Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 01/2018

Wer kann sich Dienstleistungen zukünftig noch leisten?
Über die Folgen des Zusammenhangs von Einkommensverteilung und Strukturwandel

In diesem Beitrag von Prof. Jochen Hartwig und Prof. Hagen Krämer wird mit dem Strukturwandel zugunsten des Dienstleistungssektors und der wachsenden Polarisierung der Einkommensverteilung die Interaktion zweier ökonomischer „Megatrends“ betrachtet. Im Mittelpunkt stehen dabei die sozialen Konsequenzen der „Baumol’schen Kostenkrankheit“, von der große Teile des Dienstleistungssektors betroffen sind. Haushalte mit unterdurchschnittlichen Einkommenszuwächsen werden sich die davon betroffenen Dienstleistungen zukünftig immer weniger leisten können. Dies gilt insbesondere für soziale Dienstleistungen und Gesundheitsdienstleistungen, für die in Zukunft eine ausreichende Finanzierung sichergestellt werden muss, damit die von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelten Bevölkerungsteile einen dauerhaften Zugang zu den von der Kostenkrankheit betroffenen Dienstleistungen haben.

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Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 02/2017

The Growth Disease at 50: Baumol after Oulton. Aggregate Productivity Growth and the Service Industry

The year 2017 marks the 50th anniversary of William J. Baumol’s seminal model of ‘unbalanced growth’, which predicts the so-called ‘Growth Disease’, i.e., the tendency of aggregate productivity growth to slow down in the process of tertiarisation. In an important contribution published in 2001, however, Nicholas Oulton showed that the shift of resources to the service sector may raise rather than lower aggregate productivity growth if the service industries produce intermediate rather than final products. While Oulton’s reasoning is logically consistent, the question arises whether it is also valid from an empirical point of view.

In this paper, Prof. Jochen Hartwig and Prof. Hagen Krämer use the 2011 release of EU KLEMS data to determine whether the shift of resources to services has raised or lowered aggregate productivity growth in the G7 countries.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 01/2017

Die Funktion und Bewertung von Reichtum in ökonomischen Theorien von der Antike bis zur Moderne

Welche ökonomische Funktion wird individuellem Reichtum in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie zugesprochen? Wie wird Reichtum bewertet und gegebenenfalls legitimiert? Die Klassiker der politischen Ökonomie hatten ein größtenteils ambivalentes Verhältnis zum Reichtum Einzelner. Sie sahen Reichtum kritisch, sofern er zu übermäßigem Konsum anstatt zu Akkumulationszwecken verwendet wurde. In den heute vorherrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Theorien sucht man eine systematische Behandlung des Reichtums vergebens. Normative Verteilungsfragen wurden weitgehend aus der Ökonomik verbannt.

Der Beitrag von Prof. Hagen Krämer zeigt anhand der Untersuchung ausgewählter ökonomischer Theorien den Wandel, dem die ökonomische Kategorie Reichtum im Lauf der Zeit unterworfen war.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 02/2016

Reforming the Undergraduate Macroeconomics Curriculum: The Case for a Thorough Treatment of Accounting Relationships

This paper makes the case for a more detailed and rigorous treatment of so-called ‘balance mechanics’ and accounting relationships in undergraduate macroeconomics classes. It is argued that these relationships are an important basis for evaluating different economic models and for avoiding mistakes that are continuously made in public debates but can also be detected in standard macroeconomic models.

Prof. Johannes Schmidt gives an overview of the important macroeconomic accounting relationships that should be systematically treated in an undergraduate course. It is argued that a mastery of these relationships is in itself a good basis for understanding economic events and debates.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 01/2016

Warum Zins? BÖHM-BAWERKs (Kritik der) Zinstheorie(n) im Lichte der Profittheorie von WOLFGANG STÜTZEL

Die Frage, warum oder wofür Zins bezahlt wird, war in der ökonomischen Theorie ein stark diskutiertes Problem. EUGEN VON BÖHM-BAWERK setzte sich in seiner Geschichte und Kritik der Kapitalzins-Theorien ausführlich mit früheren Zinstheorien auseinander und stellte ihnen in der Positiven Theorie des Kapitales seine Agiotheorie gegenüber. WOLFGANG STÜTZEL arbeitete in seinem Buch Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft eine elementare Profit- und Zinstheorie aus.

In dem Aufsatz von Prof. Johannes Schmidt wird zunächst die Profittheorie STÜTZELs dargestellt und anschließend gezeigt, wie sich im Lichte dieser Überlegungen sowohl BÖHM-BAWERKs Theorie als auch die Theorien seiner Vorgänger interpretieren lassen.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 03/2015

Schaffen Dienstleistungen Werte?
Der historische Produktivitätsstreit und seine Bedeutung für die Dienstleistungsökonomik

Trotz ihrer großen Bedeutung für die reale Wirtschaft haben Dienstleistungen vielfach einen eher schlechten Ruf. Es wird häufig bezweifelt, dass mit Dienstleistungen ökonomische Werte geschaffen werden können. In diesem Beitrag von Prof. Hagen Krämer wird die These vertreten, dass dies auf die Einstufung von Dienstleistungen als „unproduktive Arbeit“ durch die klassische politische Ökonomie des 18. und 19. Jahrhunderts zurückgeführt werden kann. Es wird gezeigt, wie sich die Sichtweise auf Dienstleistungen in der Geschichte des ökonomischen Denkens entwickelt hat und welche Elemente des historischen Produktivitätsstreits in das moderne Verständnis von Dienstleistungen eingeflossen sind.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 02/2015

