Erfahrungsbericht: Auslandssemester in Australien

Ich hatte das Privileg zum Ende meines Studiums noch ein Auslandssemester an unserer Partneruniversität in Brisbane, der Queensland University of Technology, zu absolvieren. Dieser Bericht soll erläutern wie es dazu kam, welche organisatorischen Dinge zu erledigen waren und wie das Semester letzten Endes für mich abgelaufen ist.

 

Vorbereitungen

Als ich mich entschlossen habe, mich für ein Semester im Ausland zu bewerben, war mir schnell klar, dass ich entweder nach Australien oder Kanada möchte. Dafür musste ich bereits ein Semester zuvor entscheiden, welche Fächer ich gerne belegen möchte. Daher war es unumgänglich schon zu dieser Zeit nach bereits anerkannten Prüfungsleistungen an der jeweiligen Universität im Ausland zu schauen.

Mit der Gewissheit, dass ich mehrere Prüfungen sicher absolvieren könnte, habe ich Herrn Schwarz meine Bewerbung ca. eineinhalb Semester vorab eingereicht. Die Bestätigung kam jedoch erst mit dem Beginn des nächsten Semesters. Die Zusage brachte neben großer Freude natürlich auch eine Menge Arbeit mit sich. Denn mit der endgültigen Bestätigung der QUT musste ich mein Learning Agreement erstellen, mich um die Finanzierung kümmern, eine Krankenversicherung abschließen (was sehr einfach über die Universität in Brisbane ging), sowie das Studentenvisum beantragen. Finanziell wurde ich letzten Endes durch ein Stipendium der Hochschule und durch BAföG unterstützt.

Für den One-way Flug habe ich mich entschieden mit Singapur Airlines von Zürich aus zu fliegen und diesen ca. zwei bis drei Monate vorab gebucht.

Ankunft in Brisbane

Die QUT ist sehr darum bemüht, den internationalen Studenten den Einstieg so einfach wie möglich zu gestalten. Wenn man sich für ein Shuttle anmeldet, wartet nach einem mindestens 23 stündigen Flug ein Fahrer am Flughafen, um jeden an seine Unterkunft zu bringen. Für die ersten zehn Tage habe ich in einem Hostel gewohnt, da ich nicht bereit war 280$ pro Woche für ein Studentenwohnheim zu bezahlen. Vor Ort war es sehr einfach eine Unterkunft zu finden, da ein Überangebot von Häusern, Wohnungen und Zimmern besteht. Ich habe mich bewusst entschieden in eine größere WG zu ziehen, um schnell Fuß zu fassen und neue Freundschaften zu schließen. Ich bin an einem Samstag angekommen und auf Grund der späten Prüfungsphase an der HsKa, war mein erster Vorlesungstag bereits der darauffolgende Montag.

Studium an der Queensland University of Technology

Wie so oft, wenn man seinen ersten Tag hat, war es auch hier an der Uni sehr aufregend. Wie wird hier wohl unterrichtet, wie schnell lernt man die Kommilitonen kennen? Diese und noch viele weitere Fragen wurden mir schon bald beantwortet. Der erste Eindruck vom Campus war bereits überwältigend. Direkt am Brisbane River gelegen, angrenzend an einen der wunderschönen Botanischen Gärten und umgeben von unzähligen Palmen sowie Papageien, ist eine sehr entspannte Atmosphäre gewährleistet.

Die Vorlesungsräume sind sehr unterschiedlich gestaltet. Zum einen gibt es die klassischen Hörsäle wie man sie von jeder Universität kennt und zum anderen gibt es riesige Gruppenarbeitsräume mit einem großen LCD Bildschirm an je einem 6er Tisch. Speziell der so genannte Cube ist mit Touchscreen Rechnern ausgestattet und gebäudetechnisch das Aushängeschild der QUT. Durch ebendiese Anordnung der Tische kommt man automatisch ins Gespräch mit den anderen Studenten. Dabei habe ich festgestellt, dass besonders die australischen Kommilitonen sehr viel arbeiten, teilweise in zwei Unterschiedlichen Jobs. Daher gestaltete es sich schwer, außerhalb der Vorlesungen mit meinen australischen Kommilitonen etwas zu unternehmen. 

