt. Bitte überlegen Sie sich genau, ob Ihre persönliche Situation ein Härtefall ist, bevor Sie einen Antrag stellen. Ihre Darstellung im Antrag muss durch Belege glaubhaft gemacht werden (z. B. ärztliches Attest, Schwerbehindertenausweis usw.). Nachfolgend finden Sie einige Beispiele, die einen Antrag auf Härtefall aufgrund von Krankheit oder Behinderung rechtfertigen (zitiert nach hochschulstart.de):

  • Besondere gesundheitliche Umstände, die die sofortige Zulassung erfordern bzw. Krankheit mit der Tendenz zur Verschlimmerung, die dazu führen wird, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft die Belastungen des Studiums im Studiengang, für den man sich bewirbt, nicht durchgestanden werden können.
  • Behinderung durch Krankheit; die berufliche Rehabilitation kann nur durch sofortige Zulassung zum Studium sichergestellt werden, weil aufgrund der Behinderung eine sinnvolle Überbrückung der Wartezeit nicht möglich ist.
  • Beschränkung auf ein enges Berufsfeld aufgrund körperlicher Behinderung; das angestrebte Studium lässt eine erfolgreiche Rehabilitation erwarten.
  • Notwendigkeit, das bisherige Studium oder den bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben zu müssen; eine sinnvolle Überbrückung der Wartezeit ist aus den genannten Gründen nicht möglich.
  • Eine körperliche Behinderung steht jeder anderen zumutbaren Tätigkeit bis zur Zuweisung eines Studienplatzes entgegen.
  • Eine Krankheit beschränkt oder behindert die Berufswahl bzw. Berufsausübung, weshalb eine sinnvolle Überbrückung der Wartezeit nicht gegeben ist.
  • Wegen eines nicht selbst zu vertretenden Grundes (insbesondere Krankheit) konnte eine frühere Zulassung nicht angenommen werden (Nachweise: Grund und frühere Zulassung).

Verbesserung der Durchschnittsnote

Der Antrag auf Verbesserung der Durchschnittsnote kann bei der Bewerbung um einen Bachelorstudienplatz gestellt werden, wenn es zu Leistungsbeeinträchtigungen kam, die den Bewerber hinderten, eine bessere Durchschnittsnote im Hochschulreifezeugnis zu erreichen. Dabei müssen die Ursachen, die zur Leistungsbeeinträchtigung geführt haben (z. B. Krankheit) und deren Auswirkungen nachgewiesen werden. In der Regel muss zusätzlich ein Schulgutachten vorgelegt werden, welches durch die Schulleitung ausgestellt wird.

Verbesserung der Wartezeit

In den Bachelorstudiengängen werden zehn Prozent (nach Abzug von Vorabquoten für ausländische Studienbewerber, Zweitstudienbewerber und Härtefälle) der Studienplätze je Studiengang über die sogenannte Wartezeit vergeben. Wartezeit ist die Zeit in Halbjahren (Semestern), die nach Erwerb der Hochschulreife vergangen ist, ohne dass man an einer deutschen Hochschule immatrikuliert war. Nun mag es Gründe geben, die den Erwerb der Hochschulreife verzögert haben, sodass der Bewerber über weniger Wartezeit verfügt, z. B. durch die Wiederholung eines Schuljahres aufgrund von Krankheit. Auch zur Verbesserung der Wartezeit kann ein Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt werden. Dazu muss nachgewiesen und erläutert werden, welche Umstände zur Verzögerung beim Erwerb der Hochschulreife geführt haben. Eine Schulbescheinigung muss ebenfalls vorgelegt werden.

Weitere Informationen zu den drei Antragsformen finden Sie im Dokument "Zulassungschancen können verbessert werden" der Stiftung Hochschulzulassung. Bitte berücksichtigen sie dabei, dass das Dokument für bundesweite Bewerbungsverfahren bei hochschulstart.de verfasst wurde und nicht speziell für Bewerbungen an der Hochschule Karlsruhe. Mit dem Dokument soll lediglich verdeutlicht werden, wie ein Antrag formal gestellt und begründet werden muss.

