Ausschuss für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften tagt in Karlsruhe


Vom 9. bis 11. Juni 2016 hielt der Ausschuss für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften (AGW) seine Jahrestagung in den Räumen der Literarischen Gesellschaft im Prinz-Max-Palais in Karlsruhe ab. Prof. Dr Hagen Krämer und Prof. Dr. Johannes Schmidt, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (W) und Mitglieder des Ausschusses, waren die lokalen Organisatoren der Tagung.

Im AGW versammeln sich Wirtschaftswissenschaftler, die sich intensiv mit Geschichte, Theorien, Methoden und Institutionen, Schulen und Strömungen ihres Faches sowie mit dem Leben und Werk einzelner Ökonomen befassen. Dem Ausschuss gehören Volks- und Betriebswirte, Wirtschaftstheoretiker und -politiker sowie (Wirtschafts-)Historiker an. Er ist einer von rund 20 Fachausschüssen des 1873 gegründeten Vereins für Socialpolitik, der größten Vereinigung von Wirtschaftswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum.

Seit einiger Zeit wird in der Wirtschaftswissenschaft die Theorie der säkularen Stagnation (wieder) intensiver diskutiert: Gemeint ist damit eine Wirtschaftsentwicklung, bei der die Wachstumsraten des Pro-Kopf-Einkommens auch in der langen Frist sehr gering bis Null sind. Vor diesem Hintergrund befasste sich der AGW auf seiner diesjährigen Tagung mit Stagnations- und Deflationstheorien und erörterte die theoriegeschichtlichen Hintergründe der aktuellen Debatte. Insgesamt sieben Referate, die lebhaft diskutiert wurden, leuchteten unterschiedliche Aspekte von Stagnationstheorien aus:

• Prof. Dr. Heinz D. Kurz (Universität Graz) gab einen Überblick über Stagnationstheorien in der ökonomischen Theorie seit der Klassik.
• Prof. Dr. Heinz-Peter Spahn (Universität Hohenheim) diskutierte ein neues Modell, in dem der Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum, Ersparnis, Zins und Stagnation behandelt wird.
• Prof. Dr. Harald Hagemann (Universität Hohenheim) stellte die aktuelle Diskussion um die säkulare Stagnation in den Kontext der Überlegungen von Alvin Hansen, dem Ökonomen, der den Begriff Ende der 1930er Jahre prägte.
• Dr. Günther Chaloupek (Wien) stellte die deutsche Diskussion um den sog. Spätkapitalismus und seine Stagnationstendenzen aus den 1920er Jahre vor.
• Prof. Dr. Hansjörg Klausinger (Wirtschaftsuniversität Wien) erörterte die Sichtweise der Österreichischen Schule der Ökonomie zur Analyse der Großen Depression.
• Prof. Dr. Hans-Michael Trautwein (Universität Oldenburg) würdigte die Beiträge des deutschen Ökonomen Hans Neisser zu struktureller Deflation und persistenter Arbeitslosigkeit.
• Prof. Dr. Ingo Barens (Technische Universität Darmstadt) lieferte einen theoriegeschichtlichen Rückblick auf Analysen zum Phänomen nicht-positiver Zinsen.

Abgeschlossen wurde die Tagung mit einem Besuch des Rechtshistorischen Museums, das sich in den Räumen des Bundesgerichtshofs befindet. Rechtsanwalt Dr. Karl Zippelius gab den Ausschussmitgliedern eine ebenso informative wie unterhaltsame Führung.

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