Machbarkeitsstudie Südtangente

Ausgangssituation:

In Karlsruhe soll, anlässlich des 300jährigen Jubiläums im Jahr 2015, ein neues räumliches Leitbild mit dem Planungshorizont 2050 entwickelt werden. Dazu wurden drei Gruppen, bestehend aus Architekten, Bauinenieuren und Stadtplanern, im Rahmen einer Planungswerkstatt beauftragt, die Entwicklungsmöglichkeiten Karlsruhes in der Zukunft zu ermitteln und darzustellen.

Karlsruhe ist im Hinblick auf die stadtplanerische Entwicklung schon auf drei Seiten durch große Infrastrukturen begrenzt. Auf Grund dessen gilt es, Konzepte zu entwickeln, die weniger die Ausdehnung in der Fläche als Ziel haben, sondern sich damit beschäftigen, die schon benutzte Fläche umzustrukturieren und effektiver zu gestalten.

Unter den entwickelten Konzepten befand sich auch eines für die Umgestaltung der Südtangente und des anliegenden Industriegebietes, um die Trennwirkung der Südtangente aufzuheben, somit wertvolle Räume zurückzugewinnen und die Gebiete wieder "näher" an die Stadt heranzuholen. Diese Thematik wurde durch die studentische Projektarbeit aufgegriffen, in der fiktiv verschiedene Varianten zur Aufhebung der Trennwirkung unter technischen Kriterien näher untersucht wurden.

Da der Transitraum Süd ein relativ großes Gebiet umfasst, wurde zu Beginn der Projektarbeit ein Planungsbereich für die zu untersuchende Maßnahme festgelegt. Dieser beschränkt
sich auf den Bereich der Südtangente zwischen dem Edeltrudtunnel im Osten und, einschließlich, der Anschlussstelle „Kühler Krug“ im Westen, da dort auf Grund der anliegenden Bebauung und der Günther-Klotz-Anlage der größte Nutzen zu erwarten ist.

Zur Bearbeitung wurden unter anderem Luftbilder, Lärmkartierungen, Verkehrsdaten, Flächennutzungs- und Verkehrsentwicklungspläne, welche von der Stadt Karlsruhe zur Verfügung gestellt wurden, verwendet.

Als erster Schritt wurde das Vorhaben der Umgestaltung eines Abschnitts der Südtangente mit gleichartigen Referenzprojekten in Bezug auf Straßenklassifizierung, Verkehrsbelastung, Umgebung und Kosten verglichen. Die hierfür notwendigen Daten wurden bei den zuständigen Stellen erfragt oder in Eigenarbeit erhoben. Auf Grundlage dieser Vorüberlegungen wurden drei Varianten für den Umbau der Südtangente entwickelt.

Variante 1 sieht dabei vor, den Edeltrudtunnel bis Beginn "Bulacher Kreuz" zu verlängern und der Südtangente eine verglaste Einhausung (ohne Rampen) über die Länge des Bulacher Kreuzes hinzuzufügen. Anschließend soll eine Tieferlegung der Gradiente in den Tunnel bis zur Anschlussstelle "Kühler Krug" erfolgen. Zudem ist hierbei vorgesehen, die Fahrbahn auf drei Richtungsstreifen zu erweitern. Die Gesamtlänge des zu bebauenden Streckenabschnitts beträgt 2 km und durch die Untertunnelung ist die Möglichkeit einer Bebauung der nun freien Fläche gegeben.

Variante 2 verwendet eine verglaste Einhausung zwischen dem Knotenpunkt "Bulacher Kreuz" und der Anschlussstelle "Kühler Krug". Hierbei ist keine Tieferlegung der Gradiente notwendig, allerdings ist auch hier wie in Variante 1 eine Fahrstreifenerweiterung vorgesehen, in diesem Fall durch dynamische Seitenstreifen. Der in dieser Variante zu bebauende Streckenabschnitt beträgt 1,6 km.

Variante 3 arbeitet ebenfalls ohne eine Tieferlegung der Fahrbahn. Hier soll eine begrünte Einhausung vom Ende des Bulacher Kreuzes bis zur Anschlussstelle "Kühler Krug" erfolgen. Dies soll mit Integration in bestehende Bauwerke erfolgen. Bei dieser Variante wird keine Fahrbahnerweiterung eingeplant, der zu bearbeitende Streckenabschnitt hat eine Länge von 1,5 km.

Der nächste Arbeitsschritt war die Analyse der Varianten im Hinblick auf technische Gestaltung, Bauphasenplanung, Kosten und Auswirkungen auf Verkehr, Städtebau sowie Umwelt- und Lärmschutz. Nach der anschließenden Bewertung und dem Vergleich der Varianten hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile, erfolgte abschließend die Abwägung, welche Variante die "machbarste" ist.

Fazit:

Durch die Untertunnelung im Bereich zwischen Kühler Krug und Bulacher Kreuz kann die heute bestehende Trennwirkung komplett aufgehoben werden. Bei Variante 3 mit begrünter Decke der Einhausung wird die Trennwirkung nur bedingt reduziert, da die bauliche Barriere durch den Höhenunterschied zu den angrenzenden Gebieten weiterhin bestehen bleibt. Bei Variante 2 bleibt die Trennwirkung durch die verglaste Decke der Einhausung weiterhin bestehen. Zusätzlich kann der Deckel der Variante 1 bebaut werden, wodurch auch das Ziel der Stadt Karlsruhe, Wohnräume zu generieren ohne neue Flächen in Anspruch nehmen zu müssen, erreicht werden kann. Die im Vergleich zu den Varianten 2 und 3 deutlich höheren Investitionskosten könnten so durch den Verkauf der Baugrundstücke gegengerechnet werden.

Auch im Bezug auf Umwelt- und Lärmschutz bestehen bei Variante 1 die meisten Vorteile. Jedoch birgt
der Tunnel im Hinblick auf Sicherheitseinrichtungen und Betriebskosten mehr Aufwand. Durch die Fahrstreifenerweiterung bei den Varianten 1 und 2 ist zusätzlich eine Verbesserung der Verkehrsqualität zu erwarten.

Nach Durchführung der Machbarkeitsanalyse und nach Entscheidung für eine der Varianten, können nun genauere Detailplanungen für die Ausführung der Baumaßnahme durchgeführt werden, im vorliegenden Fall für Variante 1 mit der Untertunnelung der Südtangente zwischen Kühler Krug und Bulacher Kreuz sowie dem anschließenden Einhausungsbauwerk an den Edeltrudtunnel.

Angaben zum Projekt

Betreuung

Prof. Dr.-Ing. Markus Stöckner

Prof. Dr.-Ing. Christian Holldorb

Prof. Dr.-Ing. Jan Riel

 

Teilnehmer

Elisabeth Degitz

Tobias Knaus

Achim Mall

Lars Mauch

Felix Polfer

Tim Reuber

Marc Rühle

 

Vielen Dank auch an Herrn Vincent Scheiffelen vom Stadtplanungsamt der Stadt Karlsruhe für die Unterstützung des Projektes.