Unter dem Cube befindet sich der Foodcourt – eine Mensa, wie wir sie kennen, gibt es nicht. Die Auswahl ist zwar groß, bei den Preisen lohnt es sich auf Dauer jedoch, sein eigenes Essen mitzubringen. Auf dem Campus stehen sogar Mikrowellen zur Verfügung. Prinzipiell lernt man durch das Studium und insbesondere den angebotenen Freizeitaktivitäten (Fußball, klettern, internationale Gruppen etc.) Leute aus der ganzen Welt kennen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten dieser Teilnehmer aus Europa sind, was natürlich stark von der jeweiligen Aktivität abhängig war

Über die einzelnen Fächer gibt es folgendes zu sagen: Pro Woche gibt es zwei Stunden Vorlesungen, sowie ein bis zwei Stunden Tutorium oder Praxisübung, abhängig vom jeweiligen Fach. Darüber hinaus gestaltet jeder Professor die Art seiner Prüfungen individuell, wobei ich persönlich keine finale Prüfung hatte, die mehr als 60% der Gesamtnote gewertet wurde. Die restlichen (in diesem Fall) 40% wurden durch Tests und Hausarbeiten abgedeckt. Dadurch war man gezwungen kontinuierlich zu lernen, da nahezu wöchentlich ein Abgabetermin einer Hausarbeit oder ein Test bevorstand. Der Vorteil dieser Methodik ist, dass der Stress zum Ende des Semesters nicht ganz so hoch ist, wie man es bei uns an der Hochschule kennt. Für das Fach International Logistics (angerechnet für Logistik C) zum Beispiel, war während des Semesters eine Hausarbeit abzugeben, ein online-Multiple-Choice Test zu schreiben und zum Ende des Semesters eine Case Study zu bearbeiten. Eine Prüfung wie wir sie kennen, gab es nicht. Allerdings war besonders die Case Study unglaublich zeitintensiv, wodurch ein gutes Zeitmanagement unabdinglich war.

Leben in Brisbane

Brisbane scheint mir eine sehr wohlhabende Stadt zu sein, weshalb trotz mehr als zwei Millionen Einwohnern kaum Obdachlose zu sehen sind und es auch nicht die “klassischen” Armutsviertel gibt. Die vielen Parks entlang des Brisbane Rivers sorgen für ein großartiges Stadtbild. Darüber hinaus gibt es an der sogenannten South Bank öffentliche Pools mit künstlich angelegtem Sandstrand und Blick auf die Skyline Brisbanes.

In Brisbane und um die Stadt herum gibt es ein gut vernetztes öffentliches Verkehrsnetz. Durch den Rabatt, den man als Student bekommt (ganz einfach online zu beantragen), ist diese Art zu reisen die einfachste und günstigste. Für 5$ bin ich beispielsweise zwei Stunden an die Gold Coast gefahren. Darüber hinaus gibt es noch die City Cats auf dem Brisbane River. Das sind Katamarane, die entlang des Flusses ihre Haltestellen haben und somit als normales öffentliches Verkehrsmittel dienen – ebenfalls zu einem sehr günstigen Preis.

Im Stadtteil Fortitude Valley gibt es zahlreiche Nachtklubs und Bars. Hier wird von Mittwoch bis Sonntag kräftig gefeiert, sodass einem nicht langweilig werden kann, jedoch sind 10$ für ein Bier auf Dauer auch nicht für jeden bezahlbar.

Ich sehe die Möglichkeit, die ich mit diesem Auslandssemester bekommen habe, als großes Privileg. Während diesen vier Monaten durfte ich viele Leute aus der ganzen Welt kennenlernen, wodurch auch echte Freundschaften entstanden sind. Dabei habe ich auch viel über verschiedenste Kulturen gelernt, speziell aus dem Raum Asien. Dass ich nebenbei meine Englischkenntnisse noch auf ein ganz anderes Niveau heben konnte, macht das Auslandssemester noch erfolgreicher. Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, ein Auslandssemester zu absolvieren, da man durch die Erfahrungen auch persönlich sehr reifen kann. Zu keinem Zeitpunkt habe ich es bereut, diesen Schritt gegangen zu sein.