Nachteilsausgleich im Studium

Die Hochschule Karlsruhe sieht in ihrer Studien- und Prüfungsordnung, Teil A für Bachelorstudiengänge (§16, 2) bzw. Teil A für Masterstudiengänge (§14, 3) die Möglichkeit des Nachteilsausgleichs bei Prüfungen und Studienleistungen vor:

"Macht jemand glaubhaft, dass wegen länger andauernder oder ständiger körperlicher Behinderung es nicht möglich ist, Prüfungsleistungen ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form abzulegen, so wird vom Vorsitzenden des Prüfungsausschusses gestattet, die Prüfungsleistung innerhalb einer verlängerten Bearbeitungszeit oder gleichwertige Prüfungsleistungen in einer anderen Form zu erbringen. Dazu kann die Vorlage eines ärztlichen Attests verlangt werden. Entsprechendes gilt für Prüfungsvorleistungen." (Hervorhebung nicht im Original).

Studierende, die Nachteilsausgleiche benötigen, sollten rechtzeitig mit dem Beauftragten für Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit, dem jeweiligen Prüfungsausschuss bzw. den einzelnen Prüfern Kontakt aufnehmen, um gemeinsam eine individuelle Lösung zur Prüfungsmodifikation zu finden. Dies sollte möglichst einige Wochen vor der Ende Januar bzw. Ende Juni stattfindenden Prüfungszeit geschehen.

Beispiele für Nachteilsausgleiche können sein:

  • mündliche statt schriftliche Prüfungen
  • Zeitverlängerung bei Prüfungen und Hausarbeiten
  • Nutzung technischer Hilfsmittel
  • Verlängerung von Gesamtstudienzeiten
  • Unterstützung praktischer Arbeiten (Labore) durch Studienassistenzen und/oder technische Hilfsmittel
  • individuelle Handhabung von Richtlinien zu Praktika und Exkursionen

Studienfinanzierung

BAföG

Auf Antrag können Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit beim BAföG unter folgenden Gesichtspunkten besonders berücksichtigt werden:

  • Normalerweise können nur diejenigen Studierenden mit BAföG gefördert werden, die bei Aufnahme eines ersten grundständigen Studiums das 30. Lebensjahr, bei der Aufnahme eines Masterstudiums das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Verhindern aber persönliche Gründe wie Krankheit und/oder Behinderung die rechtzeitige Studienaufnahme, so kann BAföG gewährt werden, unter der Voraussetzung, dass das Studium unverzüglich nach Wegfall des Hinderungsgrunds aufgenommen wird.
  • Bei der Einkommensermittlung der Eltern/des Ehepartners kann ein Härtefreibetrag gewährt werden, so dass die Förderung evt. höher ausfällt. Auch schwerbehinderte Eltern/Ehepartner werden bei der Einkommensermittlung berücksichtigt. Bei mehreren Familienmitgliedern erhöht sich der Freibetrag entsprechend.
  • Die Förderungshöchstdauer verlängert sich, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Behinderung Ursache einer Studienzeitverlängerung ist. Allerdings hängt eine weitere Bewilligung des BAföG auch davon ab, ob das Studium noch erfolgreich abgeschlossen werden kann. Nach Überschreiten der Förderungshöchstdauer wird BAföG komplett als Zuschuss gewährt, sofern eine Behinderung Ursache ist. Gilt eine Krankheit als Ursache der Studienzeitverlängerung, so wird die auf Antrag weiter bewilligte Förderung wie bisher zur Hälfte als Darlehen und zur Hälfte als Zuschuss gezahlt.
  • Bei der Darlehensrückzahlung finden behinderungsbedingte Zusatzkosten auf Antrag Berücksichtigung. Dadurch erhöht sich die Einkommensgrenze, ab der die Rückzahlung des Darlehens beginnt.

