Praxissemesterbericht von Thuy Trang Bach

Studiengang: Elektrotechnik – Erneuerbare Energien und Energietechnik

 

Wo haben Sie Ihr Praxissemester absolviert?

Ich habe mein sechsmonatiges Praxissemester bei der Firma Haefely Test AG in Basel (Schweiz) absolviert. Ich beschäftigte mich dort mit der Entwicklung von Hochspannungsprüf- und Messtechnik.


Wie kam der Kontakt zum Unternehmen zustande?

Ich habe mich auf eine Praktikumsanzeige beworben. Ich wurde zum Skype-Interview eingeladen und habe daraufhin eine Zusage erhalten.

 

Woran haben Sie gearbeitet?

Ich habe eigenverantwortlich ein Prüfsystem für eine Spannungsquelle entwickelt. Dabei handelt es sich um einen Schaltschrank mit integriertem Frequenzumrichter, der als Quelle für das modulare Hochspannungsprüfsystem "KIT" verwendet wird. Ich musste mir Gedanken machen, was der Schaltschrank kann, was ich testen muss und wie. Daraufhin habe ich mir elektrische Schaltungen für neun zu testenden Komponenten überlegt und in einer Box kompakt zusammengeführt. Dies war meine Hauptaufgabe. Von der Planung bis zur fertigen Realisierung (Bauteile bestellen, Platinen layouten, Prüfbox bestücken und anschließend auch testen) hatte ich die Verantwortung für dieses Projekt. Die Verantwortung war zwar auch ein Stressfaktor, gleichzeitig war ich aber stolz, dass mir diese Verantwortung übertragen wurde und bin daran in fachlicher und menschlicher Hinsicht gewachsen.

 

Welche Wissensbereiche kamen zum Einsatz?

Hilfreich waren für mich dabei die Wissensbereiche Messtechnik, Elektronik, Maschinenbau, Wechsel- und Gleichstromtechnik. Ich habe im Niederspannungsbereich gearbeitet (bis 24 VDC), weshalb die Hochspannung bei meinem Projekt nicht zum Tragen kam, allerdings durfte ich ab und zu Tests begleiten und auch mit anpacken, als Prüflinge unter Hochspannung gesetzt wurden.

 

Was war die spannenste Technik mit der Sie in Berührung gekommen sind?

Im Hochspannungsprüffeld war es sehr beeindruckend mal eben mehrere hundert Kilovolt auf einen Prüfling zu geben. Es war auch spannend den Umgang mit der Elektronik zu lernen und den Übergang von der Theorie in die Praxis zu erleben.

 

An welchen Satz von einem Prof. aus dem Studium haben Sie sich während dem Praxissemester insgeheim erinnert?

Elektronik von Herrn Wolfrum: Einen Transistor darf man in der Emitterschaltung wegen der Stromgegenkopplung nicht am Emitter belasten!

 

Was hat Ihnen an Ihrer Arbeit dort Freude bereitet?

Die Atmosphäre war überragend. In meiner Abteilung waren viele junge Mitarbeiter (zwischen 30 und 40 Jahre). Ich wurde herzlich aufgenommen. Ich bin gerne freiwillig länger da geblieben, vor allem weil ich mich nicht unter Druck gesetzt gefühlt habe. Mein Projekt war sehr interessant und ich hatte viele Freiheiten, meine Ideen auszuprobieren. Wenn ich mal nicht weiter kam, konnte ich immer jemanden ansprechen und meine Fragen wurden beantwortet.

 

Wo wurde es knifflig?

In der Elektronik. Ich musste unter anderem einen Funktionsgenerator bauen, der in festen Verhältnissen in Frequenz und Spannung umstellbar sein sollte und die Toleranz von einem Prozent einhalten musste. Es hat mich einen ganzen Monat gekostet, die Feinheiten herauszuarbeiten.

Schwierig wurde es auch für mich, als ein Arbeitskollege, der meine Arbeit, die sich noch mitten in der Entwicklung befand, direkt beim Geschäftsführer angeprangert hat. Aber dadurch habe ich gelernt, mich auch mit solchen Situationen auseinanderzusetzen. Es wird immer einen Störenfried in einer Arbeitsumgebung geben und man muss lernen damit umzugehen.

 

Welches Erlebnis brachte Sie zum Staunen? Was hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen?

Die Hilfsbereitschaft meiner dortigen Arbeitskollegen hat mich beeindruckt. Wow-Momente waren zum Beispiel: So also funktioniert ein Relais, den Transistor darf man nur so beschalten, diese Tricks gibt es also im Lötlabor. Wenn ich etwas neu plane, muss ich ja an tausend Sachen denken, die mir davor gar nicht in den Sinn kamen!

