Projektmanagement im Bergregenwald

Lukas Harbig, Student im 7. Semester International Management, hat sein Praxissemester in der Cooperativa Agraria Aproeco, einer auf Kaffee spezialisierten Agrargenossenschaft in Peru, absolviert und berichtet im Folgenden darüber, wie er seine Arbeit im Ausland erlebt hat.

Auf mein Praktikum war ich durch Reisen und freiwillige Vorpraktika in Peru, sowie durch Hausarbeiten und ein Austauschsemester in Kolumbien, bereits vor dem Praxissemester gut vorbereitet. Da die Region kritische sozioökonomische Indikatoren aufweist und die Kooperative sich auch in einer prekären Situation befindet, wurde auf Bezahlung verzichtet. Zunächst muss man von der Hauptstadt Lima in den Dschungel nach Tarapoto fliegen und dann von dort durch die Berge am Rand des Amazonasbeckens mit einem Sammeltaxi nach Moyobamba fahren. Bewerbungsmodalitäten konnten unkompliziert mit dem jungen Geschäftsführer vereinbart werden. Die Arbeitseinteilung erforderte ein hohes Maß an Initiative seitens des Praktikanten.

Das Praktikum erfolgte in zwei Bereichen:

(A)
Projektmanagement: Drei Projekte wurde im Laufe des Praktikums realisiert. Eine Technologiebewertung für eine Imkerei in der Kaffeeproduktion, ein experimentelles Produktentwicklungsprojekt und ein Pionierprojekt im Verkauf von hochspezialisierten Prozessen und Produkten.

(B) strategische Planung: Auf die Arbeitserfahrung im Fraunhofer Institut für Innovation und System aufbauend, realisierte ich eine multiperspektivische Szenarioanalyse mit aufbauender Strategieanalyse. Hierbei moderierte ich in mehreren Schritten Workshops mit 22 externen und internen Experten. Mithilfe der Primär- und Sekundärdaten wurden drei Szenarien für die Kaffeeregion im Jahr 2050 entwickelt und auf www.researchgate.com veröffentlicht. Intern entwickelten und analysierten wir darauf aufbauend Strategien.

Die Kultur ist im Regenwald Perus warmherzig, offen, bunt und tolerant. Am Rand der riesigen Nationalparks leben vor allem spanischsprachige Mestizen, aber auch noch Indianerethnien. Hier im Auftrag der Armutsbekämpfung und des Klimaschutzes zu arbeiten, war eine besondere Ehre und rückte das Praktikum nahe an den Begriff der Entwicklungsarbeit. Arbeitskollegen sind bei der gängigen 6-Tage-Woche schnell Freunde geworden, und generell verschmolz Privates, schneller als in Europa, mit dem Beruflichen. Mitten in überwältigender Natur lebend verliert die Uhrzeit an Bedeutung und alles ist immer in dramatischer Bewegung. Deshalb passierten viele Dinge auch spontan, um im Sinne des Opportunismus Momentum zu nutzen. Rund um Moyobamba gibt es unglaublich viel Sehenswürdiges wie archäologische Stätten, Wasserfälle, Thermalquellen, ein Schloss oder die prä-Inka Festungsruine Kuelap.

Die Szenarioanalyse gewann nach dem Praktikum eine Ausschreibung der Specialty Coffee Association, sodass ich mit zwei Vertretern der Kooperative im Juni einen 60-minütigen Vortrag auf dem World of Coffee Festival in Amsterdam darüber halten durfte.

Der nächste Schritt ist nun 2018 die Unternehmensgründung, gemeinsam mit einem ehemaligen Studenten der Hochschule. So können wir nicht nur weiter ehrenamtlich helfen, sondern auch unsere Arbeitskraft auf den fairen Handel mit nachhaltigen tropischen Spezialitäten konzentrieren. Darauf freuen wir uns sehr.