Vortrag Globale Wertschöpfungsnetzwerke - Herausforderungen und Chancen in der Produktion in Indien

26. Juni 2019

Ayudha Puja ist in Indien ein Feiertag. Dann haben nicht nur MitarbeiterInnen frei, auch die Maschinen müssen ruhen. Der Grund: sie werden an diesem Tag gesegnet, damit sie weiterhin zuverlässig laufen.

Im Studium an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften spielen Erfahrungen im internationalen Umfeld und interkulturelle Kompetenz eine wichtige Rolle. Studierende erfuhren in der Vorlesung „Globale Wertschöpfungsnetzwerke“ von Prof. Dr. Claas Christian Wuttke am 26. Juni 2019 aus erster Hand, wie diese Kompetenzen in der Praxis umgesetzt werden können. Das Fest Ayudha Puja ist dabei nur ein Beispiel, wie sich lokale Traditionen und Religion, als ein Faktor von vielen, auf die Produktion im Ausland auswirken. Praxisnah und persönlich gab Herr Dr. Rennfelder, Managing Director der Groz-Beckert Asia Pvt. Ltd., dem weltweit führenden Anbieter von industriellen Maschinennadeln, Einblicke in seine Erfahrungen als Geschäftsführer und Werksleiter in Indien.

Das 1854 in Deutschland gegründete Unternehmen Groz-Beckert mit Stammsitz in Albstadt ist längst nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt tätig und erfolgreich. Mit seinen Produkten und Leistungen spielt es eine Schlüsselrolle bei der Herstellung und Fügung von Textilien. Um Innovationen in Zusammenarbeit mit Kunden voranzutreiben, betreibt das Unternehmen ein eigenes Technologie- und Entwicklungszentrum.

 

Seit 1960 produziert Groz-Beckert auch in Indien. In ganz Asien hat das Unternehmen 3750 MitarbeiterInnen. In dem Vortrag von Herrn Dr. Rennfelder erfuhren die Studierenden, welche spezifischen Herausforderungen aber auch Chancen die Produktion in Indien mit sich bringt: Zu den größten Herausforderungen gehört zum Beispiel die unzuverlässige Infrastruktur (Gas, Wasser, Elektrizität). Stromausfälle, auch mehrmals am Tag, sind keine Seltenheit. Deshalb sind robuste Produktionssysteme absolut notwendig. Andererseits wird die Infrastruktur – ebenso wie die Umweltbedingungen – immer weiter optimiert und Indien ist durch seine Größe ein sehr interessanter Markt.

Große Unterschiede gibt es in Kultur, Religion und Politik: So ist der Kündigungsschutz sehr stark ausgeprägt, was natürlich die soziale Sicherheit für die Mitarbeiter erhöht, aber eben auch negative Konsequenzen für die Arbeitsmotivation Einzelner hat. Andererseits hat die 6-Tage-Woche in der Produktion Vorteile bei der Wettbewerbsfähigkeit hinsichtlich der Produktivität. Großen Einfluss auf die Wertschöpfung in Indien hat auch das Bildungssystem, das stark auf Reproduktion ausgelegt ist. Das führt dazu, dass die erlernte Arbeitsweise manchmal nicht der in Deutschland gewohnten Vorstellung von gut ausgebildeten Mitarbeitern entspricht. Die Lösung liegt z.B. im Aufbau einer eigenen gewerblichen Ausbildung und dem intensiven Coaching von Fach- und Führungskräften. Diese Bereiche machen einen signifikanten Teil der Tätigkeit von Herrn Dr. Reinfelder ausmacht und viel Konsequenz in der Führung verlangt.

Herr Dr. Reinfelder zeigte, wie viele der, im Rahmen der Vorlesung gezeigten, Konzepte zur Gestaltung und dem Betrieb von Globalen Wertschöpfungsnetzwerken am ganz konkreten Beispiel seiner Unternehmseinheit in Indien umgesetzt werden können. Außerdem verdeutlichte er die Herausforderungen, mit denen er in seiner Funktion konfrontiert ist.

Kontakt

Fakultät für Wirtschaftswissenschaften

Sprechzeiten Sekretariat:
Montag - Freitag
09:00 - 13:30 Uhr

K103B und K104A
Moltkestr. 30, 76133 Karlsruhe
E-Mail Sekretariat.Wspam prevention@hs-karlsruhe.de

Anfahrtsplan
Lage- und Gebäudeplan