Kooperation mit Griechenland

Studierende der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und der Western Macedonia University of Applied Sciences in Kozani präsentieren Ergebnisse gemeinsamer Lehrveranstaltungen zu den Themen Start-up Management und Unternehmensstrategien

Im Rahmen von gemeinsamen Lehrveranstaltungen zwischen der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und der Western Macedonia University of Applied Sciences in Kozani entwickelten Studierende der Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften beider Hochschulen Ideen zur strategischen Unternehmensplanung sowie zur Gründung eines Start-ups, die sie nun in einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung am vergangenen Freitag, 14.12.2018, im Beisein des Leiters der Wirtschafts- und Handelsabteilung des griechischen Generalkonsulats in München Dr. Nikolaos Belias und von Vertretern aus Wirtschaft und den beteiligten Hochschulen präsentieren konnten.

Die sechs gemischten Teams aus jeweils zwei deutschen und zwei griechischen Studierenden lernten sich im September in Kozani während einer ersten „Face-to-Face Week“ kennen, begannen dort mit der Umsetzung der Aufgabenstellung und arbeiteten danach die nächsten Monate „remote“ mithilfe digitaler Kommunikationsmittel an ihren Themen. In einer zweiten gemeinsamen Woche vom 10.–14. Dezember 2018 in Karlsruhe finalisierten die Teams miteinander ihre Arbeit und präsentierten diese. Bei der Lehrveranstaltung „International Business Strategy“ (IBS) galt es, im Rahmen eines Web-basierten Planspiels in gemischten deutsch-griechischen Teams grundlegende Managemententscheidungen eines global agierenden Telekommunikationsunternehmens zu treffen, die alle bedeutenden Unternehmensbereiche wie Marketing/Vertrieb, Forschung und Entwicklung, Produktion, Logistik und Finanzen betreffen. Die Teilnehmer erhielten dadurch wertvolle Einblicke in die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens und lernten gleichzeitig, wie ein Unternehmen strategieorientiert gesteuert wird bzw. wie ein neues Unternehmen aufgebaut wird. Im Abschiedsplenum präsentierten die IBS-Teilnehmer die Entscheidungsprozesse innerhalb ihres jeweiligen (internationalen) Teams sowie die Unternehmensergebnisse anhand wesentlicher Unternehmenskennzahlen und einer Balanced Scorecard.

Für die zweite Lehrveranstaltung „Start-up Management“ (SUM) arbeiteten die griechisch-deutschen „Unternehmensgründer“ in Teams zusammen, um ihre Ideen für drei Start-ups speziell für den griechischen Markt auszuarbeiten. Mit der Internetplattform „Go!Local“ wurde die Idee entworfen, für Touristen ein Angebot für außergewöhnliche, spontane Aktivitäten zu schaffen – ein Abendessen bei einer griechischen Familie, ein Töpfernachmittag mit einer Dorfbewohnerin oder eine Tavernentour. Mit dem zweiten Projekt „DeliverMe“ schlugen die Studierenden einen Kurierdienst vor, der nicht nur Speisen liefern sollte, sondern auch andere lebenswichtige Dinge wie Medikamente. Die Kurierdienste sollen nach dem Uber-Prinzip erfolgen und Arbeitslosen, Müttern mit dem Wunsch nach einer flexiblen Nebentätigkeit oder Studierenden eine Beschäftigungsmöglichkeit bieten. Bei der dritten Start-up-Idee „Stellada“ handelt es sich um eine Internetplattform für handgemachte Dinge und Speisen, wo Manufakturisten unter anderem Teller aus Olivenholz, gestickte Decken, Duftöle, Teemischungen oder süßes Gebäck anbieten können und so nicht nur Waren, sondern auch griechische Kultur und Lebensart übermittelt werden.

Die Präsentation der Start-ups ähnelte dem Format der US-Fernsehshow „Shark Tank“ oder dem deutschen Pendant „Höhle der Löwen“. Die Jury, bestehend aus Dr. Nikolaos Belias, Dr. Thomas Lindner, Geschäftsführer bei dem Inkubator innoWerft, Sven Häwel, Unternehmer, Start-up-Coach und Internetberater, sowie Professoren beider Hochschulen bewerteten alle Unternehmenspräsentationen anhand eines vordefinierten Kriterienkatalogs. Am Ende der Veranstaltung stachen gleich zwei Teams mit einer besonders hohen Punktzahl heraus, sodass die Start-ups „Stellada“ und „DeliverMe“ als Gewinner der Veranstaltung gekürt werden konnten.

"Ich freute mich auf diese Jury-Sitzung für das Studentenprojekt – bin aber mit keinen hohen Erwartungen angekommen. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen: die Präsentationen und das sichtbare Engagement der Studierendenteams waren top! Da jährlich über 50 Start-ups unsere Programme durchlaufen, kann ich die Leistung der Studierenden gut vergleichen und habe Pitches gesehen, die wirklich beeindruckend waren und zu den besten gehörten. Gratulation – Sie können stolz auf Ihre Arbeit sein", würdigte Dr. Thomas Lindner die außergewöhnlich gute Leistung der Studierenden.

Prof. Dr. Hendrik Rust, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Karlsruhe, freute sich über das sehr positive Feedback der Juroren und resümierte: „Ich freue mich, dass die Leistungen der Studierenden so positiv bewertet wurden. Die positiven Feedbacks zählen mehr als jede Note. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht zu sehen, wie intensiv die Studierenden miteinander gearbeitet haben und wie sie mit den unterschiedlichen Herausforderungen durch die geografische Distanz, unterschiedliches Fachwissen sowie kulturelle Unterschiede umgegangen sind und am Ende professionell ihre Ergebnisse als Team präsentiert haben!“

Darüber hinaus wurde auch das – gemessen am erzielten Unternehmensergebnis – erfolgreichste IBS-Team (Team Red) mit einem ersten Preis ausgezeichnet. „Das Besondere an dieser Veranstaltung für die Studierenden ist nicht nur das Kennenlernen unternehmerischer Verantwortung und einer praxisorientierten Systematik bei der Existenzgründung unter Nutzung des erlernten Know-hows, sondern auch die Organisation effektiver und effizienter Teamarbeit in einem internationalen Umfeld unter Nutzung direkter und virtueller Kommunikation“, resümierte Prof. Dr. Manfred Schorb, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Karlsruhe.

Aus Sicht von Dr. Joachim Lembach, Leiter des Akademischen Auslandsamts (AAA) der Hochschule Karlsruhe, zeigte die von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und dem AAA gemeinsam konzipierte Veranstaltung auch in ihrem zweiten Jahr wieder eindrucksvoll, wie leicht deutsche und griechische Studierende kulturelle und sprachliche Barrieren überwinden und an einem gemeinsamen Ziel orientiert effektiv zusammenarbeiten können. „Dass dabei nicht nur berufliche Netzwerke, sondern auch persönliche Freundschaften entstehen, ist durchaus keine Nebensache“, so Dr. Lembach. Das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren (2017–2019) fand in dieser Form bereits zum zweiten Mal statt und wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des Programms „Hochschulpartnerschaften mit Griechenland“ mit 76 000 EUR gefördert.

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