DER OFEN BLEIBT AUS

Umnutzung in ein urbanes Quartier: Areal der Kehrichtverbrennungsanlage Zürich


Das Gebiet Zürich-West befindet sich im Industriequartier Zürichs und war lange Zeit bedeutender Standort für Industrie und Wirtschaft bis mit Beginn der achtziger Jahre eine große Umstrukturierung des Gebietes stattfand. Zahlreiche Gebäude wurden umgebaut und neu genutzt – so sorgten neue Betriebe wie Bars, Galerien, Theater, Medien oder Diskotheken für einen Imagewandel und dadurch zur Entwicklung in ein Kultquartier. Inzwischen sind die meisten der Industriebauten bereits umgewandelt oder umgenutzt, nur wenige besitzen noch ihren ursprünglichen Zustand und Funktion – darunter fällt auch das Areal der Kehrichtverbrennungsanlage.
Ziel des Entwurfs ist daher das Gebiet der bald ehemaligen Müllverbrennungsanlage sinnvoll umzunutzen und in das Kultquartier Zürich-West zu integrieren.

Um die Gebiete östlich und westlich des Gebietes besser miteinander zu verknüpfen wird zunächst eine neue Wegeverbindung geschaffen, die vom Viadukt abzweigt und durch einen neu angelegten grünen Innenhof führt. Dieser Hof wird zum Teil auf ein Plateau angehoben um öffentliche und private Bereiche zu trennen. Diese Plattform soll an die flachen Hallen der angrenzenden Industriebebauungen erinnern und stellt gleichzeitig den ersten von zwei neuen Baukörpern dar. Diese „Halle“ bildet das Podest für einen aufgelösten Blockrand, welcher sich wiederum mit den Blockrandbebauungen des benachbarten Wohnquartiers identifizieren soll. Die neu entstehenden Freiräume im Innenhof sollen zum einen ein Pendant zur gegenüberliegenden Josefwiese bilden und zum anderen einen Kontrast zu dem geben, was ursprünglich auf diesem Areal produziert wurde.
Der entstehende Neubau weist eine rege Nutzungsmischung auf. Das Plateau bildet das Erdgeschoss. Hier finden sich neben Gewerbezonen, Gastronomie und Büroräume auch die privaten Eingänge für die oberen Geschosse wieder. Im „dunklen“ Bereich im Zentrum der Halle werden Nebenräume sowie eine Großgarage für Bewohner und Besucher untergebracht. Die oberen Geschosse bilden. Das Besondere an diesen Wohngeschossen sind die Gemeinschaftsbereiche, die sich in den einzelnen Ebenen wiederfinden. Der begrünte Innenhof ist zum einen von den angrenzenden Wohnungen und Gemeinschaftsräumen, sowie von einer Ebene höher durch Treppen zugänglich.

Die ehemalige Turbinenhalle, die sich nördlich an der Josefstraße befindet, wird für eine weitere Nutzung durch die KVA erhalten. Eine Verwaltungseinheit und ein kleiner Werkhof, sowie der Zugang zu dem unterirdisch liegenden Fernstromnetz werden hier integriert. Die ehemalige Ofenhalle steht nach Entfernung der zwei ehemaligen Verbrennungsöfen weitestgehend leer – übrig bleiben lediglich Lauf- und Treppenstege, die ein Wegenetz über verschiedene Ebenen in der Halle bilden. Diese schon vorhandene Treppenanlage soll weiterhin bestehen bleiben. Da eine großflächige Bebauung durch das komplizierte Wegenetz sinnlos wäre, werden an die brachen Flächen der einstigen Öfen Container gesetzt, beziehungsweise in den verschiedenen Ebenen übereinander „gestapelt“. Diese sollen als Arbeitsräume dienen und können sowohl von Bewohnern als auch von Studenten oder externen Firmen genutzt werden. Der Nordturm wird mit seinem nahezu quadratischen Grundriss zu einem Studentenheim umgenutzt. In der unteren Ebene finden sich Verwaltung und Nebenräume wieder. Darüber wird jedes Geschoss zu einer Wohngemeinschaft ausgebildet. Der Südturm, der unterhalb der Ofenhalle liegt, beginnt erst ab Ebene 2. Hier werden einfache Kleinstwohnungen zur Verfügung gestellt. Auf Ebene 3 gibt es östlich eine gemeinsame Plattform, welche direkt gegenüber dem Viadukt liegt und die drei Bestandsgebäude miteinander verbindet und gemeinsame Treffpunkte schafft. Durch diese Plattform verläuft auch der markanteste Baukörper des Areals: Der ehemalige Schornstein soll erhalten bleiben und durch eine Wendeltreppe Besuchern und Bewohnern einen Ausblick über die Stadt ermöglichen. Die Fassaden des Neubaus sind an Anlehnung des Bestandes entstanden und kombinieren die Farbgebung und Struktur durch neue Elemente. Dadurch soll das bereits große Spektrum an Farben und Materialien nicht weiter ausgedehnt werden.

(Auszug aus der Entwurfserläuterung)