Stipendien

Für Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit gibt es eine Reihe von Stipendien zur Unterstützung während des Studiums. Nachfolgend eine Auflistung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Behinderungsbedingter Studienmehrbedarf

Für Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit fallen regelmäßig Mehrkosten an, die durch die regulären Studienfinanzierungsmöglichkeiten wie BAföG, aber auch Eigenmittel, nicht gedeckt werden können. Unter bestimmten Voraussetzungen, die im Einzelfall zu prüfen sind, können Sozialhilfeleistungen in Anspruch genommen werden. Dies gilt insbesondere in folgenden Fällen:

Eingliederungshilfen

Dazu zählen etwa die Hilfe zur Ausbildung durch persönliche Studienassistenzen (z.B. Gebärdensprachdolmetscher oder Schreibdolmetscher), Fahrtkostenübernahme, Büchergeld, technische Hilfen als "soziale Hilfsmittel" zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, die Hilfe zum Erwerb und zur Instandhaltung eines der eigenen Behinderung angepassten Pkw und der dazugehörigen Fahrerlaubnis sowie Wohnungshilfen zur Beschaffung einer geeigneten Wohnung und Mittel zur Teilhabe am kulturellen Leben (Veranstaltungsbesuche, Kostenübernahme Telefon, Fernseher, Ferienaufenthalte usw.). Eingliederungshilfe wird in der Regel gezahlt, wenn zu erwarten ist, dass das Studium erfolgreich abgeschlossen werden kann, das Studium für den einzelnen erforderlich ist und der sich daran anschließende Beruf eine Lebensgrundlage bietet bzw. angemessen dazu beiträgt. Beantragt werden Eingliederungshilfen normalerweise beim örtlichen Sozialhilfeträger (Sozialamt oder Kreisverwaltung/Landratsamt).

Finanzierung des Mehrbedarfs zum Lebensunterhalt

Oftmals fallen für Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit überdurchschnittliche Kosten für den Lebensunterhalt an, etwa für Miete oder spezielle Nahrungsmittel. Solche sog. Mehrbedarfe werden durch Studienfinanzierungsmittel wie das BAföG nicht gedeckt. Hierbei kann entweder Grundsicherung für Arbeitssuchende (bei erwerbsfähigen Studierenden) beantragt werden oder aber, wie bei Eingliederungshilfen, Leistungen der Sozialhilfe (bei Studierenden mit Erwerbsminderung). Als erwerbsfähig gilt vereinfacht gesagt, wer grundsätzlich in der Lage ist, täglich mindestens drei Stunden erwerbstätig zu sein, als erwerbsgemindert gilt, wer wegen Krankheit oder Behinderung nicht in der Lage ist, täglich mindestens drei Stunden erwerbstätig zu sein. Für erwerbsfähige Studierende ist deshalb die Agentur für Arbeit zuständig, für voll erwerbsgeminderte Studierende der Sozialhilfeträger. In jedem Fall muss die Hilfebedürftigkeit nachgewiesen werden. Geprüft wird immer, ob eigenes Einkommen oder eigenes Arbeiten eine staatliche Unterstützung überflüssig machen. Auch Finanzierungshilfen wie Bildungskredite oder Darlehen der Studentenwerke müssen bereits ausgeschöpft sein.

Weitergehende Informationen finden Sie auf den Seiten des Deutschen Studentenwerks Berlin unter www.studentenwerke.de/behinderung.

Barrierefreiheit an der Hochschule

An der Hochschule Karlsruhe sind die Zugänge zu ihren Gebäuden in den letzten Jahren barrierefrei gestaltet worden. Fast alle Gebäude (Ausnahme: Gebäude R) verfügen über einen Fahrstuhl. Zudem sind in allen Gebäuden behindertengerechte Toiletten vorhanden. Beim Gebäudemanagement der Hochschule (Gebäude R, EG, rechte Seite) können Studierende mit Behinderung einen Code-Schlüssel ausleihen, mit dem sich die Eingangstüren der Gebäude elektronisch öffnen lassen. Eine Übersicht der Zugänge für behinderte Studierende finden Sie im Gebäudeplan der Hochschule.

Die Stadt Karlsruhe ist bestrebt, eine umfassende Barrierefreiheit öffentlicher Einrichtungen umzusetzen. Sie hat hierzu Informationen zur Barrierefreiheit  online gestellt.

