Beispielhafter akademischer Karriereweg

Absolvent der Hochschule Karlsruhe promoviert erfolgreich auf dem Gebiet des maschinellen Sehens

5. November 2018

Niclas Zeller nahm das Studium im Bachelorstudiengang Elektrotechnik – Kommunikations- und Informationstechnik an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft 2007 auf, das er nach erfolgreichem Abschluss im Masterstudiengang Elektrotechnik fortsetzte. Dieses führte ihn 2011 über ein Doppelabschlussprogramm an die Ryerson University im kanadischen Toronto. In seiner Abschlussarbeit befasste er sich mit der Entwicklung von Methoden zur Objekterkennung, beispielsweise zur Hinderniserkennung für Blinde. Hierfür verwendete er das Microsoft-System „Kinect“, eine Kombination aus 3D-Sensor und Kamera, das ursprünglich zur Gestensteuerung in Videospielen entwickelt wurde. Lohn der Mühe: zwei Masterabschlüsse, neben dem der Hochschule Karlsruhe auch den der kanadischen Partnerhochschule. 2013 wurde er für seinen hervorragenden Abschluss auf der Akademischen Jahresfeier der Hochschule Karlsruhe mit dem Preis der Siemens AG ausgezeichnet.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland konnte er in Kooperation mit der TU München die Arbeit an seiner Promotion aufnehmen. Anknüpfend an seine Masterthesis geht es in dieser um die Entwicklung von Methoden zur Bestimmung von Eigenbewegungen und -position sowie einer 3D-Rekonstruktion der Umgebung – ausschließlich basierend auf der Videosequenz einer Kamera. Für die hier eingesetzten sogenannten SLAM-Methoden (Simultaneous Localization and Mapping) verwendet Niclas Zeller eine neuartige Lichtfeldkamera. Diese Ansätze können beispielsweise die räumliche Navigation für Blinde erleichtern oder auch in autonomen Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Dabei kommen solche kamerabasierten Ansätze ohne externe Infrastruktur aus, also beispielsweise ohne GPS. „Im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen für traditionelle Kameras sind die von mir entwickelten Methoden, basierend auf Lichtfeldkameras, in der Lage mit nur einer Kamera die Umgebung maßstabsgetreu zu rekonstruieren,“ so Niclas Zeller.

Ende Oktober konnte er seine Arbeit vor der Prüfungskommission, der auch Prorektor Prof. Dr.-Ing. Franz Quint von der Hochschule Karlsruhe angehörte, mit Auszeichnung verteidigen und wurde damit erfolgreich zum „Dr.-Ing.“ promoviert. Auf die Suche nach einem Arbeitgeber muss er sich im Anschluss nicht begeben, denn bereits seit Mai des Jahres arbeitet er bei dem in Karlsruhe ansässigen Unternehmen Visteon, das sich auf Fahrzeugelektronik und -software spezialisiert hat. Dort entwickelt er in der Abteilung für Fahrerassistenzsystem und Autonomes Fahren neue und damit verbesserte Methoden zur Fahrzeuglokalisierung und Umgebungswahrnehmung, basierend auf Kameras.

„Hätte man mich vor 15 Jahren gefragt, hätte ich sicherlich nicht gedacht“, so Dr.-Ing. Niclas Zeller, „dass ich nach einer Ausbildung zum Mikrotechnologen und der Fachhochschulreife einmal diesen Weg gehen werde, zumal ich in der Schule kein ‚Überflieger‘ war. Dies habe ich auch der sehr guten Ausbildung an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik zu verdanken und den mit offenen Türen und jederzeit gesprächsbereiten Professoren. Besonders dankbar bin ich dabei meinem Mentor, Prof. Dr.-Ing Franz Quint, dem heutigen Prorektor für Forschung, Kooperationen und Qualitätsmanagement an der Hochschule Karlsruhe, der mich seit dem 4. Semester begleitet und gefördert hat.“

Seit März 2018 ist Niclas Zeller mit der Vorlesung „Verarbeitung mehrdimensionaler Signale“ Lehrbeauftragter an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Karlsruhe.