 

Wo haben Sie gewohnt?

Ich habe dort eine möblierte Wohnung gestellt bekommen. Ich habe in Großbasel gewohnt und konnte mit dem Rad zur Arbeit fahren.

 

Wie war ihre Freizeitgestaltung? Was hat Sie an Basel fasziniert?

Der Rhein. Ich hatte das Glück, dass es im September noch so warm war und ich im Fluss schwimmen konnte. Sofort habe ich Basel dadurch in mein Herz geschlossen. Ich habe auch gerne mal am Fluss gesessen und gelesen. Da ich gerne singe und E-Piano spiele, war es eine große Freude, dass ich für das halbe Jahr einen Chor gefunden habe, in dem ich herzlich aufgenommen wurde, der "Contrapunkt Chor".

Ich habe mir die Halbtax (wie Bahncard 50) geholt und bin etwas in der Schweiz herum gereist. Während dem Studium in Karlsruhe hatte ich in den Semestern zuvor nicht viel Zeit für mich, da ich beispielsweise Nachmittage für Arbeit in der Fachschaft, Mentoring und in Sitzungen in diversen Gremien der Hochschule verbracht habe – zusätzlich zum eigentlichen Studium. Ich habe es im Praxissemester einfach genossen, mal zu lesen, die Sonne zu genießen oder mich mal wieder ans Klavier zu setzen. Sportlich habe ich mit einigen Kollegen einmal pro Woche in der Mittagspause zum Laufen getroffen. Das Kulturangebot habe ich in Anspruch genommen.

Ich habe einige Museen wie das Tinguely Museum oder Museum der Kulturen besucht. Die sind Klasse! Basel hat eine sehr hohe Museumsdichte von ca. vierzig an der Zahl. Ich war im Musical „Die Schöne und das Biest“, habe die Fastnacht miterlebt und meine bessere Hälfte kennengelernt. In einem Ingenieursunternehmen sind nicht viele weibliche Mitarbeiter anzutreffen, aber zufällig gab es noch eine andere Praktikantin, mit der ich bis heute ebenfalls im Kontakt stehe.

 

Was nehmen Sie aus dem Praxissemester für die Zukunft mit?

Gott sei Dank – ich habe das Richtige studiert! Die Technik, also das Anfassen und Realisieren von Elektronik hat mir unglaublichen Spaß gemacht, genauso aber auch Versuche zu fahren und einfach in der Entwicklung mitzuarbeiten. Zu sehen, dass das Gelernte an unserer Hochschule mich weiter gebracht hat, ich es anwenden konnte, hat mich unglaublich gefreut. Für meine weitere Karriere würde ich mich gerne noch weiter in die Technik vertiefen, vielleicht als nächstes in Richtung elektrischer Maschinen oder Berechnung von Situationen und Problemen. Ich finde es wichtig, mich jetzt noch mehr in die Technik zu vertiefen und da weitere Erfahrungen zu sammeln.

 

Was könnten Sie anderen Studierenden für das Praxissemester empfehlen? Was würden Sie das nächste Mal anders machen?

Traut euch von den bekannten Firmen weg und auch unbedingt ins Ausland! Die Schweiz ist nicht unbedingt weit weg und doch „total anders“ als Deutschland. Das Praxissemester ist auch eine Chance sich in einem Fach oder in einer Richtung weiter zu entwickeln, in der man bisher nicht so stark ist, sich aber verbessern will. Es lohnt sich, die Professoren zu fragen, welche Firmen sie dir empfehlen können oder wo du nach solchen Firmen suchen kannst.

Was ich anders machen würde? Ich würde nicht mehr 27 Paar Schuhe mitnehmen. ;-) Aber alles andere würde ich genauso nochmal machen!

 

Kontakt:
thuytrang.bach[ät]gmx.net

 

Praxissemesterbetreuer in der Hochschule Karlsruhe:
Prof. Dr.-Ing. Thomas Ahndorf
E-Mail: thomas.ahndorf[ät]hs-karlsruhe.de

 

Praxissemesterbetreuer im Unternehmen:
Prof. Dr.-Ing. Johannes Stolz
E-Mail: stolz[ät]hs-koblenz.de
(er hat mittlerweile eine Professur an der FH-Koblenz seit März 2016)

Fotos aus dem Praxissemester:

Fotos: Thuy Trang Bach