Weiteres Top-Ergebnis mit selbst gebautem Rennwagen

Studierende der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft erreichen bei internationalem studentischen Konstruktionswettbewerb in Spanien ausgezeichneten 4. Platz

27. August 2018

Mitte August 2018 hatte das Team aus 50 Studierenden der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft aus den Studiengängen Fahrzeugtechnologie, Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen und International Management mit ihrem selbst konstruierten und anschließend selbst gefertigten Rennwagen beim internationalen studentischen Konstruktionswettbewerb „Formula Student Germany“ auf dem Hockenheimring in der Klasse der Verbrennungsmotoren ihren bisher größten Erfolg erzielt: Unter den 58 Teams belegten sie in der abschließenden Gesamtwertung Platz 7 und zählten damit zu den Top Ten des Wettbewerbs.

Der letzte Wettbewerbseinsatz dieses Jahres stand vom 21. bis 26. August für die Studierenden der Hochschule Karlsruhe auf dem Formel-1-Kurs des Barcelona-Catalunya Circuit in Spanien an, wo sie sich mit 36 weiteren Teams in der Kategorie der Verbrennungsmotoren aus aller Welt messen konnten – und dies erneut mit einem außerordentlichen Erfolg: Nach fünf Wettbewerbstagen konnten sie in der Gesamtwertung mit Platz 4 erneut ein Spitzenergebnis erzielen. „Wir sind natürlich außerordentlich stolz, dass wir in der aktuellen Saison gleich in zwei Wettbewerben gegenüber so vielen Mitbewerbern aus renommierten Hochschulen weltweit derart gute Ergebnisse erzielen konnten“, so Frieder Uerlings aus dem 4. Semester des Bachelorstudiengangs Fahrzeugtechnologie und technischer Leiter des Teams. „Besonders stolz sind wir zudem auf den 2. Platz hier in Spanien beim Einzelwettbewerb ‚Skid Pad‘ zum Fahrzeughandling, wo nur die Oregon State University vor uns lag“, wie der studentische Teamleiter betont.

Die Hauptaufgabe der internationalen Konstruktionswettbewerbe der Formula Student besteht darin, einen Rennwagen herzustellen, der für eine Produktion in Kleinserie geeignet wäre. Geschwindigkeit ist dabei nur ein Aspekt, bewertet wird das Gesamtkonzept, zu dem auch Beschleunigungs- und Bremsleistung sowie Konstruktion, Gewicht und die kalkulierten Produktionskosten zählen. Um also einen schnellen, wendigen, sicheren, sparsamen und zuverlässigen sowie kostengünstigen Rennwagen zu entwickeln, ist für die Studierenden eine genaue Projektplanung und Koordination samt Marketingstrategie, Business Plan und Cost Report notwendig. Gefragt sind demnach viele ingenieurspezifische Fähigkeiten wie auch umfangreiche Wirtschafts- und Marketingkompetenzen. Das Konzept hinter diesem Wettbewerb ist es, den Studierenden eine attraktive Möglichkeit zu bieten, das im Studium angeeignete Wissen in die Praxis umzusetzen.

Zur aktuellen Wettbewerbssaison war das Team mit einem vollständig neu konzipierten Fahrzeug angetreten: Zur neuen Karosserie aus Kohlefasern (CFK) kommt ein komplett neu entwickeltes Fahrwerk mit geänderten Feder-Dämpferelementen. Um die Strömungsverhältnisse des Fahrzeugs zu verbessern, wurden in langen Sitzungen viele rechnergestützte Simulationen durchgeführt, die – im Vergleich zum Vorjahresauto – zu einem aufwendigeren Aeropaket führten.

Durch die Umstellung auf ein elektronisches Gaspedal wird das Fahrzeug für die Fahrer leichter steuerbar. Die Steuerelektronik kann jetzt direkt auf die Drosselwinkel der Luftansaugung zugreifen, um etwa das Drehmoment des Motors an die Stellung des Gaspedals anzupassen oder ein Durchdrehen der Räder zu verhindern.

Das neue Dash Panel – ein Kombiinstrument im Lenkrad, mit dem der Fahrer alle nötigen Informationen über das Fahrzeug auf einen Blick sehen und sofort reagieren kann – wurde um einige weitere Funktionen erweitert. So kann nun etwa die Reifentemperatur für jedes Rad oder eine Blockierwarnung für diese angezeigt werden. So werden dem Fahrer direkt die Einflüsse seiner Fahrweise auf das Fahrzeug zurückgemeldet. Zusätzlich abrufbare Informationen über den jeweiligen Zustand der Teilbe-reiche des Rennwagens sind vor allem in der Testphase hilfreich, da die Daten nicht mehr über einen PC ausgelesen werden müssen.

Wie in jedem modernen Entwicklung- und Produktionsprozess wurde das komplette Fahrzeug mithilfe von CAD-Systemen (Computer Aided Design) als Modell im Rechner erzeugt. So wurden auch die benötigten Fertigungsdaten generiert und ermöglichten zudem die Simulation und Berechnung der verschiedenen Bauteile und Funktionen. Anschließend werden bestimmte Teile individuell hergestellt und – teilweise bis zur Zerstörung – getestet.

„Das Fahrzeug zu den Wettbewerben rechtzeitig fertigzustellen und auch zu testen war für uns ein Riesenstress mit etlichen ‚Nachtschichten‘“, so Frieder Uerlings, „aber über die zwei Top-Ergebnisse in der 12-jährigen Geschichte unseres Rennteams sind wir überglücklich und betrachten es auch als Lohn für unsere gute Teamarbeit.“ „Seit Jahren entwickeln unsere Studierenden ihre Rennwagen mit unglaublichem Engagement ständig weiter. Für uns ist es auch immer wieder aufs Neue ein beeindruckender Beleg für die Kombination von Fachwissen und ausgeprägtem Praxisbezug unserer Lehre und auch dafür, wie gut es unsere Studierenden schaffen, ein solch umfangreiches Projekt zu planen und umzusetzen. Alle Schritte werden dabei von den Studierenden selbst organisiert, bis hin zur hochkomplexen Fertigung“, kommentiert Prof. Dr. Frank Artinger, Rektor der Hochschule Karlsruhe, die außerordentlichen Erfolge des studentischen Teams.

Und wie geht es weiter? Nach der Rückkehr aus Spanien geht es für die Studierenden der Hochschule Karlsruhe schon wieder um die Zusammenstellung des nächsten Teams für 2019, mit dem sie an die diesjährigen Erfolge anknüpfen möchten.