Studierende bauen eigenen Rennwagen

Studierende der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft präsentieren selbst gebauten Rennwagen mit zahlreichen technischen Neuerungen – Teilnahme an studentischen Konstruktionswettbewerben auf dem Hockenheimring, in Österreich und Spanien geplant

26. Mai 2017

Auch in diesem Jahr haben sich wieder 61 Studierende der Hoch¬schule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft zusammengefunden, um einen einsitzigen Formelrenn¬wagen zu konstruieren und an¬schließend selbst zu fertigen. Sie stammen aus den Studiengängen Fahrzeugtechnologie, Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen und International Management. Sie vereint ein großes gemeinsames Ziel: den Bau eines eigenen Rennwagens für die diesjährige Teilnahme an den studentischen Konstruktionswettbewerben der „Formula Student“. Wie im vorangegangenen Jahr wird das Team mit seinem Rennwagen wieder auf dem Hockenheimring (veranstaltet vom VDI), in Österreich (Red Bull-Ring) und auf dem Formel-1-Kurs in Barcelona antreten.

Nach neun Monaten Entwicklung, Konstruktion und Fertigung haben die Studierenden nun mit dem „Rollout“ am 24. Mai 2017 ihr erstes großes Etappenziel erreicht und konnten das Resultat ihrer Projektarbeit mit dem neuen Rennwagen „F-111“ erstmals der Öffentlichkeit präsentieren.

Die Hauptaufgabe der internationalen Konstruktionswettbewerbe der Formula Student besteht darin, einen Rennwagen herzustellen, der für eine Produktion in Kleinserie geeignet wäre. Geschwindigkeit ist jedoch nur ein Teilaspekt, bewertet wird das Gesamtkonzept, zu dem auch Beschleunigungs- und Bremsleistung sowie Konstruktion, Gewicht und die kalkulierten Produktionskosten zählen. Um also einen schnellen, wendigen, sicheren, sparsamen und zuverlässigen sowie kostengünstigen Rennwagen zu entwickeln, ist für die Studierenden eine genaue Projektplanung und Koordination samt Marketingstrategie, Business Plan und Cost Report notwendig. Gefragt sind demnach viele ingenieurspezifische Fähigkeiten wie auch umfangreiche Wirtschafts- und Marketingkompetenzen. Das Konzept hinter diesem Wettbewerb ist es, den Studierenden eine attraktive Möglichkeit zu bieten, das im Studium angeeignete Wissen in die Praxis umzusetzen.

Auch für die neue Saison wartet das studentische Team mit einigen technischen Innovationen auf und setzt dabei auch weiterhin auf Gewichtsreduzierung durch konsequenten Leichtbau. Wie im Vorjahr kommt eine kohlefaserverstärkte (CFK) Voll-Monocoque-Karosserie zum Einsatz, die durch neues Kernmaterial jedoch noch leichter und robuster wurde. Neben der Leichtbauweise spielen natürlich auch Fahrdynamik und Motorleistung eine wichtige Rolle in einem solchen Formelrennwagen. Um diese zu verbessern, arbeiten die Studierenden intensiv an Prüfständen, um beispielsweise die Stoßdämpferauslegung und die Einstellung des Motors zu optimieren. Als weiteres technisches Highlight kommt am F-111 erstmals ein selbst entwickeltes Dash Panel zum Einsatz. Dies ist ein Kombiinstrument im Lenkrad, sodass der Fahrer alle nötigen Informationen über das Fahrzeug auf einen Blick sehen und sofort reagieren kann.

„Bevor jedoch das erste Bauteil gefertigt werden konnte“, so der studentische Projektleiter Stefan Klöpfer aus dem 7. Semester des Bachelorstudiengangs Mechatronik, „war es notwendig, dass sämtliche Bauteile zuvor in einem CAD-System (Computer Aided Design) am Rechner konstruiert wurden.“ Anschließend wurden alle kritischen Bauteile am Computer simuliert und Einzelteile beispielsweise in Bruchversuchen getestet. „Erst als die Bauteile den berechneten Belastungen standhielten, konnten wir mit der Fertigung beginnen. Dabei hatten wir über das hochschuleigene Institute of Materials and Processes die einmalige Möglichkeit, fast alle Komponenten selbst herstellen zu können.“

Nach dem Rollout des „F-111“ beginnt für die Studierenden eine kurze Testphase, um den Boliden für die Wettbewerbe der Formula Student „fit“ zu machen. Ende Juli, kurz nach dem Ende der Prüfungen, die die Studierenden noch ablegen müssen, geht es dann schon mit dem ersten Event in Österreich los. „Gerade kurz vor dem Rollout war es schon stressig, aber wir sind alle hoch motiviert und stolz auf das Ergebnis“, fasst Stefan Klöpfer die Stimmung im Team zusammen, „und das Projekt gibt uns Studierenden aus verschiedenen Fachrichtungen Gelegenheit, das im Studium Erlernte und unsere eigenen Ideen in interdisziplinären Teams in die Praxis umzusetzen.“

„Und der jedes Jahr weiterentwickelte Rennwagen der Studierenden ist für uns immer wieder aufs Neue ein beeindruckender Beleg für die Kombination von Fachwissen und ausgeprägtem Praxisbezug unserer Lehre und auch dafür, wie gut es unsere Studierenden es schaffen, ein solch umfangreiches Projekt zu planen und umzusetzen“, betont Prof. Dr. Dieter Höpfel, Prorektor für Studium, Lehre und Internationales der Hochschule Karlsruhe.