Sie haben sich für ein Auslandssemester in Chengdu, China entschieden, wie kam es zu der Entscheidung?

Eigentlich wollte ich eher für ein Praktikum ins Ausland gehen, aber dann hat mich mein Logistik-Professor auf die Kooperation mit der Universität in Chengdu aufmerksam gemacht. Da mich das Programm interessiert hat, habe ich mich darauf beworben und wurde angenommen.
 

Sie sind mit dem Sino-EU Cooperation & Exchange Program, einem Stipendium vom chinesischen Staat, an die UESTC gegangen. Wie sah die Förderung aus und wie sehr haben Sie von Ihrem Stipendium profitiert?

In dem Stipendium waren die Kosten für die Unterbringung auf dem Campus enthalten und die Studiengebühren. Außerdem habe ich jeden Monat eine Art „Taschengeld“ bekommen, was zum Leben und auch zum Reisen vollkommen ausgereicht hat. Durch das Stipendium habe ich das ganze Semester finanzieren können und habe nichts „drauflegen“ müssen.

 

Welche Bedenken hatten Sie in Bezug auf Ihren Auslandsaufenthalt?

Am meisten hat mich beschäftigt, ob ich mich in dieser recht fremden Kultur auch wohlfühlen kann. Außerdem hatte ich Respekt vor der schieren Größe der Universität, und dadurch auch Bedenken ob ich Anschluss finde und mich nicht verloren fühle.

 

Hat sich der neue Ort sehr von Ihrem Zuhause unterschieden?

Im Bezug auf das Wetter und das Klima nicht so sehr, aber im Bezug auf die Art zu leben schon. Ich habe dort in einem großen Dormitory in einem Einzelzimmer gelebt, und das hat sich, was den Standard betrifft, schon sehr von meinem WG-Zimmer in Karlsruhe unterschieden.

 

Wie hat Ihnen die chinesische Küche gefallen?

Mir hat das Essen gut geschmeckt, und es gibt in den Mensen eine riesige Auswahl, sodass für jeden was dabei ist. In der Mensa ist das Essen auch nicht sehr scharf, im Gegensatz zu vielen Gerichten in Restaurants. Allerdings gibt es eigentlich nur chinesisches bzw. asiatisches Essen und wenig internationale Küche.

 

Wie sieht der Hochschul-Alltag aus? Was ist anders als an der Hochschule Karlsruhe?

Die erste Vorlesung beginnt erst um 8:30 Uhr und man hat 2,5 Stunden Mittagspause. Dafür gibt es aber Abendvorlesungen die entweder bis 21 oder auch 22 Uhr gehen können. Ansonsten ist der größte Unterschied, dass es Hausaufgaben während dem Semester gibt und die Vorlesungen generell viel schulischer gestaltet sind.

 

Wie bekomme ich Kontakt zu den chinesischen Studierenden an der UESTC? Haben Sie auch Kontakte außerhalb der Hochschule knüpfen können?

Kontakt zu den chinesischen Studierenden habe ich am Anfang durch Sport, aber auch einfach durch Zufall bekommen. Einige haben mich zum Beispiel einfach auf dem Campus angesprochen. Später habe ich dann über meine ersten Bekanntschaften wieder neue Leute kennengelernt. Außerhalb der Hochschule habe ich auch wieder durch Zufälle Leute kennengelernt und durch Veranstaltungen speziell für Ausländer. Es gibt in Chengdu viele Events für Ausländer und Expats wie Wanderausflüge oder Fahrradrennen, bei denen man sowohl andere Ausländer als auch Chinesen kennenlernen kann.

 

Was sollte man unbedingt im Reisegepäck haben und was ist absolut überflüssig?

Für den Winter warme Klamotten, denn in Chengdu gibt es quasi keine Heizungen. Für den Sommer dann nicht zu freizügige Klamotten, die Chinesen sind da eher etwas konservativer. Außerdem sollte man sich am besten vorher schon WeChat und einen guten Translator aufs Handy laden. Aber auch hier gilt: nicht zu viele Gedanken machen, alles von dem man merkt man braucht es, kann man dort günstig kaufen.

 

Wem würden Sie ein Auslandssemester an der UESTC ans Herz legen?

Jedem der sich für andere Kulturen interessiert und neue Erfahrungen sammeln möchte. Auch wenn man sich etwas schwer tut auf Leute zuzugehen oder schüchtern ist kann ich es nur empfehlen. Gerade in einem Auslandssemester kann man sich in dieser Richtung besonders gut weiterentwickeln. In China sind die Leute zudem auch eher zurückhaltend.

 

Gab es etwas von dem Sie gedacht haben, „hätte ich das gewusst…“!

Eigentlich nicht, gerade das Umgehen mit Unvorhergesehenem habe ich als große Bereicherung empfunden. Das heißt eigentlich nur: hätte ich gewusst dass schon immer alles irgendwie klappt, hätte ich mir viel weniger unnötige Sorgen und Gedanken gemacht.

 

Was haben Sie mit zurück nach Deutschland genommen?

Ich habe ein deutlicheres Bild unserer Kultur bekommen, da mir viel erst im Unterschied und Vergleich zu anderen Kulturen klar geworden ist. Außerdem ist mir so auch noch mehr bewusst geworden, wie prägend die Umgebung ist in der man aufwächst.

 

Was wird Ihnen fehlen, jetzt wo Sie wieder in Deutschland sind?

Mir wird die Lebensfreude vor allem der älteren Chinesen fehlen, die ihr Leben richtig genießen und immer gute Stimmung verbreiten. Außerdem wird mir fehlen wie belebt die Städte in China sind: jeden Abend wird zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen eine Art Aerobic getanzt, wo jeder mitmachen kann. Und mir wird fehlen, wie tolerant die Menschen dort sind. Ich habe nie erlebt, wie jemand ausgelacht oder schräg angeschaut wurde.