Zwischen den Gerüsten

Werkraum für Theater, Tanz und Akrobatik im Kreativpark Alter Schlachthof

Im Zentrum des Entwurfs steht der punktuelle Eingriff in den Bestand durch Addition verschiedener filigraner Gerüstelemente. Dabei soll der Charakter und die Identität des Ortes nicht radikal verändert oder sogar erneuert werden, sondern vielmehr in seiner jetzigen Stärke vernetzt und neu belebt werden. So ist ein wichtiges Ziel, einen kommunikativen Ort zu schaffen, der die Nutzer des Zentrums untereinander verbindet. 

Die einzelnen Gerüstelemente tauchen in mehreren und unterschiedlichen Variationen als filigranes Gerüst auf. Über dem ehemaligen Maschinenhaus stülpt sich die erste Struktur. Dieses Gerüst definiert sich durch klimatisch getrennte Räume und im Gerüst hängende Plattformen.  Warme, geschlossene Räume füllen das Gerüst und werden durch den Werkraum beansprucht. In dem im Gerüst eingewobenen Baukörper befinden sich ein großzügiger Probenraum, Umkleiden sowie ein Büro. Dieser Komplex ist mit dem Obergeschoss des Bestandes direkt verbunden.

Außerhalb des eingewobenen Baukörpers hängen verschiedene Plattformen, welche zusätzliche Freiräume, Rückzugsorte, aber auch kommunikative Bereiche schaffen. So ermöglicht diese Struktur bei besonderen Veranstaltungen die besondere Nutzung des Hofes auch als Freilichtbühne.

Im ehemaligen Kesselhaus steht in der Flucht des Turmes ein weiteres Gerüst, welches als Beobachtungsplattform dient. Es definiert sich durch die Qualität des Zusammentreffens – hier können alle dort Probenden sich treffen und gemeinsam Artistik  beobachten und zur Ruhe kommen. Der Charakter des ehemaligen Kesselhauses wird verstärkt durch die flexible Stellung der Gerüste – Artisten sollen weitere Gerüste variabel stellen und frei nutzen können. Darüber hinaus kann dieses Gerüst je nach Veranstaltungsart auch als Zuschauerbereich fungieren. Hier entsteht zwischen den Gerüsten ein kommunikativer und durch Artistik geprägter Ort. Als Zuschauerbereich und filigranes Wandelement dient das nächste Gerüst im ehemaligen Schweineschlachthaus – der sogenannten Basilika. Von hier aus kann eine Aufführung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachtet und ganz individuell gelesen werden. Die Erschließung erfolgt über eine Gerüstbrücke, welche den Charakter des Foyers stärker hervor-bringt. Je nach Veranstaltungsart kann man zudem den Saal bestuhlen und eine freie Gerüstbühne stellen.

Einfache und starke Gerüstelemente sollen die Potenziale des Bestandes punktuell hervorheben und verstärken. Alle Elemente haben das Ziel die Nutzer zu verbinden und Kommunikation auf unterschiedlichste Weise zu schaffen. Jedes Gerüst wird geprägt durch seine individuelle und flexible Nutzung. Angepasst an die Vorstellungen der Nutzer und der jeweiligen Situation können Gerüste in ihrem Aufbau und ihrer Struktur verändert und variabel angepasst werden. Jeder Nutzer des Schlachthofes kann und soll den Gebäudekomplex selbst mitgestalten und individuell nutzen können.

(Auszug aus der Entwurfserläuterung)