Barrierefrei sind die meisten innerstädtischen Straßenbahn- und Buslinien, die auch zur Hochschule führen (insbesondere die Linien 2, 4 und 6 mit Ausstieg am Mühlburgertor oder am Europaplatz bzw. die Linie 3 mit Ausstieg an der Kunstakademie). Zusätzlich werden sämtliche innerstädtischen Haltestellen nach und nach barrierefrei umgebaut. Seit 2014 werden auf den elektronischen Fahrgastinformationsanzeigern alle Niederflurfahrzeuge symbolisch mit einem Rollstuhl dargestellt. Die Linien der Bahnen S1/S11, S2, S4, S41, S5, S51 und S52 verfügen jedoch noch nicht oder nur teilweise über Niederflurwagen. 

Chronische Krankheiten

Schätzungsweise 20 % der Bundesbürger sind chronisch krank, haben also eine Krankheit, die nicht ausheilt oder deren Ursache nicht beseitigt werden kann. Viele chronisch kranke Studierende sind sich über deren Rechte (z. B. Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs) oftmals gar nicht bewusst.

Nachfolgende Auflistung soll Einblicke darüber geben, welche Krankheiten als chronische Krankheiten gelten. Die Auflistung zielt dabei nicht auf Vollständigkeit.

  • Aufmerksamkeitsstörungen (z. B. ADHS)
  • Persönlichkeits- /Entwicklungsstörungen (z. B. Borderline, Asperger)
  • psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen)
  • Teilleistungsstörungen (z. B. Legasthenie, Dyskalkulie)
  • HIV/Aids
  • Krebs
  • Hepatitis
  • Diabetes
  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa
  • Rheuma
  • Arthrose
  • Epilepsie
  • Asthma bronchiale
  • Multiple Sklerose
  • Mukoviszidose
  • Herzerkrankungen (z.B. Herzinsuffizienz, Herzfehler)
  • Bluthochdruck
  • Niereninsuffizienz
  • Allergien

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat 2008 eine Richtlinie festgelegt, in der definiert wird, wer als chronisch krank gilt.

Zeitplan zur Studienvorbereitung

Bei der Vorbereitung auf ein Studium ist es wichtig, möglichst früh mit der Orientierung zu beginnen. Dies sollte mindestens ein Jahr vor Studienaufnahme geschehen. Folgender Zeitplan orientiert sich im wesentlichen an Informationen des Deutschen Studentenwerks:

  1. Beschaffung von Informationen zum späteren Berufswunsch, zu passenden Studiengängen und zur Studienorganisation.
  2. Kontaktaufnahme mit der Hochschule, um Fragen der Studienorganisation zu klären, aber auch der Bewerbungsmodalitäten sowie der Chancen auf Zulassung.
  3. Informationen zu Anträgen auf Nachteilsausgleich bei der Bewerbung um einen Studienplatz einholen und ggf. Anträge vorbereiten.
  4. Wie sind die Bedingungen vor Ort (z. B. Barrierefreiheit, Wohnsituation)? Dies lässt sich am besten durch einen Besuch an der Hochschule klären.
  5. ggf. Klärung der Organisation von Pflege, Studienassistenz sowie der Mobilität.
  6. Überprüfen der Möglichkeiten zur Studienfinanzierung, etwa beim BAföG-Amt des Studierendenwerks Karlsruhe, behinderungsbedingte Mehrbedarfe bei der Agentur für Arbeit oder beim Sozialhilfeträger (je nach Zuständigkeit) sowie ggf. Bewerbung um ein Stipendium bei einer Stiftung.

Termine und Veranstaltungen

 

12.11.2019 in Leipzig: Bewerbungstraining für Studierende mit Behinderung. Informationen zum Traing und zur Anmeldung finden Sie hier .

15., 22. und 29.11.2019 in Berlin: Seminar zum Berufseinstieg, organisiert vom studierendenWERK Berlin. Weitere Informationen erhalten Sie hier

28.11.2019 in Berlin: Auftaktveranstaltung Studierende mit Behinderung der Deutschen Bahn AG. Berufsperspektiven und Bewerbertraining des Konzerns. Weitere Informationen erhalten Sie hier .

10. bis 12.01.2020 in Karlsruhe: Mein Profil - ein ganz anderes Bewerbertraining. Das Seminar für Menschen mit Seheinschränkung. Weitere Informationen zum Seminar des Studienzentrums für Sehgeschädigte finden Sie hier .