Leuchtturmprojekt der Nachhaltigkeit

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft entwickelt Grundlagen und Methodik für ein Weißbuch der Nachhaltigkeit der TechnologieRegion Karlsruhe

2. Juli 2018

Strom einzusparen oder Müll zu trennen und zu recyceln zählt weithin zu den Maßnahmen, die der Nachhaltigkeit dienen. Doch eine nachhaltige Entwicklung, wie sie die Vereinten Nationen mit der Agenda 2030 im Jahr 2015 verabschiedeten, benennt weit mehr Themenfelder. Insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele sind dort definiert, darunter auch Frieden und Gerechtigkeit oder hochwertige Bildung. Auf Grundlage dieser Agenda, umgesetzt in der Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland, entwickelte die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft in Kooperation mit der gemeinnützigen Unternehmerinitiative fairantwortung das FairBook. Dieses bietet Grundlagen und Methodik für ein Weißbuch der Nachhaltigkeit der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK). Das FairBook wurde am 27. Juni 2018 in den Räumen des Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verbands (BGV) im Beisein von Oberbürgermeister und Schirmherr des Projekts Dr. Frank Mentrup der Öffentlichkeit vorgestellt.

Prof. Dr. Christoph Hupfer, Dr. Fabienne Kürner und M.Sc. Martin Bejarano von der Fakultät für Informationsmanagement und Medien der Hochschule Karlsruhe erarbeiteten das wissenschaftliche Konzept. Dabei wurde ein völlig neuer Ansatz entwickelt: Das Instrumentarium ermöglicht eine Bewertung von Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung („FairScoring“) über alle Nachhaltigkeitsziele und unabhängig von Größe und Konstellation. Es ist universell einsetzbar und skalierbar und es ermöglicht Vergleiche. „Fragen wie ‘Was ist eine große Maßnahme? Welchen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten Maßnahmen, auch wenn sie nicht primär CO2 einsparen?‘ und viele andere können mit dem FairScoring beantwortet werden,“ so Prof. Dr. Hupfer.

Der Ansatz bewertet in vier Aspekten:
1. Welche Aktionsfelder werden mit einer Maßnahme adressiert und wie sind diese mit den Nachhaltigkeitszielen verknüpft?
2. In welchem Volumen wirkt eine Maßnahme?
3. Welche vorhandenen Potenziale werden erreicht?
4. Welche zeitliche Dimension ist gegeben in Dauer und Frequenz?

Den ersten Praxistest durchlief das FairBook bereits bei Unternehmen der TechnologieRegion Karlsruhe. Neben Detail-Scorings von mehr als 150 Maßnahmen für 9 Pilotunternehmen aus dem Unterstützerkreis der fairantwortung erfolgte ein grobes Screening von 238 Unternehmen der TechnologieRegion Karlsruhe zu mehr als 550 Maßnahmen nachhaltiger Entwicklung, die auf den Internetpräsenzen der Unternehmen benannt und beschrieben sind. Basis bildete hier eine Unternehmensliste, welche durch die TRK veröffentlicht ist. Die Ergebnisse geben einen Eindruck, in welchen Zielbereichen nachhaltiger Entwicklung die Unternehmen der TRK aktiv sind und in welchen Bereichen noch Potenzial besteht.

Die recherchierten Maßnahmen zeigen Engagement in allen 17 Zielen nachhaltiger Entwicklung. Im Schwerpunkt adressieren die Aktivitäten die Veränderung von Konsum- und Produktionsmustern mit dem Schwerpunkt Klimaschutz sowie Verbesserungen am Arbeitsplatz und nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Viele kleinere Maßnahmen zielen auf soziale Projekte und Integration. Die Bereiche „saubere Energie“ und „sauberes Wasser“, im Wesentlichen durch die Versorgungsunternehmen in der Region repräsentiert, erbrachten besonders große und intensive Beiträge nachhaltiger Entwicklung.

Potenzial kann in der Fokussierung auf die Aspekte der Mitarbeitenden gesehen werden, z. B. hinsichtlich Gesundheit und Wohlergehen, der Integration und der Geschlechtergleichstellung. Ebenfalls in den gesellschaftlichen Bereichen wie Partnerschaften zur Erreichung der Ziele oder aber insbesondere in den Aktivitäten für nachhaltige Städte und Gemeinden (z.B. über nachhaltige Mobilität) sind die dokumentierten Aktivitäten zur Erreichung der Ziele intensivierungsbedürftig.

„Die Gedanken und Ideen sind das Eine, die Umsetzung ist das Andere. Deshalb haben wir uns mit der Hochschule Karlsruhe einen starken Partner gesucht und gefunden“ so Andrea-Alexa Kuszák, Vorstand der fairantwortung, zur Vorstellung des Fair-Books als Leuchtturmprojekt der Unternehmerinitiative.

Oberbürgermeister und Vorsitzender der TRK Dr. Frank Mentrup stellte die gute Anwendbarkeit mit hohem praktischen Nutzen des „Nachhaltigkeitsmessinstrumentes“ heraus. Jeder könne einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten und das mit Spaß. „Man kann sich da schon vorstellen in einen Wettbewerb einzutreten, und sei es einfach, um mehr FairScores zu erzielen als ein anderer“, so Mentrup.