Portfolio-Analyse - Ein funktionsbasierter Ansatz aus der Unternehmenspraxis

In der Unternehmenspraxis ist die Portfolio-Analyse ein weit verbreitetes Analyse- und Planungsinstrument des strategischen Managements. Die traditionellen Ansätze sortieren üblicherweise Geschäftsbereiche auf Basis vordefinierter Kriterien in eine zwei-dimensionale Matrix, welche bestimmte Normstrategien impliziert. Unternehmensindividuellen Anforderungen lassen sich damit nur bedingt berücksichtigen. In seinem Beitrag stellt Prof. Hendrik Kunz den Portfolioansatz eines deutschen Handelsunternehmens vor, bei dem unternehmensspezifische Funktionen von Geschäftsbereichen den Ausgangspunkt der Analyse bilden. Wesentliche Stärken sowie Herausforderungen - insbesondere in der praktischen Anwendung - werden abschließend diskutiert.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 01/2015

Inequality dynamics with different saving ratios

During the past months, the best-selling book Capital in the Twenty-First Century by Thomas Piketty has received a great deal of attention and has been widely discussed in the public debate. In his paper, Prof. Hagen Krämer takes a closer look at Piketty’s distribution theory and inequality dynamics, especially his so-called central force of divergence “r>g”. Prof. Krämer analyzes some additional conditions under which the relation r>g causes a long-term increase in income and wealth inequality. It is shown that, apart from the saving ratios, the shares of total income and wealth, respectively, of different household groups are of decisive importance.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 03/2014

Die Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland

In den vergangenen Jahren dokumentierten zahlreiche Studien eine Zunahme der Einkommenskonzentration in mehreren OECD-Ländern. Während die zugehörigen empirischen Analysen überwiegend allgemeine Verteilungsentwicklungen hervorheben oder sich auf die Entwicklung von Armut konzentrieren, fand der obere Einkommensrand bisher vergleichsweise wenig Beachtung. Der vorliegende Beitrag von Prof. Hagen Krämer und Christina Anselmann setzt sich hauptsächlich mit den Entwicklungen in Deutschland auseinander und fokussiert dabei auf die Spitze der Einkommenspyramide. Es wird gezeigt, dass in jüngerer Zeit nicht nur in den USA und anderen angelsächsischen Ländern, sondern auch hierzulande eine Zunahme der Top-Einkommen und Top-Einkommensanteile zu beobachten ist. Daneben werden mögliche Erklärungsansätze für diese Entwicklungen skizziert

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 02/2014

Die intragenerativen Verteilungswirkungen der Staatsverschuldung: Zur Bedeutung des Transferansatzes in Empirie und Theorie

In diesem Beitrag gehen Prof. Hagen Krämer und Christina Anselmann der Frage nach, ob und unter welchen Voraussetzungen die Staatsverschuldung die Verteilung von Einkommen und Vermögen innerhalb einer Generation beeinflusst. Dazu wird unter anderem die Entstehungsgeschichte des sogenannten Transferansatzes beschrieben, auf dem zahlreiche Analysen der intragenerativen Verteilungswirkungen staatlicher Verschuldung basieren. Neben einigen empirischen Untersuchungen steht insbesondere die Kritik an diesem Ansatz im Fokus. Es zeigt sich, dass der partial-analytische Transferansatz nicht geeignet ist, die von der Staatsverschuldung ausgehenden intragenerativen Verteilungseffekte in ihrer Gesamtheit zu erfassen. 

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 01/2014

Von der Staatsverschuldung zum Staatsbankrott? Über die Bedingungen staatlicher Zahlungs(un)fähigkeit

Der Anstieg der Staatsverschuldung sowie die krisenhaften Entwicklungen der letzten Jahre im Euroraum haben die Möglichkeit eines Staatsbankrotts wieder in die politische Diskussion gebracht. Prof. Johannes Schmidt verdeutlicht in seinem Diskussionsbeitrag, daß die Möglichkeit eines Staatsbankrotts entscheidend durch die Auslandsverschuldung des gesamten Landes und durch die Währungsdenominierung der Staatsschuld bestimmt sein kann. Daraus ergeben sich wichtige Schlußfolgerungen für die europäische Wirtschaftspolitik, beispielsweise für den Umgang mit Garantien von Anleihen praktisch aller Eurostaaten durch die EZB.

Karlsruher Diskussionsbeiträge Ausgabe 01/2013

Spitzeneinkommen zwischen ökonomischem und normativem Marktversagen

Prof. Hagen Krämer befasst sich in der ersten Ausgabe der „Karlsruher    Diskussionsbeiträge aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften“ mit den stark in die öffentliche Diskussion gerückten Spitzeneinkommen, insbesondere in Bezug auf die Vergütung von Topmanagern. Es geht dabei auch um die Frage, ob sich die starke Erhöhung der Managereinkommen ökonomisch rechtfertigen lässt. Außerdem wird auf die damit verbundene Rolle gesellschaftlicher Normen eingegangen und eine normativ fundierte Verteilungsstruktur vorgestellt.